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Zion · 1934-07-01 · 7-8 (7.1934) · p. Seite 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
7-8 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 70 (sequence 16)
Language
German
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Seite 7o ZION Nr. 7-8 einen dahingehenden Beschluß gefaßt habe. Man solle, so lautete die ernste Forderung, mit allen Kräften dahinarbeiten, „Misrachi und Agudo" im Interesse eines wahren religiösen Aufbaus in Palästina zu vereinigen. Nun kommt aus Warschau die Kunde, daß die Agudo auf der Zentralsitzung beschlossen habe, mit dem Misrachi solange nicht zusammenzugehen, als er eine Föderation des Zionismus bleibe. Diese auffallende und enttäuschende Resolution wird mit dem Hinweis begründet, daß der Misrachi in Polen der gefährlichste und auf allen Gebieten des jüdischen Lebens die Agudp bis zum äußersten bekämpfende Feind einer organisierten Orthodoxie sei. Der Misrachi soll ein Feind der Agudo sein. Wer hat diese Feindschaft begonnen? Ist es nicht eine Tatsache, daß die meisten Agudisten und auch die agudistischen Blätter in jedem Misrachisten wegen seiner Zugehörigkeit zum Zionismus einen etwas minderwertigen orthodoxen Juden erblickten? Wurden nicht misrachistisch gesinnte orthodoxe Rabbiner, ja selbst ein Gaon wie Rabbiner Kuk va beschimpft? Werden denn nicht seit jeher alle religiösen Handlungen eines misrachistischen Rabbiners bemängelt und bekrittelt? Sollte der Misrachi zu einer solchen Handlung der Agudo schweigen? Seit der Gründung der Agudo steht dieselbe im Gegensatz zun; Misrachi. In Erinnerung aller ist noch der heftige Streit um den § 4 der Statuten der Agudo. Ist es nicht eine Tatsache, daß dem Ruf der Agudo zur Knessijo viele, viele Misrachisten gefolgt sind? Waren es nicht spätere agudistische Beschlüsse, die die Misrachisten erst abgestoßen haben? Wir zweifeln nicht, daß die Angriffe der Agudo auf den Misrachi nicht allein aus parteipolitischem Standpunkte, sondern auch n^at? ntrb erfolgten, aber vieles könnte und müßte unterblieben sein und das Ziel wäre doch erreicht. Ebenso war die Angriffsweise manchmal eine derart verletzende, daß sie nur Bitterkeit und Gehässigkeit bewirkte. Erst so ist die Gegnerschaft gegen die Agudo zustandegekommen. — Wäre jetzt nicht eine günstige Gelegenheit gewesen, Frieden und Einheit zwischen toratreuen Brüdern zu stiften? Hat der Misrachi nicht dazu die Hand geboten? Die Weigerung der Agudo, mit dem Misrachi zusammenzugehen, mit dem Hinweis auf seine feindliche Handlungsweise zu begründen, kann und muß nur volkspsychologisch bewertet werden. Das Volk, die Massen allerdings, die jahrelang die Kritiken und die öffentlichen Angriffe von agudistischer Seite gehört und vernommen haben, die Seele dieses Volkes ist allerdings derart vergiftet, daß es heute einfach nicht verstehen würde, wenn die Agudo mit dem Misrachi zusammengehen würde, nicht begreifen könnte, wie man mit Leuten, deren Religiosität bisher in allen Tonarten kritisiert wurde, religiös zusammenarbeiten kann. Die Agudo hätte öffentlich erklären sollen: angesichts der von allen Seiten drohenden religiösen Gefahr wollen wir alle Streitigkeiten der Vergangenheit vergessen und einzig und allein für die Erhaltung unserer religiösen Güter Sorge tragen; zur Stärkung dieser, alle Kräfte, die noch dem Judentum treu geblieben sind, einen, um so besser den Kampf zu Ehre Gottes führen zu können? Haben die litauischen Geonim und Gedolim die angebliche misrachistische Feindschaft in Polen nicht gekannt? Diese haben trotz der angeblichen Feindschaft, den einstimmigen Beschluß gefaßt und eine Kommission eingesetzt, das Zusammengehen von Agudo und Misrachi zu fordern! Die litauischen Gedolim haben die Vergangenheit wegen der schöneren Zukunft vergessen wollen; auf der Zentralsitzung in Warschau konnte man sich zu dieser Anschauung nicht durchringen. Die Agudo will mit dem Misrachi zusammengehen, wenn er aus dem Zionismus austritt. Ein derartiger misrachistischer Schritt wäre aus verschiedenen Gründen unverständlich, praktisch unklug und, was die Hauptsache ist, für die Stärkung der Religion in Erez Jisrael in keiner Weise fördernd. Es ist eine Tatsache, daß das im Aufblühen begriffene Leben in Palästina hauptsächlich in zionistischen Händen liegt; soll nun der Misrachi dieses pulsierende Leben dem religionsfeindlichen Teil des Zionismus überlassen und sich von allen zurückziehen? Was würde der Misrachi damit gewinnen? Die Agudo befindet sich in Palästina im Anfangstadium; konnte denn der Misrachi an der Seite der Agudo mehr erreichen, als was er bis jetzt neben dem Zionismus sich erkämpft hat? Würde der Zionismus ohne einen Misrachi nicht noch radikaler werden? Die Warschauer Resolution war das Resultat jahrelanger Verhetzung. Bemühen wir uns für die Zukunft, daß Agudo und Misrachi sich verständnisvoller behandeln und beurteilen! Nur paar Jahre ein friedliches Zusammenleben und aus der Feindschaft der Brüder wird ein selbstverständliches Zusammenhalten und ein verpflichtendes Zusammengehen der religiös gleich gesinnten, gleich gerichteten und Gleiches erstrebenden Brüder, die beide dasselbe zu erzielen suchen.

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