Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 74 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sedte 74 Z I 0 N Nr. 9/12 kurse des vergangenen Jahren beschäftigten: die Fragen des Kibbuz, die sozialen Probleme des Aufbauwerkes und die Definierung der jüdischpolitischen Stellung des Bachad diesesmal nur kurz gestreift werden. Das war möglich, weil sich eine wesentlich einheitliche Auffassung überall im Bachad durchgesetzt hat und keine grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten bestehen. Die erzieherischen Aufgaben, die sich aus unserer Grundhaltung ergeben, wurden zum Teil von ,Zwi Bernstein, unserem Chawer aus Litauen, am Mbzae Schabat vor Beginn der Pegischa in einem Referat „Kibbuz als Erziehungsfaktor" behandelt. . ' Unter reger Anteilnahme der Hamburger jüdischen Oeffentlichkeit eröffnete Schlomo Bombach- Qoldman in einer längeren hebräischen Ansprache die,, Pegischa. Er zeigte die Entwicklung auf, die die religiös-chaluzische Bewegung seit ihrem Bestehen genommen hat und stellte die Aufgaben dar, die von dieser Bewegung zu lösen sind. Rudi Herz verlas darauf die von zahlreichen jüdischen Organisationen eingelaufenen Begrüßungstelegramme, die zeigten, mit welcher Anteilnahme die deutsche Judenheit den Weg des Brit Chalüzim Datiim verfolgt. Er gedachte darauf unserer Chawera Klara Gott heimer aus unserem Kibbuz Rodges, die uns durch einen traurigen Unglücksfall entrissen wurde. Sie war durch ihre Persönlichkeit besonders geeignet, aufbauen in unserer Gemeinschaft und am Werk des jüdischen Volkes mitzuarbeiten. Die Anwesenden ehrten' ihr Andenken, indem sie sich von ihren Plätzen erhoben. Rudi Herz nahm dann das Wort zu seinem Referat Tora Waawoda. . * Tora wa'woda Rudi Herz. I. Es ist bereits Tradition bei uns, daß wir auf unseren Pegischot ein Referat über Tora Waawoda hören, und es ist auch berechtigt und notwendig, daß wir jedesmal wieder die Frage nach den Grundlagen unserer Arbeit stellen. Denn Tora Waawoda ist kein Problem, auf das es eine einmalige . Antwort gibt, sondern aus einer bestimmten Zeit und aus einer bestimmten Konstellation entstanden, erfordert es immer wieder neue Stellungnahme, immer vorwärtstreibende, immer weiter gestaltende Klärung. Tora Waawoda ist nicht Ueberschrift einer Philosophie, sondern Inhalt einer Bewegung. „Philosophen haben die Welt erklärt,. wir aber wollen sie verändern." Wir wollen, daß Erez Jisrael das Gesicht von Tora Waawoda trage. Daran, ob wir dies erreichen, wird sich erweisen, ob wir würdig sind, Träger einer solchen Idee zu sein. Zunächst soll in aller Kürze, schlagwortartig, wiederholt werden, wie wir bisher Tora Waawoda definiert haben. Bei allen unseren Betrachtungen, die darauf hinauslaufen, einen Weg zur Formung unserer Zukunft zu finden, müssen wir ausgehen von der besonderen, einmaligen Situation, in der wir uns befinden. Während in früheren Epochen der ganze Umkreis des jüdischen Lebens, des privaten ebenso wie des öffentlichen, durch die Tora gestaltet wurde, begann mit dem 19. Jahrhundert eine immer weitergehende Einschränkung des durch die Halacha geformten Lebensbezirkes. Assimilation und Emanzipation in allen Schattierungen als innere und äußere Faktoren dieser Entwicklung und in ihrer gegenseitigen Durchdringung, bezeichnen den Weg der konfessionellen Auflösung auf der einen und der orthodoxen Erstarrung auf der andereen Seite. Auch denen, die an der Tora festhielten, wurde in großem Maße der Glaube an die Kraft der Tora, das ganze Volk in ihren Bann zu ziehen, genommen. Unsere Generation ist geneigt, Kompromisse zu machen und die Trauer des jüdischen Vaters, dessen Sohn nicht mehr Schabat hält, ist heute nicht mehr so elementar. Man hat sich daran gewöhnt. Der Lauf der Welt ist so. Es . gibt eine Entwicklung zum „modernen" Menschen ... Es ist nicht unsere Sache, diesen Menschen Vorwürfe zu machen, wissen wir doch selber zu gut, welch starke Kräfte an den Toren des jüdischen Hauses rütteln. Wir selbst haben erkannt, daß dieser Abbau zur Auflösung führen muß, wenn es nicht gelingt, einen neuen starken Kern jüdisch-religiösen Lebens zu schaffen. Die anormale Lage des jüdischen Volkes im Galuth kommt erst jetzt nach der Sprengung des bis dahin geschlossenen jüdischen Lebenskreises zur verhängnisvollen Auswirkung. Die politischen Ereignisse des Weltkrieges und seine Folgen verschärfen und beschleunigen den. Prozeß der Auflösung. In der zionistischen Bewegung erwacht der instinktive Lebenswille des Volkes. Es wird erkannt, daß nur die Wiederherstellung der normalen Voraussetzungen für ein gesundes Volksleben des jüdischen Volkes in Erez Jisrael die Grundlage der Renaissance sein kann. Dieselbe