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Zion · 1934-07-01 · 7-8 (7.1934) · p. Seite 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
7-8 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 68 (sequence 14)
Language
German
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Seite 68 Z I O N Nr. 7*8 breitschultrigen Mann, den ein grauer Bart älter macht als er wohl in Wirklichkeit ist, in sehr schlichter Kleidung draußen in Bet Hakerem oder in den Straßen Jerusalems, so vermutet er in diesem Herrn Feldmann, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, kaum einen der angesehensten Schriftsteller des Landes. Freilich, lernt man Rabbi Bmjamin näher kennen, so gewinnt man gleich den Eindruck einer sehr klugen, feinfühligen, gütigen Persönlichkeit von reichem Wissen, hoher Bildung und innerer Kultur. Er spricht nicht allzuviel mit seiner leisen, ruhigen Stimme, läßt dagegen den Andern voll zu Wort kommen und verstellt ausgezeichnet die nicht alltägliche Kunst des Zuhörens. Rabbi Binjamin, der, soviel ich weiß, in seiner Jugend Chaluz, Arbeiter, war, sicli später durch seine erfolgreichen Bemühungen um die Ansiedlung der Jemeniten in Erez Jisrael sehr verdient machte, darf heute als der bedeutendste Publizist innerhalb der religiösen hebräischen Literatur bezeichnet werden. Während er in früheren Jahren eine Vorliebe für europäische Dichtet und Denker hatte und über "sie schrieb, ist ihm allmählich „Europa" etwas problematisch geworden. Er konzentriert jetzt sein großes schriftstellerisches Talent auf jüdische Dinge, auf Fragen des jüdischen Lebens, und behandelt sie im Geiste des geschichtlichen, religiös-nationalen Judentums. Seit neun Jahren leitet er den „Hahed'\ die ausgezeichnete, nicht genug zu empfehlende „Zentrale religiöse Monatsschfrit für Judentum und Aufbau des Landes". In dieser überparteilichen, den Klalgedanken stark betonenden, der misrachistischen Ideologie nahestehenden Zeitschrift, herrscht die „Schita der Freundlichkeit" und der Vornehmheit. Hier veröffentlicht Rabbi Binjamin selbst regelmäßig Aufsätze in seinem eigentlichen, manchmal etwas schweren, bei aller Modernität tief in der alten hebräischen Literatur wurzelnden, Stil. Die Aufsätze Rabbi Benjamins sind oft von hinreißender Kraft und dichterischem Schwung, gehen immer auf den Kern der Fragen und rühren häufig tiefe Probleme an. Rabbi Binjamin begnügt sich nie mit reiner, d. h. negativer Kritik, er ist in jeder Hinseht aufs Positive eingestellt. Es gibt bekanntlich gerade auf religiösem Gebiet allerlei zu kritisieren im Heiliger. Lande. Aber wichtiger ist es, positiv zu sagen, was getan werden soll. Da haben wir z. B. die Schabbatfrage. Es liegt nicht immer Böswilligkeit und Gleichgültigkeit vor, wenn der Schabbat entweiht wird. Er ist der einzige Tag, den insbesondere der Arbeiter und Angestellte frei hat für Sport, Wanderung, häusliche Arbeiten, Privatkorrespondenz usw. Was läßt sich da tun, frage ich Rabbi Binjamin. Es gibt allerlei Auswege, antwortet er. Man könnte, wie öfters schon vorgeschlagen wurde, einen halben Tag wöchentlich freigeben, und man könnte außerdem jeden Roscli Chodesch als arbeitsfreien Tag allgemein einführen. Aufs Ganze gesehen, gilt es vor allem, die Alija religiöser Juden eifrig zu betreiben. Darauf richtet Rabbi Binjamin sein Hauptaugenmerk, das bildet den Kern der meisten seiner Ausführungen im „Hahed". Nicht kritisieren, was andere tun, sondern selbst tun und besser tun! Wer dafür ist, daß Erez Jisrael im Geiste der Tora aufgebaut werde, daß in Erez Jisrael sich ein blühendereligiös-nationales Judentum entwickle, — der komme selbt und arbeite mit, wenn er dazu irgendwie die Möglichkeit hat. — Ich erlaube mir auf literarischem Gebiet einen kleinen positiven Vorschlag zu machen. Wäre es nicht empfehlenswert, frage ich Rabbi Binjamin, einmal eine religiöse hebräische' Anthologie herauszugeben, dergestalt, daß man aus den Werken der neuereu hebräischen Dichter solche Gedichte auswählt, die irgendwie im jüdischen Sinn „religiös" sind, dem Inhalt oder der Behandlungsweise nach, das Ganze mit einer allgemeinen Einleitung .yersieht, Einzelheiten in Anmerkungen erklärt und so ein Werk schafft, das in seiner Weise den Geist dei geschichtlichen Judentums vor allem in die gebildete Jugend tragen hilft? Niemand, sage ich zuletzt, wäre zur Entwicklung des Gedankens so geeignet, wie gerade Sie. Rabbi Binjamin hört zu, still, aufmerksam, freundlich wie immer. Der Gedanke gefällt ihm, er will sich die Sache überlegen, vielleicht läßt sie sich später ausführen. — Wir streifen einmal die theoretische Auseinandersetzung, die vor ein paar Jahren Rabbi Binjamin im „Hahed" mit mir hatte. Nur in der Theorie bin ich hart, sagt er mit halbverstecktem Lächeln, in der Wirklichkeit bin ich gar kein so böser Mensch. Ich fand, wenn auch für mich, im stillen, nur die eine Antwort: kemotka jirbu bejisrael! Direktor Lipschütz. Zweierlei wußte ich von ihm: daß er der Leiter des Misrachi-Lehrerseminars in Jerusalem ist und daß er für einen der größten hebräischen Sprachkenner und Stilisten gilt. Auch verschiedene wertvolle Veröffentlichungen waren mir von ihm bekannt. Mit diesen Vorkenntnissen ausgerüstet und mit dem Wunsche, auch sein Seminar kennenzulernen, suchte ich ihn auf. Direktor Lipschütz ist eine starke, herbe, eigenwillige Persönlichkeit von hoher Intelligenz. Langen Komplikationen ist er nicht zugänglich. Bei den ersten paar Worten hat er schon genau verstanden, was man sagen will, unterbricht und gibt in sehr bestimmter Form seine Erwiderung.

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