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Zion · 1934-07-01 · 7-8 (7.1934) · p. Seite 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
7-8 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 67 (sequence 13)
Language
German
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t Nr. 7*8 ZIO N Seite 67 bestätigen, daß zu Raw Kook .alles' geht und ohne Scheu gehen kann. An Festtagen ma'cht ihm etwa der Distriktskommissar von Jerusalem seine offizielle Aufwartung, es kommen große Rabbiner, jüdische Gelehrte, Zionistenführer, hebräische Dichter. Es kommen Vertreter der religiösen Arbeiterschaft des Landes, um sich über wichtige Fragen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens Entscheidungen im Geiste der Tora zu holen. Es kommen, wie ich mich später selbst zu überzeugen Gelegenheit hatte, einfache Leute aus dem Volk mit „Scheelot", die man nicht gerade der ersten rabbinischen Autorität vorzulegen brauchte. Und am Ssederabend gehört es schon zur Tradition, daß man in Gruppen oder einzeln, nachdem man den eigenen Sseder beendet hat, noch zu Raw Kook geht und, solange es einem paßt, zuhört. Ich ging also zu Raw Kook. Man steigt von der großen Jaffastraße eine Querstraße hinauf — in Jerusalem steigt man fast immer entweder hinauf oder hinab, was ich aber ganz unbildlich meine — und steht dann bald vor einem alten, einfachen Haus, worin sich die Jeschiwa und die Wohnung des Oberrabbiners von Erez Jisrael befinden. Dann geht man an der Seite des Gebäudes noch ein Gäßchen hinauf in einen Hof oder Vorgarten. Ueber eine steinerne Treppe gelangt man in einen schmalen Gang und entdeckt schließlich ein paar offenstehende Zimmer. Das überrascht nicht weiter, da in Erez Jisrael die Zimmertüren anscheinend nur zum Offenbleiben angebracht sind. Diebe gibt es dort nicht, dazu ist das Land noch zu wenig kultiviert, und Zugluft, behaupten die Eingeborenen, sei in Erez Jisrael unschädlich. Also, man steht in dem engen Gang, bemerkt eine hölzerne Bank, blickt in ein großes und in ein sehr kleines Zimmer, erwischt zuletzt jemand, der einem in das kleine Zimmer weist, und wartet da. Endlich kommt der Raw. "eine eindrucksvolle, aristokratisch wirkende Gestalt mit Augen, meist wie in andere Weltengerichtet, die aber doch manchmal ihr unmittelbares diesseitiges Gegenüber sehr aufmerksam und eindringlich betrachten. Der Gaon spricht außerordentlich leise. Ich finde, sagt er z. B., daß sich die religiösen Verhältnisse im Lande in den letzten Jahren gebessert haben. Auf einen Einwand hin erwidert er ungefähr: man muß Geduld haben. Die Leute kommen aus Ländern, wo sie dem Judentum ganz entfremdet waren, sie wissen nichts mehr von ihm. Erez Jisrael wird allmählich seinen Einfluß zum Guten geltend machen. Ich habe die Hoffnung, Gott wird helfen. Als ich bemerke: ich kenne Ihre Einstellung wohl, aus den „Iggrot Raja" (eine vor 11 Jahren erschienene Sammlung von Briefen Raw Kooks), antwortet der Rabbi: Ja, das ist meine „Schita" (Methode», durch Freundlichkeit die Fernen heranzubringen. Nur durch Freundlichkeit kann man auf die Menschen einwirken. — Er gibt mir eine seiner kleineren Schriften, von der er noch einige Exemplare besitzt, und als ich sage, vielleicht kann ich eine deutsche Uebersetzung oder wenigstens eine eingehende Inhaltsangabe davon veröffentlichen, zeigt er sich erfreut: Ja, ich "erlaube Ihnen das gern, es wäre mir erwünscht, manches aus meinen Schriften ist schon in andere Sprachen übersetzt worden. — Wir sprechen weiterhin von der Jeschiwa „Merkas Haraw", die Raw Kook besonders am Herzen liegt und von der er offenbar noch viel für die Zukunft erwartet. Heute ist sie noch nicht, was und wie sie sein sollte. Ich hatte den Eindruck, daß Raw Kook innerlich darunter leidet, daß seine Jeschiwa in einem so unzulänglichen Hause untergebracht ist. Es ergeben sich innere und äußere Mißstände daraus. Die Jeschiwa könnte in ihrem Lehrbetrieb viel weiter ausgebaut werden und außerdem könnte nach meinem Eindruck auch das Oberrabbinat selbst eine bedeutendere Rolle im öffentlichen Leben des Landes spielen, wenn ein großes, repräsentatives Gebäude errichtet würde, das zugleich eine einsprechende „Aufmachung" für das Ganze ermöglichte. Man empfindet diesen Mangel besonders eindringlich und schmerzlich, wenn man später etwa in den imposanten Bau des Grand-Rabbinat von Alexandrien kommt und sieht, wie anders hier alles ist und wie anders es wirkt, nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Jedenfalls ersuchte mich Raw Kook mit ausdrücklichen Worten: Vielleicht können Sie etwas für meine Jeschiwa tun. Trotz der Schwere der Zeit, gibt es doch viele, bei denen sich noch etwas erreichen läßt. Isch kematna jado... Ick konnte, was mich selbst betrifft, nur ein Weniges tun, für andere versprechen konnte ich gar nichts. Dennoch hoffe und vertraue ich. Diese Jeschiwa, und was sich aus ihr entwickeln mag, ein Synhedrion oder was immer, und dieses Oberrabbinat von Erez Jisrael, sie werden und müssen einmal den Mittelpunkt der ganzen religiös gerichteten Judenheit bilden. Die Zeit wird kommen, wo man endlich einsieht, daß es hier um ein zentrales Heiligtum geht, das von den „Trumot" der ganzen religiösen Judenheit erbaut und erhalten werden muß. „Rabbi Binjamin". Wie wenig beide Männer sonst vergleichbar sein mögen, so ist von Raw Kook doch nur ein Schritt zu .Rabbi Binjamin', wenn man lediglich auf ihre gemeinsame „Schita" achtet, die Schita der „Freundlichkeit". Siehi ein Fremder den kleinen,

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