Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 85 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 9/12 Z I 0 N Seite 85 Hintergründe und noch häufig durch die Aufstellung von allgemeinverständlichen Grundsätzen zum tieferen Verständnis interessanter macht und ihre Befolgung dadurch erleichtert. Für die Alleinarbeit jedes Einzelnen sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß unbedingte Voraussetzung die Kenntnis der eigenen Möglichkeiten ist. Sie verhindert die allzu hohen Selbstanforderungen, deren Folge nur sein kann, daß nach einer Woche planmäßiger Arbeit kein Einziger noch die Kräfte zur Fortsetzung derselben aufbringt. Die Folgen einer derartigen Enttäuschung wirken sich nicht nur nachteilig durch das Aufgeben jeglichen Strebens zur Weiterarbeit, sondern auch indirekt auf den ganzen Menschen und seine Entwicklung aus. Mut zum Eingeständnis des eigenen Nichtwissens ist eine der stärksten Forderungen für den Beginn der heute notwendigen .selbständigen Arbeit. Wir brauchen uns unseres Niveaus nicht zu schämen; denn wir wurden alle aus dem gleichen Quell der deutschen Orthodoxie gespeist, die nur in wenigen Kreisen umfassendere jüdische und allgemeine Kenntnisse vermitteln konnte. Im Schlußwort wird noch Gelegenheit sein, genauere Anregungen für ein tieferes Eindringen in T'nach und die nachfolgende Literatur zu geben sowie zu unserer weltanschaulichen Einstellung reelle Grundlagen zu schaffen durch die Angabe von Literatur und die Art ihrer Verwendung. Schließen möchte ich die allgemeine Angabe der einzuschlagenden Richtung unter den unendlichen Schwierigkeiten der Gegenwart mit einem Abschnitt aus Hirschs „Chaurew", der uns zeigt, daß unseres Volkes Geschichte stets gerade unter den schwersten und kleinsten Voraussetzungen die hochgesteckten Ziele erreicht hat:' „Blick hin auf den Fels, aus dem Du gehauen, und auf den Spitzenhammer, der Dich gebohrt, blick hin auf Deine Väter und auf Gott, der sie erzog. Ein Volk sollte Awraham werden — und bis zum hundertsten Jahre hatte er den Sohn nicht, den ersten Stein zum Volke! Ein Land ward ihm versprochen — und hatte keine Heimat — mußte um vier Eilen betteln, der Gattin Leichnam zu begraben! Die Familie soll zum Volk erblühen — und muß in vierhundertjährigem Leiden, bis aufs Leben, alles einbüßen, was dem Menschen zum Menschenleben dient; aber sie hatten Emuna und dauerten durch — und ihr Festhalten lohnte die Wahrheit." Awraham, Jizchak und Jaakow, sie verkörpern uns drei Schicksale des menschlichen Lebens. Awraham, der Typ des Menschen, der sein Ziel erreicht hat: „Haschern berach et awraham bakol". (Bereschit, Kap. 24.) Jizchak, sein Gegenpol, konnte am Ende seines Lebens zwischen Esaw und Jaakow nicht unterscheiden. „Watichhenna enaw." (Das. Kap. 27.) Jaakow steht gleichsam zwischen beiden. Sein Ringen mit dem Engel, seine Schwierigkeiten mit seinem Bruder, sein Kampf um Rachel, berechtigen einen unserer G'dolim zu der Feststellung „tamid nirdaf w'eno rodef". Stets war er ein Verfolgter; doch nie verfolgte er selbst. Da er aber noch erleben konnte, wie sein Wunsch — der Sieg seines Sohnes Josef — in Erfüllung geht, können wir ihn mit Recht zwischen Awraham und Jizchak stellen. So stehen sich Glück und Unglück, und zwischen ihnen das getrübte Glück, im Leben von uns Juden stets gegenüber. Mit Max Brod möchte man hier den Unterschied zwischen Glück, „unedlem Unglück" und „edlem Unglück" machen. Aber: „W'eescha l'goi gadol wa'awarechecha wa'agadla schmecha weheje bracha." (Bereschit, Kap. 12.) „Weheje bracha", sagt Raschi, „Chotmin bracha rak bcha." Schließen wir die Bracha nur mit Awraham." Durchmachen wird Jisrael alle drei Zeiten. Auch unser Weg führt über Glück, Unglück und getrübtes Glück; aber: „Chotmin bracha rak b'cha". Glück und Erfüllung stehen am Ende unseres Weges. * In der Aussprache wurde neben einer grundsätzlichen Kritik, die eine besondere Betonung der zionistisch-weltanschaulichen Grundlage unserer Bewegung im Referat vermißte, die Bitte an den Referenten gerichtet, der Pegischa den Abriß eines konkreten Arbeitsplanes vorzulegen. * Schlußwort zum Tarbutreferat. Von Arje Königshofe r. Ich will mich bemühen, in diesem Schlußwort noch einmal deutlich herauszuarbeiten, wie wir unter den gegebenen Verhältnissen des katastrophalen Führermangels doch eine systematische Tarbutarbeit leisten können. Das Ziel soll dabei nicht verkleinert werden. Aber die Mittel, die wir anzuwenden haben, müssen vereinfacht und den Möglichkeiten unserer Menschen angepaßt werden. Wir brauchen zur Durchführung unserer Arbeit den besonders bei der deutschen Orthodoxie sehr seltenen Typ des menschlich und geistig aufgelockerten jüdischen Menschen. Sein Fehlen in Deutschland ist die Folge der Verengung des Horizontes, die wiederum ein Folge der allgemein bekannten Unwissenheit in jüdischen Fragen ist. Die Angst vor der Ueberrumpelung in Diskussionen durch den viel leichter diskutierbaren Standpunkt unserer Gegner hat uns verkrampft und auch