Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 79 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9/12 Z I ON Seite 79 erfüllen, als die Mizwa auszuführen. Die Mizwa stellt die objektive Heilsmöglichketi dar, die man ergreifen oder verwerfen kann. B. H. dagegen vertritt die Auffassung, daß darüber hinaus die Möglichkeit gegeben ist, durch das halten der Mizwa b'kawana aus dem eigenen religiösen Streben jedes Einzelnen besser und schneller sich dem Ziele zu nähern. Nicht Ol hamizwot, passives Hinnehmen der auferlegten Pflicht, sondern Simcha schel Mizwa, aktives Ergreifen des uns von Gott gegebenen Weges muß die Grundhaltung sein, auf der wir unser persönliches und gemeinschaftliches Leben aufbauen. Das ist die Gesinnung, von der aus unsere Tefilla ihren wahren Sinn bekommt. Von hier aus muß unser Lernen fruchtbar werden und die Mizwot zum lebendig gestaltenden Element unseres gemeinschaftlichen Lebens. Nicht warten, daß uns von selbst, durch die Tatsache, daß wir einen toratreuen Kibbuz bauen, die Erleuchtung komme! Nur dadurch, daß jeder Einzelne sein Leben bewußt religiös begreift, kann unser Gemeinschaftsleben seinen wahren Inhalt und seine adäquate Form finden. Aus diesem dem einheitlichen Ziel zugewendeten Streben erwächst die Atmosphäre unseres Kibbuz, die wiederum jeder Einzelne braucht zu seiner Entfaltung. Wenn hundert Menschen nebeneinander alle Mizwot halten und glauben, darin bereits Erfüllung zu finden, so bleibt nichts mehr übrig für ihr Streben, als der Wunsch nach Weiterbildung, Vermehrung des Wissens und nach wirtschaftlichem Vorwärtskommen; aber das seelische Streben hundert gleichgerichteter Chawerim kann formend und gestaltend die lebendige Synthese von Tora Waawoda herbeiführen. Aussprache über das Referat Tora Waawoda. Die Aussprache beschäftigte sich im Wesentlichen mit den pädagogischen Wegen, die zu gehen sind, um die heute in Deutschland aufwachsende Generation zu fruchtbaren Mitarbeitern an der Verwirklichung von Tora Waawoda zu erziehen. Bei allen Ueberlegungen über dieses Thema müssen wir von der Voraussetzung ausgehen, daß diese Synthese in Erez Jisrael noch nicht geschaffen ist, daß wir uns nicht in ein bereits bestehendes festgefügtes Milieu einfinden können, sondern daß wir uns einzureihen haben in die Gemeinschaft derer, die sich um die Synthese ihres privat-gesellschaftlichen Lebens im Aufbau Erez Jisraels bemühen. Es wurde die Meinung vertreten, daß wir heute in unserer einmaligen jüdischen Situation, die durch die Balfour-Deklaration gegeben ist, unsere ganzen Energien auf den praktischen Aufbau zu konzentrieren haben und daß ein Hineingehen in die persönlichen religiösen Fragen des Einzelnen eine Ablenkung und Schwächung dieser Energien zur Folge haben müsse. Der zionistische Aufbau sei als Mizwa anzusehen, als die große Chance, die uns erst die Voraussetzung zu einem neuen Erleben der Tora gibt. Ohne dieses Bewußtsein besteht die Gefahr, daß wir über der täglichen Kleinarbeit den Blick für das Ganze verlieren. Wir sind ein kleines Glied in der großen zionistischen Bewegung. Es ist zwar wichtig, daß wir für Gehringshof, Kibbuz Rodges arbeiten; aber man muß das Ganze aufweisen, um sich eingegliedert zu fühlen in die Renaissancebewegung des ganzen jüdischen Volkes. Demgegenüber wurde eingewandt, daß wir nicht weiterkommen dadurch, daß wir programmatische Forderungen erheben. Wir werden in Erez Jisrael Tora Waawoda selbst in unserem engeren Kreise nicht verwirklichen können, es sei denn aus dem persönlichen Erleben des Einzelnen. Das ist erst der Ausgangspunkt für die Einreihung des Einzelnen in das Volk. Es war daher dringend notwendig, ohne Schlagworte die Problematik von dieser Seite her aufzuzeigen. Dabei ist uns klar, daß neues Leben nicht durch Klärung theologischer Begriffe wie Schöpfung, Offenbarung, Erlösung usw. geschaffen wird, sondern nur von der Erneuerung des religiösen Erlebnisses. Schließlich wird festgestellt, daß sich beide Anschauungen nicht widersprechen, sondern ergänzen. Unsere Bemühungen um religiöse Erneuerung haben nur Wert innerhalb des zionistischen Werkes und haben dies zur Voraussetzung; doch kann der Aufbau des Landes letzten Endes nur durch eine religiöse Erneuerung Bestand haben, darum sind unsere Fragen die aktuellsten zionistischen Fragen. Es wird dann noch klar herausgearbeitet, daß wir im Wesentlichen mit zwei Typen von Menschen zu rechnen haben, auf die wir unsere Erziehung einstellen müssen. Für den einen heißt das Grundproblem: Wie finde ich eine Beziehung zum Glauben? Es ist dies vorwiegend der Typ des präassimilatorischen Menschen, der aus gesetzestreuem, häufig ostjüdischem Hause stammt, dem die ihm primitiv erscheinende Religiosität der Eltern fremd geworden ist. Er muß noch das geistesgeschichtlich bereits überwundene Stadium der Aufklärung für sich persönlich überwinden. Ihm gegenüber ist es