Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 80 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3133276-3139367-3139373--0961-3140478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 80 ZI 0 N Nr. 9/12 Aufgabe unserer Erziehung, ihm diesen Weg zu erleichtern. Der andere, postassimilatorische Typ, vielfach aus liberalem westjüdischen Hause kommend, findet den Weg zu uns schwerer; denn er sucht nur Religion und nicht das Gesetz. Ihm gilt es von seinem religiösen Empfinden her den Weg zum Gesetz zu zeigen. Auf beide.Typen haben wir unsere Erziehung zu Tora Waawoda einzustellen, und nur ein ehrliches Bemühen um ein immer klareres Herausstellen des Zieles kann uns weiterbringen. Zu unserer Tarbutaröeit. Arje Königshöfer I. Bevor wir versuchen, die Mittel aufzuzeigen, mit denen es uns gelingen soll, in Zukunft unsere Menschen für das Programm Tora Waawoda zu gewinnen, um dann mit diesen Menschen dessen Inhalt tiefer zu erfassen, wird es notwendig sein, unser Ziel nun nicht mehr parteimäßig programmatisch und: nicht mehr analytisch dessen Entstehung auf Grund der Vergangenheit zu entwickeln, sondern tarbutmäßig, d. h. eigentlich als Weg pädagogisch darzustellen. Dazu werden wir uns zuerst wegen der Formulierung Tora Waawoda zu verantworten haben, um nicht den gleichen Mißverständnissen in der praktischen Arbeit ausgesetzt zu sein, wie es bei der Modernisierung von „Tora im Derech Erez" der Fall war; denn die Setzung eines neuen Begriffes neben den Totalitätsbegriff der Tora könnte dem unvoreingenommenen Betrachter das Bestreben andeuten, als ob dieser zweite Begriff nicht in der Forderung der Tora enthalten sei. Gerade dieser Auffassung gegenüber wollen wir doch betonen, daß Tora für uns eine Forderung für jede Situation zu jeder Zeit des Lebens bedeutet. Deshalb müssen wir feststellen, daß die Verbindung von Tora mit Awoda nicht wie sonst jedes „und" die Verbindung zweier an sich fremder Werte darstellt, sondern daß diese Setzung nur eine Folge der jüdischen Situation der Gegenwart ist. Wir glauben das Recht zu haben, Gleiches für die Formulierung von „Tora im Derech Erez" festzustellen, die — wie Ernst Simon treffend bemerkte — nur deshalb nicht die unsrige werden konnte, weil sie vorher schon von anderen Kreisen gebraucht und im Laufe der Zeit im Kampf der jüdischen Parteien ihres eindeutigen Inhaltes beraubt wurde. Im Gegensatz zu unserer Ansicht wäre höchstens eine Auffassung denkbar, die hier etwa aus Gründen der Berufsumschichtung die künstliche Verbindung zweier zunächst unverbindbarer Werte vermutet. Dies wäre aus dem Mangel an ihrer Verwirklichungsfähigkeit für uns untragbar. Denn das sei hier vorweggenommen, daß es dem Bachad unter allen Bünden, die für das gleiche Programm arbeiten, ernster um dessen Verwirklichung ist und sein muß, weil es im Wesen der Chaluziut — ganz gleich welcher Richtung — liegt» das Gewollte wenigstens versuchsweise zur Verwirklichung zu bringen; weil wir neben der Bewährung durch die Tat keine andere Aufgabe auf uns genommen haben und natürlich infolge ihrer Größe auch nicht auf uns nehmen konnten. Wir sind ja nicht Lehrer, Kaufleute, Philosophen, Aerzte und dergl. und haben deshalb im Falle der NichtVerwirklichung keine Existenzberechtigung vom Standpunkt der Verantwortung der Gegenwart, wie es etwa beim Lehrer als Pädagoge oder beim Arzt als Helfer und dergl. der Fall ist. Deshalb ist es nur zu berechtigt, wenn man von dem Menschen unseres Bundes den Einsatz der ganzen Persönlichkeit für das Programm fordert. Und wir müssen deshalb uns vor der Erkenntnis unserer Wege zur Verwirklichung im Klaren darüber sein, was uns mit der Formulierung von Tora Waawoda gesagt sein soll. Wir wollen uns zugeben, da selbstverständlich vorhandene Dinge nicht gefordert zu werden brauchen, daß somit das Wort „Tora" uns einen Mangel in unserer jüdischen Lebensgestaltung andeutet, der durch das Wort „Awoda" nur die Richtung unseres stärksten Mangels innerhalb derselben angibt. Awoda ist das jeweils Zeitliche im Leben der jüdischen Gesamtheit, gegenüber der Tora als der überzeitlichen Forderung für die Entwicklung des Am Jisrael. Dies wenden wir an auf den verschiedensten Gebieten des Lebens: für die Parnassa, wirtschaftlich gsehen, für den Jezer, menschlich gesehen, für die Bildung, geistig gesehen. Hier kommt Tora hinzu und fordert das jeweils Gesunde an Stelle des Ungesunden. Für die Gegenwart bedeutet das: Die Forderung nach einer normalen beruflichen Gliederung des jüdischen Volkes — d. h. produktive manuelle Arbeit, auf wirtschaftlichem Gebiet. Weiter fordert sie Gesinnung an Stelle entgegengesetzter Folgen der Galut, menschlich betrachtet, und sie mahnt zur Lamdut im weitesten Sinne, an Stelle von Bildungslosigkeit und Unwissenheit, in geistiger Hinsicht. Dies alles, verbunden mit Chaluziut, der Forderung nach unbedingter Verwirklichung bis ins Letzte, bedeutet in wirtschaftlicher Hinsicht: Gemeinschaftssinn an Stelle von Egoismus und Ungerechtigkeit. Menschlich gesehen fordert es im