Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 75 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9/12 ZI 0 N Seite 75 Entwicklung, die uns die letzten Grundlagen unserer Galutexistenz zerschlagen hat, hat uns durch die Möglichkeit des Aufbaues von Erez Jisrael den Weg zur Wiedergeburt geöffnet. Der größte Teil des toratreuen Judentums hielt sich vom Aufbau fern (Aguda, alter Jischuw). Und soweit er sich an ihm beteiligte (Misrachi), glaubte er dadurch seiner Pflicht gerecht zu werden, daß er religiöse Einrichtungen schuf, deren Wert nicht herabgemindert werden soll. Wir aber, die Tora Waawoda-Bewegung, haben erkannt, daß nicht durch Einrichtungen, nicht sogar durch Schulen,, denen die notwendige Beziehung zur Wirklichkeit des Lebens fehlt, nicht durch Forderungen an nichtreligiöse Volksteile religiöse Gebote zu erfüllen und nicht durch politischen Kampf für diese Forderungen der Aufbau im Sinne der Tora beeinflußt werden kann. Wer das Land mit seiner Hände Arbeit aufbaut, der prägt ihm seinen Stempel auf. Das ist der Weg des religiösen Ar-, beiters, des Hapoel Hamisrachi. Damit haben wir unseren Ort in unserer Gegenwart bestimmt. Damit haben wir den Rahmen gewonnen, in dem sich unsere Bewegung zu erfüllen hat. Wir haben ihn so auszufüllen, daß wir ihm die volle Befriedigung eines hundertprozentig jüdischen, d. h. von der Tora her bestimmten Daseins erstreben. Das Galut hat es mit sich gebracht, daß immer weitere Teile unseres Lebens der Gestaltung durch die Halacha entzogen wurden. Das gesellschaftliche, rechtliche, kulturelle Leben spielt sich in fremden Zonen ab. Geblieben ist uns schließlich der begrenzte Bezirk des Familienlebens und ein schwacher Abglanz unserer Schabatot und Jamim Towim. Und schließlich hat man daraus noch eine Theorie gemacht. „Torah im Derech Erez", d. h. sei europäischer Mensch unter Europäern und Jude unter Juden. Teilung der Interessensphären. Weitgehender Verzicht auf den Anspruch der Tora, das ganze Leben zu umfassen. Eine Regeneration kann nur dann erfolgreich sein, wenn wir wieder einen vollkommenen jüdischen Lebenskreis schaffen; wenn wir erreichen, daß nicht nur wie bisher der Schabat und das Familienleben als Reste eines totalen Lebens nach der Tora uns mühevoll erhalten bleiben, sondern wenn es gelingt, den Alltag, das öffentliche Leben, die sozialen Beziehungen für die Gestaltung nach der Tora zurückzuerobern. Weil sich die Halacha nicht auf ein vorhandenes Leben beziehen konnte, erschien sie uns oft lebensfremd. Jüdisches Volksleben ist Voraussetzung für jüdisch-religiöses Leben. Das ist der Weg von Tora Waawoda, der Weg des Hapoel Hamisrachi, des Kibbuz Rodges, des Bachad. Dieser, Gedanke ist häufig in unserem Kreise entwickelt und formuliert worden. Ohne Zweifel ist das alles richtig; aber ich glaube nicht, daß das genügt. Es ist noch viel zu sagen über Tora Waawoda und unseren Weg zu seiner Verwirklichung. Wir haben sechs Jahre Bachad-Arbeit, fünf Jahre Kibbuz Rodges hinter uns. Was haben wir erreicht? Der Kibbuz Rodges ist im Sinn des Binjan Haarez ohne Zweifel eine beachtliche kolonisatorische Leistung, die allgemeine Achtung genießt. Aber innerhalb unserer Reihen müssen wir uns klar darüber sein, daß wir trotz allem immer noch am Anfang stehen mit der Verwirklichung von Torah Waawoda. Gerade im letzten Jahr mußten wir erleben, daß manche unserer Chawerim den Kibbuz verlassen haben. Sicherlich waren für viele äußere Motive ausschlaggebend. Aber wir können ruhig zugeben, daß manchem der Entschluß, den Kibbuz zu verlassen, nicht so leicht geworden wäre, wenn er in ihm das gefunden hätte, was er sich an Erneuerung religiösen Lebens und an Gemeinschaft erträumt hatte. Trotzdem können wir diesen Chawerim, die so schnell die Flinte ins Korn geworfen haben, nicht recht geben, denn es besteht kein Grund zur Verzweiflung. Schließlich ist das, was wir erstreben, nicht eine Sache, die, wenn man sie nur will, schon da ist, sondern die erst geschaffen werden muß, vielleicht im Laufe von« Generationen. Um einen Schritt vorwärts zu kommen, wollen wir uns ansehen, wie das Leben von Tora Waawodah, wenigstens in seinen Anfängen, in Erez Jisrael aussieht. Betrachten wir doch einmal das tägliche Leben, eines Chawers im Kibbuz Rodges. Morgens früh wird bestenfalls mit Minjan gedawnet (das kann man auch in Chuza. laarez haben) und gefrühstückt. Man muß sich eilen, rechtzeitig bei der Arbeit zu sein. Acht Stunden Turia, eine Stunde Heimweg, Dusche, Abendessen, dann bestenfalls noch ein Schiur. Man fällt totmüde ins Bett mit dem mehr oder minder befriedigendem Bewußtsein, seine Pflicht im Aufbau des Landes (oder aber für den Profit des Pardessan) getan zu haben. So sieht ungefähr der jüdische Alltag des jüdischen Arbeiters in Erez Jisrael aus. Ich will damit nicht sagen, daß das Dasein des Poel freudlos sein muß. Es gibt genügend Momente der Freude, der Befriedigung, des erhebenden Gefühls am Vorwärtskommen des eigenen Meschek