Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 7-8 (7.1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 58 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 58 Z I ON 7-8 ten. In Erez Jisrael aber verewigt man r den Pafteienstreit dadurch, daß man zuläßt, daß der Hader; der' Parteien bereits; in den Schulen unter Kindern Platz greift. Es ist tief beschämend, daß palästinensische, niclitjüdische Polizei . herangezogen werden muß, um zu verhindern, daß Straßentumulte in einerjüdischen Stadt zu schlimmsten Konsequenzen führen. Wenn wir nicht einmal Ruhe und Ordnung bei uns selbst aufrechterhalten können, nicht einmal gegenseitiges Verständnis für divergierende Anschauungen und Duldsamkeit für verschiedene Meinungen über Detäiifragen aufbringen können, — dann ist nicht zu erwarten, ja, kaum zu verlangen, daß man uns die politische Reife zuerkennt, die die Grundlage für die Uebernahme derjenigen Funktionen im Staate ist, die wir ausüben wollen. Wir sollten uns einmal, klarjnachen, was wäre, wenn die arabische Frage nicht existierte, sondern England ein Mandat zu verwalten hätte, das es solange behält, bis das Volk des Mandatslandes sich selbst zu regieren imstande wäre. Sicher würde dann England heute mit gewissem Recht erklären, das Mandat müsse aufrechterhalten werden, weil ohne .es Ruhe und Ordnung im Lande nicht garantiert wären. Diesem unmöglich länger aufrecht zu erhaltenden Zustand abzuhelfen, sollten unsere besten Kräfte gewidmet werden. Es kann nicht so sein, daß die Schuld .an diesen Dingen nur bei einer Partei liegt, es kann eine Aenderung nicht herbeigeführt werden, wenn jede Richtung nur beim anderen die Schuld sieht. Alle müssen erkennen, daß. es heute gleichgültig ist, wer bisher verantwortlich zu madien war.. Wer heute nicht, selbst unter Opfern, daran mitarbeitet, daß die Atmosphäre entgiftet und der Friede herbeigeführt wird, versündigt sich an der Zukunft unseres Volkes. III. Wie ist es um den kulturellen Zustand bestellt, der in unserem Lande herrscht? Gerade in Zeiten großer Einwanderung ist besonderes Augenmerk darauf zu richten, daß nicht fremde Kultur zur Grundlage unseres neu entstehenden Lebens gemächt wird. Daß etwas entsteht, was ein einheitliches Ganzes werden kann, das auch von allen Juden mitgetragen und als jüdisch anerkannt werden kann. Es gibt kein Volk, daß nicht mit Stolz das aus alten Zeiten übernommene Kulturgut als entscheidende Grundlage für die Entwicklung der neuen Geschlechter anerkennt. Ein Volk wjrd das, was es ist, weil seine Vorfahren, in der ihnen und dem Volk gemäßen Denkimgsart ein inneres Leben aufgebaut und entwickelt haben. Aber was wir als Kulturschlacken der Galut an uns haben, nahmen wir in der Zeit der Assimilation in uns auf, der Assimilation, von der wir doch überzeugt sind, daß sie die Axt an den Baum unseres kulturellen und nationalen Lebens gelegt hat. Wir wollen zu einem frei schaffenedn Volk werden, nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet, nicht nur auf der politischen Linie, sondern, als Kulturvolk, auch auf dem Gebiete der Kultur. Wir wollen unsere Kultur ausbauen und entwickeln, auf eine vorher nicht erreichte Höhe bringen, — aber auf der festen Basis alles dessen, was wir als Tradition kennen. Unsere Halacha vom Sinai ist so weit und so umfassend, daß wir alles in sie hineinstellen können, was der heutige Tag von uns verlangt. Wir wollen die Grundlage unseres Volkslebens nicht verlassen, wir müssen sie aber so stark in uns aufnehmen, daß wir ein Recht bekommen, sie mit den Problemen, die das Heute uns aufgibt, in Einklang zu bringen. Nicht starr ist unsere Halacha, nicht ohne das ihr eigene Anpassungsvermögen dürfen wir sie handhaben; ohne ihr Gewalt anzutun, müssen die Forderungen des Tages in ihr eine Lösung finden, so, daß unser Volk in ihr leben kann. Das ist eine große Aufgabe für unsere geistigen Führer, eine sehr schwere und verantwortungsvolle Aufgabe. Aber wir müssen sie lösen, wenn wir nicht wollen, daß das Volk sein neues Leben aufbaut in unjüdischem von fremder Grundauffassung beherrschtem Lebensstil. Schon gibt es Anzeichen dafür, daß ein neues Judentum entsteht, welches nicht das unsere ist, da es jüdisch nicht fundiert ist und bewußt von der Tradition und ihren Lebensformen sich abkehrt. Nicht jeder Schabbat in Erez Jisrael kann als eine Heiligung des Wochentages, den er krönen soll, angesprochen werden. Nicht jede von Juden in unserem Lande geschlossene Ehe, als jüdische Ehe, deren Grundlage sein soll, das hxwi ntra rrn ntynipc. Der Aufbau von größeren Lebensgemeinschaften auf sozialer Basis kann nicht so geschehen, daß die herkömmlichen Sittenbegriffe des Nebeneinanderlebens von Männern und Frauen dauernd verletzt werden. Es gab eine Zeit, in der das neue Leber; sich glaubte dadurch durchsetzen zu können, daß es alte Formen der Tradition ablehnte und neue schuf. Heute ist das nicht mehr notwendig, denn das neue Leben hat sich durchgesetzt und es würde nicht an Autorität und Anerkennung durch die Allgemeinheit verlieren, wenn es in kulturellen Dingen zu den Formen und Normen der Tradition zurückkehrte. Es würde vielmehr unendlich an Ansehen in der Gesamtjudenheit gewinnen, wenn es zur Tradition zurückfände und sie verbände mit all dem Guten und Echten, was