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Zion · 1934-07-01 · 7-8 (7.1934) · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
7-8 (7.1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 61 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7*8 Z I 0 N Seite 61 rum soil diese Vision aber nicht verwirklicht werden? Heute, da die Aguda aus ihrer Stellung zum Palästina-Aufbau zu einer Stellung i m Aufbau übergehen will, wird die Frage: Mitarbeit in der Zionistischen Organisation oder nicht? wichtiger denn je. Von beiden Seiten sind genügend halachische und agadische, national-pädagogische und historische Argumente vorgebracht worden. Ich 'will in diesem Zusammenhang nur einen Gedankengang vorbringen, als dessen stärkste Stütze die sich durchsetzende Wirklichkeit erscheint. Im Westen wurde Judentum zu einer Sache des Individuums und der Religionsgemeinde. Bei Meinungsverschiedenheiten tritt man aus, kann man eine selbständige Religionsgemeinde gründen. In Erez Jisrael (und alle Fragen, die damit zusammenhängen) ist die Situation anders. Dort gibt es Dinge, die von allen Juden gemeinsam gemacht werden müssen. Stadtratswahlen in Jerusalem, bei denen eine Zersplitterung der jüdschen Stimmen die Gefahr einer Majorisierung seitens der Araber heraufbeschwört, Wasserleitungsbau in den Moschawoth, Hagana, Verhandlungen mit London oder Genf, aber auch Bodenkauf durch den Keren-Kajemet-Lejisrael, hygienische Institutionen des Keren Hajessod, das alles sind Dir.ge, die jeden Juden, der in Erez Jisrael wohnt, vital angehen, woraus folgt, daß gemeinjüdische Gremien geschaffen werden müssen, die alle unsere (auch da noch schwachen) Kräfte zusammenfassen. Die eine große politische Organisation, die hinter den Wortführern des Volkes steht, geschaffen zu haben, ist das Verdienst Herzls. Diese Organisation gestützt zu haben, ist das Verdienst des Misrachi. Wir glauben und hoffen, daß von dieser Basis einer unbedingt notwendigen Zusammenarbeit aus, sich eine Umstellung der Agudat Jisrael ergeben muß und wird. Würde eine Mitarbeit in der Zionistischen Organisation mehr bedeuten, als daß die Juden ein Volk seien, würde sie bedeuten, daß Judentum n u r nationales Bekenntnis in sich schließt? Nein, Rabbi J. Reines, Bialik, Achad Haam, Gordon, Brenner, Berdyczewski sind alle Zionisten gewesen, und dennoch sind ihre Anschauungen voneinander verschieden wie die der Peruschim und Zedokirn. Was einte sie? Die Erkenntnis der Judenfrage, die Dringlichkeit des Erez-Jisrael- Aufbaus und die Notwendigkeit der Zionistischen Organisation. Das ist die Basis des Zionismus. Auf ihr werden die verschiedenen Gedankenbauten errichtet. Objektives Recht zur Kritik hat jeder Architekt. Das innere Recht dazu, den Anspruch, gehört zu werden, besitzen nur die Bauleute, III. Kulturprobleme Erez Jlsraels. Es gibt nicht „den" Zionismus als einheitliche Weltanschauung, wohl aber gibt es „d i e" Zionistische Organisation als einheitliche Zusammenfassung der aufbauenden Kräfte. Daraus ergibt sich die Haltlosigkeit der Vorwürfe, die dem Zionismus ob der von ihm verursachten Entjudung der Jugend Erez Jisraels gemacht werden. Was sich heute in Erez Jisrael abspielt, i. ' nicht wesensnotwendig mit dem Zionismus verknüpft. Vielmehr bringt Erez Jisrael die Probleme des heutigen Judentums zum;shärfsten Ausdruck. Das Verhältnis von Glauben und Wissen ist seit den Tagen Sadjas ein legitimes, akutes, aber nicht gelöstes Problem der jüdischen Religion (wie jeder Religion überhaupt). Die Bibelkritik kämpft seit 150 Jahren gegen den Wortlaut der Tora, der Liberalismus gegen ihre Verbindlichkeit, die Moderne gegen jede gebundene Lebensform. Die Nachkriegszeit zeigt überall einen Niederbruch der Werte. Und in dieses Chaos hinein ist die werdende jüdische Gemeinschaft Erez Jisraels gestellt. Hier werden die Fragen schärfer formuliert, die Antworten radikaler gelebt. Die Entwicklung kann niemand voraussagen. Eins aber steht fest, daß die besten Kräfte des gesetzestreuen Judentums in Erez Jisrael, der Front der Probleme und der Lösungen, eingesetzt werden müssen, um zu retten, was noch gerettet werden kann. Dr. Breuer sagte, zu den Zionisten gewandt, Sie hätten zwar Straßen und Städte gebaut: „Wir aber bringen mehr, wir bringen «nwnpn ismin»' Mit dieser nicht ganz unbescheidenen Deklamation allein ist es nicht getan. Das Ziel ist richtig gesehen. Wo aber ist der Weg? Wo sind die Erziehungsprinzipien, die das leisten, was das vorige Jahrhundert in Deutschland und dieses Jahrzehnt in Polen nicht schaffen konnte, die den Typus des religiösen jungen Juden gestalten? Diese Frage ist keine polemische, sie geht uns alle an! Im Kampf um die Emanzipation, im Kampf um die europäische Bildung hat die Orthodoxie ihre Stellung aufgeben müssen. Die Aneignung dieser Werte geschah ohne sie, wahrlich über ihren Kopf hinweg. Nur einmal hat ein römischer Feldherr durch Zaudern einen Krieg gewonnen, sonst ist dieses Zögern gefährlich, auch wenn es manche Gedolim anempfehlen sollten. Der Palästina-Aufbau ist die dritte große innerjüdische Schlacht seit einem Jahrhundert. Auch hier hat die Orthodoxie zu lange gewartet, zu lange abseits gestanden, zu lange die falsche Stellung gehalten. Jetzt gilt es,

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