Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 7-8 (7.1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 63 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 7*8 ZION Seite 63 Hapoel Hamisrachi verlangt für jeden Arbeitskonflikt nvnn*) oder p n»3 die Histadrut hat dies konzediert. Können die Poale Agudat Jisrael anders handeln? Können sie mehr erreichen? Auch auf diesem Gebiet ist die Agudas Jisroel' nicht originell, sondern entlehnt Gedanken aus misrachistischem Gedankengut. Die Problematik in Max Brods: „Die Frau die nicht enttäuscht" Dr. Armin Blau Die Romane sind (nach einem Worte Friedrich Schlegels) die sokratischen Dialoge unserer Zeit. Dies mag zur Rechtfertigung der folgenden Bemerkungen über Max Brods, des eben 50jährigen Jubilars, neuestes Werk voranstehen. Max Brod versucht in diesem stark monologisierend gehaltenen und lose gefügten Buch eine Antwort an unsere Zeit zu geben. Der Roman ist mehr eine Generalbeichte als eine kompositorisch gebautes nach ästhetischen Gesetzen geformtes Werk. Es soll mehr „eine Zusammenschau" sein (wie der Dichter in seinem „Nachwort" betont), eine Summe von Aspekten auf unsere chaotische durch keine Formen zu kennzeichnende Zeit. Namen, Gestalten, Geschehnisse im Buch sind typisiert, distanziert gesehen, möglichst ohne Leidenschaft und Parteinahme, gleichsam in Form eines intimen Tagebuchs, in dem der Aufzeichnende sich bemüht, objektiv rücksichtslose Wahrhaftigkeit gegen sich und andere zu üben und unserer verquerten Zeit beizukomrnen durch schonungslose Rechenschaftsablegung und cft schmerzende Selbstanalyse. Es ist darum mir gerecht, wenn der Lesende sich zu den Darlegungen und Bekenntnissen kritisch einstellt. I. Ein jüdischer Dichter deutscher Sprache hält Gericht über sich und seine Zeit, über sich und seine Stammesbrüder, doch vorwiegend über sich selbst. Erschüttert, fassungslos steht der Dichter vor seiner in Scherben zertrümmerten Welt, der Welt deutschen Schrifttums, die ihn: fortan das Heimatrecht versagt. Herz und Mitte'- stück des Romans bildet die Frage: Wie kann ein deutscher Dichter jüdischer Rasse diesen Zusammenbruch seines Schaffens, die Vertreibung aus dem Paradies der deutschen Literatur ertragen? Wie soll er stillschweigend es ertrage;' *) Ueberparteiliche Schiedsgerichte. aus seiner ureigensten Provinz, aus seiner „Seelenheimat" verwiesen, als Aufdringling und Unberufener gebrandmarkt zu sein! Wie darf er sich vermessen, gegen die chinesische Mauer von Vorurteilen anzukämpfen und in den Wahn sich wiegen, er könne und dürfe in deutscher Sprache für Deutsche schreiben und dichten, deutsche Seelenerregungen erfühlen und beurteilen, wenn er als Fremdling und Fremdrassiger gezeichn ist! Wie hat er sein Verhalten einzurichten, gi'jt es eine Lösung aus diesem Dilemma? Max Brod findet für sich die Antwort: Distanz sei fortan das Schibbolet des deutschen Dichters jüdische Rasse, Distanz gegenüber deutscher Gefühlswelr, deutscher Landschaft, deutscher Dichtung, Ueberlieferung, Kunst, Lebenshaltung. Der jüdische Dichter kann, wenn er Distanz bewahrt, wohl als überparteiischer Mensch und Beobachter dann vielleicht am besten deutsche Zustände, Haltungen, Geistesprobleme und Empfindungen nachfühlen und objektiv schildern, etwa so wie ein Bürgerlicher Zustände in Adelskreisen beurteilt, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Brod glaubt also, für sich das Problem gelöst zu haben; er will Distanzdichter sein und aus dem Abstand seiner anders gearteten Welt auch weiterhin deutsche Menschen, deutsches Fühlen dichterisch gestalten. Hier regt sich im Leser schon der kritische Zweifel: Wird der Arier diesen Standpunkt: „Wenn ich dich liebe, wa* geht's dich an" auch anerkennen? Wird er dem jüdischen Dichter nicht jede Kompetenz absprechen, trotz dessen Distanzierungsabsichten, über seelisches im deutschen Wesen mitzusprechen, in deutschen Kulturbezirken vollberechtigt zu urteilen? Aber auch in dem unvoreingenommenen jüdischen Leser regt sich der Zweifel: Ist ein Dichten bei distanzierter Liebe zur Sache, zum Volkstum möglich? Kann ein „Fremdstämmiger" den deutschen Menschen voll verstehen, den gotischen, den faustischen Menschen, die Musik, die Romantik, die Landschaft des Deutschen, ohne sich nacii Gefühlen und Wehen im Augenblick des Betrachtens und Schaffens mit seinem Gegenstande ganz Wesenseins zu fühlen? Kann vor allen Dingen ein Dichter Volkswesenhaftes schaffen, wenn er Distanz bewahren muß, wenn er sein heißt-, rierz nicht mitschwingen lassen soll! „Es dichtet in mir" soll er (nach einem Worte Erich Schmidts) von sich sagen können — und da soll er auf Distanz bedacht sein? Auf geisteswissenschaftlichem Gebiet, in wirtschaftlichen, geschichtlichen Fragen über ein wesenfremdes Volk zu schreiben, das mag gelingen. Doch schon auf religiösem künstlerischem, kunsthistorischem ist es ein seltener Fall. Wie selten befriedigt den deutschen