Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 87 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 9/12 ZI O N Seite 87 tamnu mipne reschit w'sof jirat schamajim." Sie verbargen es also nicht vor uns, weil Anfang und Ende von Kohelet eine falsche Auffassung der mittleren Kapitel unmöglich machen würde. Die Mitverwendung der diversen Buberschen Schriften in unserer Tarbutarbeit ist für uns keine Frage mehr, da deren Gedanken bei unseren Menschen und in der deutsch-jüdischen Oeffentlichkeit bereits festen Fuß gefaßt haben. Wir haben hier nur die Aufgabe, die selbständige Denkkraft und damit die Kritikfähigkeit wach zu halten, die durch den Wunsch weiter Kreise, sich an Buber zu „berauschen" nur zu häufig verschüttet wird. Damit ist Buber genau so wenig gedient wie seinen Lesern, und darin haben wir den Grund zu suchen, wenn Buber sich heute häufig mißverstanden fühlt. Wir stehen in ihm einem Sprachpsychologen gegenüber, der aus diesem Quell auch seine Sprachschöpfungen hernimmt. Eine Kritik seiner Neuschöpfung auf diesem Gebiete gehört nicht zu unseren Aufgaben und noch weniger zu meinem Thema. Aber man muß erwähnen, daß infolge seiner sprachpsychologischen Wortbildungen viele Menschen sich angesprochen fühlen auf Gebieten, in die sie bisher bei alleinigem Nachdenken nicht weiter vordringen konnten. So ist er in seinen Büchern .Daniel', ,Ich und Du' und .Zwiesprache' unbedingt ein klassischer Theoretiker auf dem Gebiete der Gemeinschaftsbildung. Insofern ist er besonders dort zu empfehlen, wo Menschen zum Denken angeregt und zur Arbeit an sich selbst gebracht werden sollen. Diese Aufgabe wird bei den genannten Schriften dadurch erleichtert, daß man über ihren Inhalt nicht diskutieren, sondern nur mitgehen oder ihn ablehnen kann. Das heißt aber nichts anderes, als daß die Zuhilfenahme von Gefühlsarbeit hier nicht nur erlaubt, sondern sogar notwendig ist. In dieser Hinsicht ist Buber vielleicht der einzige, der uns etwas geben kann, und sollte — selbst wenn es ginge — aus diesem Grunde aus unserer Arbeit nicht ausgeschlossen werden. Daneben steht er uns besonders dort sehr nahe, wo er neben der Form den Inhalt fordert, auch dann, wenn er sich unter Inhalt etwas anderes vorstellt als wir. Es ist schwer, hier in Kürze auf den Unterschied zwischen seiner und unserer Auffassung in den religiösen Fragen näher einzugehen. Jedoch sei kurz angedeutet, daß er den Weg zu .Gott nur durch Vertiefung und Erhebung finden kann, während wir ihn im tagtäglichen Leben bei der alltäglichen Arbeit genau wie am Schabbat zu gehen versuchen. Dem dient die Einhaltung der Formen, z. B. das dreimalige Beten am Tage, was nur demjenigen einen Zwang bedeutet, der diesen tieferen Sinn nicht versteht. Dieser Weg ist durch Generationen hindurch erprobt in der Richtung, daß er tatsächlich in der Lage ist, uns immer und immer wieder aus der uns im Sinne unserer Aufgabe entgegengesetzten Umgebung herauszureißen. Gerade .diese festen Formen geben uns die Möglichkeit zu einem Leben in der Wirklichkeit, ohne daß wir wie viele andere jüdischen Kreise die Angst zu haben brauchen, unser Ziel aus den Augen zu verlieren. Es ist noch wichtig darauf hinzuweisen, daß die Gestaltung jeglichen Gemeinschaftslebens in unserem Kreise von Anfang an bewußt erstrebt werden muß und nicht erst dann, wenn bei einem Brechen der gefühlsmäßigen Basis die fehlende geistige Grundlage zum Vorschein kommt. Von vornherein ist Freundschaft und Treue mit entwicklungsfähigen Dingen zu fundieren; entwicklungsfähig in diesem Sinne sind aber nur geistige Werte. Die Tarbutarbeit wird auch hier Horizonte zu erweitern, Ereignisse initiativ vorauszuschauen und die einzelnen Stufen zum Ziel pädagogisch aufzuzeigen haben. Eines will ich für Anfänger zur führerlosen Arbeit herausgreiien. Ich nenne hier nur einige Autoren, an denen wir, Möglichkeiten sehen, unseren Standort und die Entwicklungsmöglichkeiten genauer festzulegen. Religion: Buber, Rosenzweig, Breuer und noch Hirsch, wenn auch dessen Stil uns heute schwer zugänglich ist. Schon weitet a\if diesem Gebiete liegt „Weg der Frommen", übersetzt von Wohlgemuth, und „Herzenspflichten", übersetzt von Baumgart. Soziale Fragen: Buber, Gordon, Arlosoroff und Kaznelson in diversen Aufsätzen des Dawar. Mo Unnas und Erich Rosenblüths Aufsätze im Zion und Darkenu seien ganz besonders erwähnt Iwrit: „S'fat amenu" von Moses Rat, als eines der wenigen Bücher, die dem Anfänger nicht allzuviel Lektüre der Kinderfibel vorlegen. Das neue Buch „Iwrit l'chol isch" von Kaleko hat die gleichen Vorteile. Kibbuzerziehung: Ben Ari (im Verlag des Hechaluz für 95 Pfennig zu haben). Geschichte: Wir stehen hier vor der Tatsache, keinen Geschichtsschreiber in unserem Sinne zu haben. Außerdem haben die großen Geschichtswerke den Nachteil, daß sie dem Laien keinen Anreiz zur geschichtlichen Orientierung geben» weil sie zu schwer, zu trocken und umfangreich sind. Wir haben deshalb keine andere Möglichkeit, als zur laienhaften, anregenden Erziehung zu geschichtlichem Denken und zur Vermittlung von Kenntnissen für jüdische Geschichte Kastein: „Eine Geschichte der Juden" zu emp-