Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 4-5 (4.1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 42 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 42 ZIO N Nr. 4*5 zu machen. Und sollte selbst der Kongreß schuldig sein, so ist es doch nicht der erste Kongreß, der die religiösen Forderungen nicht akzeptiert hat. Jahre über Jahre habt Ihr warten können und plötzlich ist Eure Geduld gerissen. Ist denn die Erscheinung, der Schabbat-Entweihung und der mangelnden Kaschruth so plötzlich im Lande aufgetreten, und gerade im Moment, wo Eure Freunde nicht in die Exekutive gewählt wurdenJ War es zu einer Zeit, als Eure Freunde an der Exekutive beteiligt waren anders? ... Ich will nicht sagen, daß Euch in früheren Zeiten diese Dinge nicht ebenso teuer waren, aber der Weg, den Ihr für Eure Auseinandersetzung gewählt habt, ist mir schwer verständlich. Anstatt zu versuchen, aufzuklären und die öffentliche Meinung zu mobilisieren und auch Eure Gegner für Eure Ansichten zu gewinnen, habt Ihr eine Verbindung hergestellt zwischen dieser Frage und der Frage der Zusammensetzung der Exekutive. Hätte sich Eure Beziehung zur Religion geändert, wenn die Exekutive eine größere Majorität hinter sich hätte? (Zwischenruf Raw Berlin: Durchaus nicht.) Und so sage ich, daß es ein verhängnisvoller Fehler von Euch ist, den Kampf in dieser Form und mit solchen Mitteln auszutragen und gerade jetzt die Schwierigkeiten zu vergrößern. Es ist Euch nicht gelungen, die Minorität zu unterdrücken und nun wollt Ihr die Majorität durch Gewalt bezwingen. Aber damit war es Euch nicht genug. Plötzlich sind Euch Bedenken gegen die Fonds aufgetaucht. Das ist wieder etwas Neues, was Ihr in die Bewegung hineingetragen habt. Es war eine feste Tradition in der Zionistischen Bewegung, daß die Fonds über jeden Parteienkampf standen, daß sie für die ganze Bewegung arbeiteten. Schon früher kamen Widerstände vor, abei eine Erklärung, daß der Keren Hajessod „trefa" und der Keren Kajemet „trefa" sei und für eine bestimmte Zeit wieder „kascher" werde — das haben wir noch nicht erlebt. Gerade in diesem schweren Jahre, wo die Exekutive große Schulden bezahlen muß, die sie nicht gemacht hat, sondern frühere Exekutiven, an denen auch Ihr beteiligt war, gerade zu einer solchen Zeit, wo von allen Zeiten starke Forderungen an uns gerichtet werden, habt Ihr einen Boykott in dieser oder jener Form gegen die Fonds gefordert (Zwischenruf: Stimmt nicht). Wenn Ihr nicht das Wort Boykott akzeptiert, sage ich Sabotage. Ich muß hier erklären, daß sich Männer im Misrachi befinden, die sich der Aufforderung ihres Merkas in dieser Hinsicht nicht gefügt haben. Eure Partei hat aufgerufen zu einer Kampagne für den Keren Erez Jisrael schel Hamisrachi. Sie hat erklärt, daß sie dringend Geld benötigt, um das Schulnetz des gesetzestreuen Judentums in Lande auszubauen. Dabei hat sie aber nicht mit einem Worte erwähnt, daß zehntausenjde von Pfunden diesem Schulnetz aus den Kassen des Keren Hajessod zugeflossen sind. Diese A»-t Eures Kampfes richtet ungeheuer viel Schade 1 an. Sie dient nicht dazu, daß Ansehen des misrachistischen Fonds in den Augen der nicht gesetzestreuen Zionisten zu erhöhen, ist nicht geeignet, das Ansehen des Misrachi in der Arbeiterschaft zu stärken, und ich glaube, daß die Arbeiterschaft und die ihr nahestehenden Kreise im Zionismus wichtig genug sind, daß Ihr auf ihren Respekt Wert legen solltet. Es wird manchen sonderbar erscheinen, daß ich hier soviel über den Misrachi gesprochen habe. Das hat seinen guten Grund. Ich'halte diese Opposition für besonders ernst und besonders grundlegend. (Aus dem Haaretz Nr. 4476 vom 9. 4. 34). Die Antwort von Rabbi Meier Berlin. An sich hätte nach der Tagesordnung, wie sie in London beschlossen wurde, man nur über unsere Forderungen sprechen müssen, die sich auf den Rücktritt der Exekutive beziehen. Nach der Rede von Locker jedoch fühlen wir uns gezwungen, auch auf die Angelegenheit einzugehen ,über die er so ausführlich gesprochen hat. Ich meine die Frage unserer religiösen Forderungen. Ich möchte Euch jedoch verraten, daß wir auch vor der Rede von Berl Locker die Absicht gehabt haben, eine Aenderung der Tagesordnung zu verlangen, daß nämlich das Problem unserer religiösen Forderungen vor der Frage der Exekutive behandelt werden soll. Der Grund ist, daß man wissentlich oder unwissentlich uns und unsere Forderungen so behandelt, als ob sie in einem Zusammenhange stünden mit den Ansprüchen, die wir in der Frage der Exekutive stellen. Auch Herr Berl Locker hat das betont. Ich hoffe, daß diese Worte, auf die ich noch etwas eingehen will, nicht in seiner Eigenschaft als Mitglied der Exekutive gesagt worden sind, denn trotz der Kritik, die wir gegen die Arbeit der Exekutive und gegen ihren Bestand zu richten haben, möchten wir ihren Wert nicht verringern. Deshalb will ich annehmen, daß Herr Locker diesj Dinge als Privatmann gesagt hat. Er sagte „Kann sich der Misrachi denn nicht auf eine Ebene begeben, die höher liegt, als die Frage der Exekutive". Deshalb will ich zuerst über die religiösen Forderungen sprechen mit der klaren Bekundung, daß, wenn diese Frage nicht ihre Lösung findet, wir als Misrachi, kein Interesse haben an welcher Exekutive auch immer. Ich