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Zion · 1934-07-01 · 7-8 (7.1934) · p. Seite 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
7-8 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 69 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 7*8 Z I 0 N Seite 69 Ueber viel freie Zeit verfügt er ohnedies nicht. Rabbi Binjamin will für den „Hahed" pädagogische und andere Beiträge von ihm, in einer „Mesiba" erwartet man sein Referat, in dem und dem Ausschuß braucht man ihn, fortwährend kommen , Schriftsteller, Lehrer, Besucher aller Art zu Besprechungen in sein Haus. Und das alles sind doch nur Nebenbeschäftigungen, seine Haupttätigkeit gehört dem Seminar. — Ich frage ihn, wie es eigentlich mit der vielberufenen Bibelkritik i:i den Schulen Erez Jisraels steht. Unsere Jugend, antwortet er, interessiert sich heute für Bibelkritik ,so wenig wie für das Gegenteil, sie hat überhaupt kein Interesse mehr für geistige Probleme. Das sind ihr lästige Schulsachen, die man möglichst bald loszuwerden sucht. Wie bei uns, bemerke ich. Wer kümmert sich z. B. bei uns heute mehr viel um die Klassiker, wem ist es noch Bedürfnis, sich in diese höhere Welt zu versenken? — Wir sprechen vom Seminar. Im Mittelpunkt stehen die jüdischen Fächer, Bibel und Talmud. Bibel wird, je nachdem, 10 bis 12 Stunden wöchentlich gelehrt. Aber die allgemeinen Fächer leiden keineswegs darunter. Die Reifeprüfungen beweisen das Gegenteil. Etwa die Hälfte der ehemaligen Schüler sind im Lande als Lehrer tätig, eine kleinere Zahl außerhalb des Landes, viele studieren an Universitäten weiter, einzelne sind Rechtsanwälte, Beamte usw. geworden. Wie steht es mit den Erfolgen des Seminars auf religiösem Gebiet? frage ich, bleiben die jungen Leute später auf dem Boden des geschichtlichen, überlieferten Judentums? Lipschütz bejaht die Frage wenigstens für den größeren Teil der Schüler. — Das Seminar befindet sich in einem alten, geräumigen Haus, das „uns" gehört. Vor einem Jahr wurde es erworben und feierlich eingeweiht. Die Einzelheiten darüber und über alles sonst von der Schule Wissenswerte lese ich in einer kleinen Broschüre, die mir Direktor Lipschütz überreicht. Mit dem großen Neubau des „allgemeinen" Lehrerseminars draußen in Bet Hakerem hält das Gebäude freilich keinen Vergleich aus. Aber, das wird schon so sein müssen. Das allgemeine Seminar in Jerusalem, das HerzI- Gymnasium in Tel Awiw, die Realschule in Haifa sind imposante Bauwerke, Zierden der betreffenden Stadtteile. Die Jeschiwa Raw Kooks und das Misrachiseminar in Jerusalem, oder die Tachkemonischule in Tel Awiw haben sich mit sehr viel weniger zufrieden zu geben. Wie geschrieben steht: kach hi darka schel tora... Allerdingst besitzt das Misrachiseminar im Innern einige schöne Säle, besonders die beiden Bibliotheksräume, die einen wertvollen Bücherschatz enthalten, von einem holländischen Juden gestiftet. Man sollte sich bemühen, diese, übrigens nicht nur hebräische und jüdische Werke enthaltende, Bibliothek durch Zuweisungen, Vermächtnisse usw. zu vergrößern, zumal sie außer Lehrern und Schülern auch Gelehrten und Toralernenden zugänglich ist. Direktor Lipschütz hatte die Liebenswürdigkeit, mich zur Tanachprüfung der Abiturienten einzuladen, die in jenen Tagen unter Teilnahme von Raw Beermann, dem „Mefakeach" des gesamten Misrachischulwerkes, gerade stattrand. Was mir bei der Prüfung besonders auffiel, war das große „Bekiut", die große Textvertrautheit der Kandidaten oder doch der Mehrzahl von ihnen. Es wurde ihnen jeweils der Anfang von Sätzen vorgelegt, die sie auswendig zu ergänzen und oft weiter fortzusetzen hatten: aus Mischle, Tehilim, Hiob. Außerdem hatten sie anzugeben, nicht nur aus welchem Buch, sondern sogar auswelchem Kapitel die betreffenden Sätze stammten. Das zweite, was mir auffiel, war die Veränderung, die mit Direktor Lipschütz selbst vorging. Unter seinen Schülern verliert er das Herbe seines Wesens, er wird mild, geduldig, liebevoll. Wie bedeutend Lipschütz auch auf anderen Gebieten sein mag, in erster Linie ist er Schulmann. Er gehört vor allem der Jugend und seinem Seminar. Hier zeigt sich sein wahres Gesicht. — Es hätte nicht erst eines besonderen Ersuchens bedurft, bei Gelegenheit das Seminar empfehlend in Erinnerung zu bringen. Der Eindruck, den ich von ihm und seinem Direktor zumal empfing, war hinreichend stark und nachhaltig, um es an meinem guten Willen gewiß nie fehlen zu lassen. Aguda und Misrachi. Von Rabb. Dr. A. N e u w i r t h . Berlin. Als Beitrag zu der in letzter Zeit wiederaufgenommenen Diskussion über ein Zusammengehen von Misrachi und Aguda veröffentlichen wir folgende Zeilen, die uns zur Verfügung gestellt worden sind. Die Red. In Warschau wurde in der Zentralsitzung der Agudas Jisroel ein Beschluß von weittragender Bedeutung gefaßt, der die religiöse Oeffentlichkeit verpflichtet, zu ihm nach gewissenhafter Prüfung der Sachlage Stellung zu nehmen. Der Misrachi hat angesichts der schweren religiösen Gefahr in Erez Jisrael bei der Agudo ein gemeinsames Zusammenwirken angeregt. Man hoffte, diese Anregung werde gewiß eine freundliche Aufnahme finden und zum praktischen Ziele führen, weil ja auch die Vereinigung der litauischen Rabbiner

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