Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 7-8 (7.1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 62 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 62 Z I O N Nr. 7*8 mit allen Mitteln im neuen Jischuw zu arbeiten, damit die Reihe der verlorenen Schlachten sich nicht vergrößere, diesmal könnte es — nh^hn — ein Entscheidungskampf gewesen sein. Es wäre schön gewesen, wenn die Kritik Breuers von offenem Verständnis getragen gewesen wäre, wenn ein so berufener Kopf wie Dr. Breuer seiner Negation das positive Aufweisen neuer Wege hätte folgen lassen. Leider war dies weder bei den kulturell-religiösen noch bei den wirtschaftlich - politischen Problemen der Fall. (Sie sind auch wirklich überaus schwierig; dann dürfte man sich aber die Kritik nicht so leicht machen). IV. Revisionismus und Histadrut. Die Assimilation stellt seit jeher ein Grundproblem jüdischer Existenz dar. Auch die A- und Antireligiosität vieler Juden beruht oft auf einer Angleichung an die andern Völker, und es leuchtet ein, daß in Erez Jisrael sehr bald neben die geistige auch eine politische Assimilation treten mußte. Der Revisionismus, von Breuer sehr fein als Vergottung der Nation bezeichnet, ist auch das Ergebnis des Nationalisierungsprozesses, wie ihn heute ein großer Teil Europas durchlebt. Wir Misrachisten dürfen, gerade als Zionisten, sogar sagen, daß es die Gefahr eines jeden jüdischen Nationalismus ist, abzugleiten, wenn er mit dem Anspruch der Unbedingtheit, nicht an inhaltliche, menschliche und religiöse Bindungen geknüpft, auftritt. Andererseits muß man zugeben, daß es für die politische Stellungnahme der Revisionisten leider konkrete Ansatzpunkte in unserer politischen Situation gibt.- Zur politischen Lage in Erez Jisrael sagt aber Herr Dr. Breuer nicht viel, so daß man auch am Ende des Vortrags nicht weiß, was er bezüglich Transjordaniens denkt, ob er die Politik der Zionistischen Exekutive im großen ganzen für richtig hält, und die Aguda. getreue Trabantin sein will, oder ob sie gar eigene Wege zu gehen für richtig finden wird. Für den Teil der Zuhörer, der nur darauf wartet, daß „es" den Zionisten „gegeben" wird, mag dies ja genügen. Aber ansonsten?*) Bleibt schon die Kritik des politischen Weges der Revisionisten ungenügend, weil ihnen auf politischem Gebiet nichts Positives entgegengesetzt wird, so gilt dies erst recht für das, was *) Eine der Hauptsünden der Revisionisten, daß sie die Zionistische Organisation aushöhlen, die Fonds boykottieren — übrigens: Vergottung der Partei, und nicht der Nation — bleibt selbstverständlich unerwähnt, gegen die Histadrut vorgebracht wird. Es fällt schwer, die Chaluzim wiederzuerkennen, die am Anfang des Vortrages unter größten Opfern das Land bauten und erlösten und am Ende des Vortrages die Wirtschaft vergotten — »no mp»yo 'Dp 'Ka 'Da1» iSDp Eins von beiden kann doch nicht stimmen? Herr Dr. Breuer sagt weiter, die Histadrut „bewirkt durch ihre Ideologie ein Auseinanderreißen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer." Dazu muß bemerkt werden, daß der Klassenkampf, den Dr. Breuer hier meint, nicht eine Erfindung des Marxismus, geschweige denn der Histadrut, ist, höchstens eine Entdeckung von ihm. Die Tatsache der Klassengegensätze ist sehr alt, zeigt doch schon die Tora Wege zu ihrer Beseitigung bzw. Abschwächung. Der Marxismus hat die Tatsächlichkeit der Klassenkämpfe zu einem Prinzip erhoben und in sein System eingebaut. Die Histadrut ist aber — abgesehen von der geistigen Einstellung, die dem Hapoel Hamisrachi zu seiner Sonderexistenz veranlaßt — in wirtschaftlicher Beziehung der einzige Schutz des jüdischen Arbeiters in Erez Jisrael. Dort, wo wie in Deutschland oder Italien die Schädlichkeit des Klassenkampf prinzips, das Betonen des Klassenkollektivs und Vernachlässigungen des Volkskollektivs, überwunden wird, ist dies nur möglich durch einen starken, autoritären und totalen Staat. In Palästina, wo die sozialen Einrichtungen des Staates gleich Null sind, muß der jüdische Arbeiter in seiner Gesamtheit sich stützen. Noch weniger als es den Arbeitgebern verwehrt wird, sich zusammenzuschließen, darf man dieses (fast einzige) Recht den Arbeitern nehmen, die, wie alle Schwachen, nur durch den Zusammenschluß Kraft erlangen. Krankenkasse und Arbeitslosenversicherungen, zwei Hauptgebiete sozialen Schutzes, die um so fundierter sind, je größer der Kreis der Dazugehörenden ist, sind durch die Histadrut geschaffen worden. Waruni soll der religiöse Arbeiter dieses große Werk nicht unterstützen, warum soll er dessen Segnungen nicht teilhaftig sein? Der Hapoel Hamisrachi hat durch sein Abkommen mit der Histadrut gezeigt, wie man seine geistige .Autonomie wahren und dabei doch in allen arbeiterrechtlichen Dingen mit der Histadrut zusammengehen kann. Ja, noch mehr! Der Häpoel Hamisrachi hat z. B. durch sein Abkommen mit der Krankenkasse erreicht, daß alle deren Institutionen einwandfrei im jüdischen Sinne geführt werden. Welchen anderen Weg als diesen des Hapoel Hamisrachi vermag Herr Dr. Breuer zu zeigen, auf dem mehr an Beeinflussung der anderen und Schutz des eigenen Selbst erreicht wird? Und was die soziale Befriedigung anlangt, der