Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 84 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 84 ZION Nr. 9/12 in dem Punkte einsetzen kann, wo Generationen kraftvoll den Weg der Tora zu gehen versuchten und nicht dort, wo sie aus Gründen des .leichteren Weges" sich Schwierigkeiten aus dem Wege räumen wollten. Es kommt in diesem Falle noch dazu, daß unsere Umgebung eine Entwicklung nimmt, die uns mit aller Gewalt von der Richtung unserer Arbeit zu entfernen droht. Umsomehr wird es unsere Pflicht sein, innerhalb des tagtäglichen Lebens jeden Augenblick wahrzunehmen, der uns aus dieser uns entgegengesetzten Umgebung herausreißt, um uns auf die Notwendigkeit der Arbeit, auf das Ziel, aufmerksam zu machen. D. h. aber nichts anderes, als uns aufs Neue Schwierigkeiten dort zu suchen, wo wir am meisten der Tora entfremdet zu sein scheinen. Dies ist auf dem Gebiete des geschilderten Beispiels ganz gewiß der Fall, wenn wir bedenken, daß Gedanken wie Nacktkultur und dergl. .schon starke, wesentliche und nicht die schlechtesten Kreise der jüdischen Jugendbewegung beschäftigten. Ganz allgemein werden wir feststellen müssen, daß der Qualitätserziehung im Judentum, wie sie sich etwa im, Begriffe des Sch'erit Jisrael" widerspiegelt, die Quantitätserziehung unserer Umgebung gegenübersteht. III. Wir kommen jetzt zu den einzelnen Wissensgebieten, auf denen es eine annehmbare Grundlage zu vermitteln gilt. Wegen der geschilderten notwendigen Anpassung der Tarbutarbeit an die verschiedenen Menschen unseres Bundes komme ich zu dem Vorschlag, daß die bisherigen Tarbutpläne durch neue ergänzt werden müssen. Die alten Pläne waren häufig trotz ihrer Gründlichkeit zum praktischen Gebrauch für die Führer nicht zu verwenden, weil sie infolge der Fülle des Materials eine zeitraubende Auswahl nötig machten. Für den Durchschnitt unseres Bundes kamen sie nicht in Frage, weil sie ein zu hohes Anfangsniveau voraussetzten und die Schwierigkeiten der Hachsohara wie Zeitmangel und Müdigkeit nicht mit berücksichtigten. Die Pläne müssen näher spezialisiert werden, etwa in der Richtung, daß der „Kampf um Jisrael" für verschiedene Gebiete durch genaue Angabe der entsprechenden Aufsätze — eventuell sogar noch bestimmter Stellen aus ihnen — zur Verwendung kommen kann. Der Plan muß die Möglichkeit geben, selbst die Menschen, die ohne jedes Anfangsniveau zu uns kommen, ohne fremde Hilfe langsam, Stufe für Stufe, dem Ziele näher zu bringen. Aus diesem Grunde werden wir auf Gemara als Erziehungsmittel in den meisten Fällen verzichten müssen. An deren Stelle wird, häufig Mischnajot treten müssen. Wir können uns bei der geringen vorhandenen Freizeit ein Lernen nur um der Mizwa willen nicht leisten, sondern müssen es so einrichten, daß der erzieherische Wert dabei nicht zur kurz kommt. Die fehlenden Voraussetzungen auf diesem Gebiete lassen sich m. E. nur auf Jeschiwot nachholen und — noch stärker betont — eigentlich nur auf Jeschiwot des Ostens, weil deren Milieu der beste Kommentar zu dem Inhalt des zu lernenden Stoffes ist. Ganz abgesehen davon, daß die Zeit dort viel besser ausgenutzt werden kann, da jegliche Ablenkungsmöglichkeif fehlt. Uns in Deutschland fehlen größtenteils die Menschen, die auf der einen Seite die Kenntnisse haben, auf der anderen Seite die Fähigkeit besitzen, mit dem G'maralernen die notwendige Tiefen- und Breitenwirkung zu erzielen, wie es auf den Jeschiwot durch den Zusammenklang des Derech Halimud und seiner Bestätigung durch die Geschlossenheit des Milieus der Fall ist. Als Ersatz dafür kommt für uns bestenfalls ein G'maralernen in Frage, das etwa in weltanschaulicher oder historischer Hinsicht, z. B. durch die Aufzeigung der Entstellung und verschiedenartige Durchführung eines Din auch Anfängern das Lernen interessant macht, selbst dann, wenn Lehrer oder Schüler dem Stoff nicht gewachsen sind. Selbstverständlich muß das T'nachlernen zum Teil die Lücke ausfüllen, die durch das Fehlen des G'maralernens in oben geschildertem Sinne bei uns entstanden ist; d. h. es muß zum Nachdenken anregen, es muß direkte Hinweise auf unsere Lebensgestaltung geben und die Verbindung von mündlicher mit schriftlicher Lehre herstellen. Das erfordert eine starke Verwendung von jüdischen und anderen Kommentatoren jeder Art, weil sie uns helfen, den Horizont in verschiedenster Richtung zu erweitern und das Lernen selbst für Anfänger in der Alleinarbeit anregend zu gestalten. Jacobus: Gottesstaat; Herford: Pharisäer; P. Voß: Mose und sein Werk, seien u .a. hier erwähnt, besonders deshalb, weil sie durchweg in deutscher Sprache geschrieben sind. Es darf nicht vergessen werden, in diesem Zusammenhang auf die ganz besondere Wichtigkeit des Dinimlernens hinzuweisen, wodurch wir uns den direktesten Einfluß auf unsere Lebensgestaltung erhoffen. Es muß allerdings zu letzterem erwähnt werden, daß mittlere Kenntnisse Voraussetzung sind. „Mischna b'rura" von Chofez Chajim sei deshalb hier genannt, weil es das trockene'Dinimlernen durch die Beleuchtung der