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Zion · 1934-10-01 · 9-12 (10.1934) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
9-12 (10.1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 82 (sequence 12)
Language
German
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Seite 82 Z I 0 N Nr. 9/12 während letztere auf Grund der ganzen methodischen Arbeit ihres Bundes in den Fragen der jüdisch-menschlichen und nicht selten auch der jüdisch-geistigen Arbeit vertiefend auf unser Milieu wirkten. Eine ausführliche Schilderung dieser beiden Kreise kann ich mir hier ersparen, da schon genügend darüber geredet wurde. Nur sei festgestellt, daß der Brit Hanoar durch die Entziehung fast seiner gesamten Führer für die Arbeit in Erez Jisrael heute nicht mehr den zuverlässigen Kreis von Menschen stellen konnte, auf den wir für die Leitung unserer verschiedenen Hachscharagruppen unbedingt rechnen müßten. Es kann so eigentlich von einem Versagen der Brit Hanoar-Arbeit heute nicht in größerem Maße geredet werden als früher; denn aus dem Führermangel kann man selbstverständlich seinen heutigen Mitgliedern keinen Vorwurf machen. Demgegenüber ist für den Esra zu betonen, daß er für die neuentstandene Situation in keiner Weise genügend geschult war und deshalb uns nicht die Auswege zeigen konnte, die er auf Grund seines Programms von rechts wegen uns hätte zeigen müssen. Dadurch, daß durch die Ereignisse die rein beruflichen Fragen schon sehr früh an unsere Jugend herangebracht wurden, ist dem Esra der Kreis von Menschen entzogen worden, die Voraussetzung und Grundlage seiner Arbeit hätten sein können. Diese Voraussetzungen und Grundlagen selbst zu schaffen, hat er stets unterlassen und dies mußte in der neuentstaudenen Situation natürlich besonders verhängnisvoll für ihn werden, da die an qualitative Arbeit gewöhnten Führer dieses Bundes nunmehr zu einer Umstellung im Sinne einer Erleichterung nicht nur unfähig waren, sondern auch fehlenden Willen zeigten. Da dieser Fehler die menschlich und geistig in jüdischer Beziehung teilweise fähigsten Menschen innerhalb der toratreuen Jugend Deutschlands betrifft, kann er nicht stark genug aufgezeigt werden, weil dies ja zeigt, daß eine ganze Führerschicht jahrelang ihre besten Kräfte für eine Arbeit verbraucht hat, die nicht in Einklang mit den Realitäten des Lebens zu bringen war. Der Ausfall dieser Menschen hatte notwendigerweise zur Folge eine Verkleinerung unseres Horizontes in Richtung der Berücksichtigung des alten Jischuw, dessen Kräftereservoir — dem Jeschiwajudentum des Ostens — wir nicht nur dankbar sind, weil es uns die Grundlagen zu einer rückwärtsgewandten Erneuerung des Judentums in gewisser Beziehung verschaffte, sondern zu dem wir darüber hinaus auch für die Zukunft weiterhin mehr Vertrauen haben, für die Vermittelung eines Einblickes und — was noch mehr wert ist — eines Ein I e b e n s in die talmudische Literatur und deren Entstehung als zu dem konservativen Judentum Deutschlands. Aehnlich liegt es auf politischem Gebiete, auf dem wir durch den Ausfall des zuverlässigen Brit Hanoar-Nachwuchses keine oder nur wenig Beziehung mehr fanden zu den Fragen, die über die innerjüdische Situation Palästinas hinausgehen. Erwähnt seien hier die Araberfrage, ein Vergleich der Entwicklung Asiens gegenüber der von Europa und speziell ein Vorausdenken unserer Möglichkeiten für die Zukunft. Die Folgen dieser Verkleinerung unseres horizontes können nur Verständnislosigkeit und Intoleranz gegenüber den Begebenheiten des Lebens sein. Deshalb ist es umsomehr notwendig, daß unsere Menschen sich in ihrer Arbeit selbständiger und von Führern unabhängiger machen; nur so wird man nun nicht mehr Ereignisse stets nachträglich analysieren, sondern im voraus deren Eventualität in Erwägung ziehen; man wird Ereignisse schaffen, anstatt sich von ihnen überraschen zu lassen. Um dies zu erreichen, stehen uns heute nur in den seltensten Fällen reifere vorgebildete» Menschen zur Verfügung, und der Kreis der bündisch bisher nicht Erfaßten und einer selbstlosen Arbeit Zugänglichen stellt bei weitem die Mehrheit unseres Bundes dar. Wir haben zwar für die Erfassung dieser Mitglieder nur ein bis zwei Jahre zur Verfügung, haben aber trotzdem mehr Möglichkeiten als etwa der Brit Hanoar, weil bei uns eine intensivere Erfassung durch eine kibbuzische Hachschara erfolgen kann. Aber auch hierin müssen wir feststellen, daß dafür fast nur die Zusammenziehung auf dem Lande Erfolge gezeitigt hat, weil die Bäte Chaluz in der Stadt ungefähr doch in gleicher Weise wie die Snifim unter den Ablenkungserscheinungen der Stadt zu leiden haben. Aus diesem Grunde werden wir die wenigen Führer noch mehr als bisher in den ländlichen Hachscharakibbuzim zu konzentrieren haben, und es wird vermieden werden müssen, daß unsere führenden Menschen wie bisher die Schwierigkeiten einer Arbeit in der Chewra zugleich neben einer Arbeit in den Brit Hanoar-Gruppen jeder für sich allein zu lösen haben. Man sollte die so entstehenden Halbheiten dadurch vermeiden, daß man jeweils entscheidet, wer für welche Zeitdauer wesentlich im Brit Hanoar oder in der Chewra zu arbeiten hat. Aber noch kennen wir nicht den Menschentyp, der durch die Methodik seines Weges der Erreichung unseres Zieles am nächsten steht. Wir wissen, daß heute viele Lebensanschauungen von sich behaupten, ihr Weg sei der einzig richtige vom Standpunkt des toraerfüllten Lebens. Wir

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