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Zion · 1934-06-01 · 6 (6.1934) · p. Seite 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
6 (6.1934)
Date
1934-06-01
Page
Seite 51 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Z I N Seite 51 Eine Woche vergeht — wir lernen wie man einer Kuh das Futter gibt, wie man einen Stall säubert, wie ein Stall gekalkt wird — und machen das letzte zwei Tage. Wir lernen, da es regnet und man nicht im Freien arbeiten kann, wie man kunstgerecht die Fugen des Pferdestalles gegen Kälte mit Stroh verdichtet, wir lernen ganz genau, wie man zu diesem Zweck das Stroh windet und darüber Sacktuch in die Fugen steckt, man zeigt uns weiter, wie man Fenster putzt und zwar ganz genau. Wir reinigen Holztüren sachgemäß und wischen in dieser Woche unseres Lebens zum ersten Male einen Boden auf. Freitag Abend: Kabalat Schabat im fiadar Haochel. Ein Singen im Raum — ein Sich-Hinwenden — ein Körper- und Seele-Neigen — ein Fühlen.— Menschen gleichen Sinnes und gleichen Wollens stehen hier gemeinsam, eins in der Wertung in der Erwartung des „Ereignisses", Schabbat. „Schabbat"! Zum ersten Male erahnen wir ihn ganz als das allsiebentägliche Ereignis, als das allwöchentliche göttliche Geschenk aller schaffenden Menschen. Schabbat. Der Nigun und das Buch beherrschen ihn, ein „nachmittag"liches „Auf die Felder, „auf unsere Felder Gehen" und — Melawe- Malka — „der Abschied von der Königin" mit drei Mal in drei Mal gesonderten' Melodien gesungenem „Mismor le David" schließen ihn ab. Dies war die Atmosphäre von Betzenrod — Arbeit, Lehre und Gebet. Arbeit, als Können, als Tatsache — als Wertung neu für uns, ganz neu nns gegeben. Lehre und Gebet neu behieltet und verinnerlicht. Wir fühlten in der Woche und am Schabbat schon etwas von unserem Wollen erfüllt, fühlten uns schon näher dem Ideal jüdischer Arbeit, jüdischer Menschen auf jüdischem Boden. Rückblickend danken wir Betzenrod und seiner Leitung, man hat uns nicht nur gelehrt, wie man pflügt, sät und erntet. Betzenrod war uns nicht nur landwirtschaftliche Lehrstätte, es war uns gleichzeitig Weg und Weisung. Der heilige Ernst der Heuernte und die wilde Hast dieser Tage hat uns viel mehr gelehrt als das: — wie man schnell und rationell arbeitet. Und derselbe Ernst mit dem man uns zeigte, wie man Fenster putzt, Schuhe wichst, Böden aufwischt gab uns viel mehr, als die fachliche Kenntnis dieser scheinbar kleinen Tätigkeit. Wir ahnten und fühlten schon damals, daß in' der Synthese von Arbeit und Gemeinschaft uns Schicksal und Aufgabe beschlossen sind. Und wir waren ganz eins mit unserem Gaste, der in unser Buch schreibt: moyn rVmj □Siyn ips nirowo ins? «manm Groß ist . die Arbeit und die Gemeinschaft, denn sie lassen vergesse» den Schmerz dieser Welt". Pessach In Betzenrod. Jede Hausfrau weiß, daß Pessach eine Menge Vorbereitungsarbeiten mit sich bringt, das gilt für einen wohlgeordneten, bürgerlichen Haushalt, wie viel mehr für die primitiven Verhältnisse des Lehrgutes: Kein Gas, kein Elektrisch, keine Wasserleitung. Trotzdem gingen wir unverzagt an die Arbeit. Der Herd rußte, und wir zwei unerfahrene Mädels sahen nach den gutmütig, spottenden Witzen der Jungens aus „wie zwei Hexen aus der Walpurgisküche". Macht nichts! Wir scheuerten die Küche, die schwarzen Töpfe — ein schwarzer Bach floß auf den Hot, so daß die schwanzlose Katze entsetzt entfloh, und die Hühner gackernd auseinanderstoben. Wir schruppten, wuschen, kascherten die Töpfe in einem riesigen Kupferkessel. Die Jungens halfen uns getreulich, sogar beim Kochen legten sie mit Hand an. Sehr bewandert waren wir in dieser edlen Kunst leider alle nicht. Man „vergaß" die Fische zu schuppen, und kochte sie ungeputzt, die „lockeren" Biscuittorten waren gewichtig wie Mühlsteine — aber das alles schadete nichts: Die Stimmung war ausgezeichnet. Man hatte, trotz Arbeit bis Mitternacht, Zeit für lustige Neckereien und Scherze. Am Erew Pessach kamen die Gäste, vergnügt trotz des etwas boheme-mäßigen Quartiers. Jeder wurde gleich angestellt, der eine mit Schuhwichsen, der andere mit Kartoffelschälen beschäftigt. Endlich kam der Seder heran. Der Tisch war feierlich mit frischen Laken gedeckt. Das christliche Dorf hörte wohl zum ersten Mal die Klänge der Hagada. Froh mischten die eben aius dem Ei geschlüpften Gänschen ihre Piepstimmchen in den Kiddusch und erhöhten so noch die Weihe. Man sang, man tanzte Horra, mit besonderer Inbrunst ertönte o'towa nwn mvh Selbst die Natur feierte mit. Eine herrliche Vollmondnacht lud zum Spaziergang ein, ein sonniger Früh-

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