Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 81 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9/12 ZION Seite 81 Sinne des „Kol Jisrael arewim se läse" an Stelle des Verantwortungslosen und Klal — entfremdenden Lebens: Verantwortung zur Gemeinschaft, und im engeren Sinne: Chewra und Kibuziut. In geistiger Richtung verlangen wir hier die Ueberlegung an Stelle der Phrase und das Verlangen nach eigenschöpferischer Tätigkeit an Stelle der Assimilation, die erst eine Folge des Mangels an diesem Bedürfnis darstellt. Jetzt werden wir und die anderen Gruppen um uns herum auch verstehen, worin und warum wir soviel Berührungspunkte mit anderen Bünden haben und deshalb, weil es eben „nur" Berührungspunkte sind, von ihnen getrennt bleiben müssen; denn es ist eine Erfahrungstatsache, daß Berührungspunkte in der Trennung friedliche, positive Beziehungen schaffen,, während die gleichen als „Nur"-Berührungspunkte in der Verbindung unfriedliche Beziehungen zur Folge haben und deshalb negative Wirkung zeigen. Um der Klarheit willen sei hier festgestellt, daß zwar u. E. auch Lehrer, Aerzte, Philosophen usw. Chaluzim sein können; denn sie haben die Möglichkeit zur Verwirklichung, aber — wie schon bemerkt — auch die Möglichkeit zur N i c h t Verwirklichung. Ich persönlich sehe hierin eine Tragik dieser Menschen, daß sie im Sinne der normalen beruflichen Gliederung der jüdischen Gesamtheit den Anforderungen von „Tora Waawoda" in der Gegenwart nicht gerecht werden können, sondern daß sie jeder auf seinem Gebiete bestenfalls uns, den Menschen, die theoretisch die Möglichkeit zur hundertprozentigen Verwirklichung hätten, durch eine Vertiefung des Inhaltes und durch eine Verbreiterung seiner Basis und damit unseres Horizontes nur „dienen" können. Für die Gegenwart mögen sie zwar dennoch besser sein als viele unserer Chaluzim, doch damit sind sie nur besser als die „Pseudo"-Chaluzim von Tora Waawoda; denn zusammengefaßt muß gesagt werden, daß im Sinne der geschilderten Gegenwartsbedeutung die letzte Verwirklichung bei den Menschen liegt, die als Lamdanim (im weitesten Sinne) den besten Pardeß in Erez Jisrael anlegen. Sie. nämlich haben Tora Waawoda so erfüllt, daß: sich der Hinweis auf Awoda erübrigt, weil die Tora dieser Menschen die Awoda mitenthält — und dies nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Dies aber ist unser Ideal, dies ist sein Inhalt: Daß jeweils das Zeitliche vom Ueberzeitlichen her erfüllt werde und daß deshalb dem erfüllten Zeitlichen laufend eine neue nächsthöhere Stufe gesetzt werden kann. In diesem Sinne ist die Neusetzung von Tora Waawoda das Schöpferische unserer Bewegung und der Weg zum Ziel in der Festlegung der jeweils nächsthöheren Stufen ist die Aufgabe der Tarbutarbeit. Und Tarbut, von rharbe mehr werden lassen, erfordert Wegbereitung und Wegbereitschaft, d. h. Chaluziut. Unsere Wegbereitung für den Chaluz heißt nun für Tora: Lamdut im weiteren Sinne mit Hilfe von jüdischer Schule, eventuell bis zum Abitur, Jeschiwa und möglichst noch anderen weiteren Bildungsstätten auf diesem Wege (Seminare); für Awoda: manuelle Arbeit auf Hachschara; für Erez Jisrael: als Poel im Kibbuz im Kampfe für den toratreuen Binjan Haarez. Alles andere ist ein Weniger im Angesicht der Gegenwart, denn es bedeutet eine Diskrepanz zwischen jüdischen Lebensanschauungen und jüdischer Lebensgestaltung. II. Bei dem nun folgenden Versuche, irgendwelche praktischen Anregungen für die Tarbutarbeit in Richtung auf das fixierte Ziel zu geben, geht es in erster Linie darum, festzustellen, welche Art von Menschen unter welchen Umständen für welche Zeitdauer durch unsere Tarbutarbeit erfaßt werden müssen. Eine Klarheit auf diesem Gebiete wird uns schon viel eher als es bisher der Fall war, die Möglichkeit geben, Wege zu zeigen, die die verschiedensten Menschen diesem Ziel näher bringen. Schon hier habe ich eine notwendige Aenderung angedeutet. Infolge der sehr verschiedenen Voraussetzungen, mit denen die Menschen zu uns kommen, wird es nötig sein, die Tarbutarbeit mehr den verschiedenen Gruppen entsprechend zu differenzieren. Auf Grund des- Führermangels wird man sie mundgerechter für die Menschen unseres Bundes bringen müssen, um dann die Forderung nach Selbstarbeit oder führerloser Gemeinschaftsarbeit, eventuell in kleineren Kreisen, mit größerer Berechtigung erheben zu können als jetzt, wo jeder fragen wird, was er denn allein mit sich anfangen solle. Bei den praktischen Vorschlägen kommen wir zu diesem wichtigsten Punkte auf diesem Gebiete noch zurück. Bei der Schilderung der verschiedenen Menschen, die heute zu uns gehören, kommen wir um einen Rückblick auf die Vergangenheit nicht herum. Bis vor etwa anderthalb Jahren setzte sich unser Kreis wesentlich aus Menschen des Brit Hanoar oder des Esra zusammen. Erstere brachten neben den Vorteilen der bündischen Erziehung noch eine teilweise sehr gute Kenntnis der politischen Verhältnisse mit in die Hachschara,