Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 4-5 (4.1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 41 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4*5 ZION Seite 41 sehen Wortführer ist von einer besonderen Tragik erfüllt. Wir hingegen wissen, daß das Kaddischgebet, das einer endgültig abgeschlossenen und überlebten Aera des deutschen Judentums und des gesamten Judentums nachgesagt wird, nicht das letzte Zeichen der jüdischen Aktivität ist. Kaddischsagen ist keine Parole. Wir wollen eine Parole, die uns mit unerhörter Gläubigkeit für einen neuen, besseren, und zwar jüdischen Weg in die Zukunft reif macht. Wir brauchen den totaljüdischen Aufruf zum Beginn einer umfassenden Volkserziehung! Die in alle möglichen Bestandteile aufgelösten geistigen Reste gilt es zu einem neuen jüdischen Weltbild zusammenzufassen. Wir wollen Leben! Wir wollen, selber in entscheidungsvollem Umbruch stehend und suchend, unserer J u g en d die Bahn für eine neue jüdische Haltung freimachen. Die Volkserziehung, die unsere Gesamtheit retten wird, kann nicht einsetzen, indem man versucht, die jüdischen Wortführer von Gestern, die Männern der „Richtungen" und Parteiegoismen, irgendwie geistig umzuschichten oder umzuschalten. Sie beginnt einzig und ausschließlich im Bereich der Jüdischen Schule. Wir warten auf den Ruf, der zu einer umfassenden Aktion für die Jüdische Schule auffordert. Das ist keine Aktion für eine Spendensammlung. Es ist ein größeres Unternehmen, — nämlich eine in allen Teilen einsetzende geistige Vorbereitung für die Schaffung eines unserer Gegenwart zeitgemäßen und unserer Situation angepaßten Typus der Jüdischen Schule. Der Begriff einer jüdischen Volksschule , einer sogenannten höheren oder mittleren Schule hat dem übergeordneten einer Jüdischen Schule Platz zu machen. Diese Schule reguliert nicht nur ein paar Schulstunden und Stundenpläne, sondern sie umfaßt das ganze erzieherische Sein und Werden der jungen Generation. Sie erzieht „zurück" zur Geschlossenheit der jüdischen Auffassung von Geist, Gesetz und Geschichte. Sie doziert nicht blos Tradition, — sie macht die ganze Vergangenheit unseres Volkes dadurch lebendig, daß sie eine aktiv-jüdische Gegenwart schafft. Sie überwindet die Stimmung des Kaddisch. Denn verzweifeln wird nur derjenige, der nicht mehr den pulsierenden Strom seiner Volksgeschichte spürt, und der sich seinem Volk entfremdet hat. Die jüdische Schule in ihrer totalen Erscheinung wird die letzten Reste chaotischer Assimilation und unzeitgemäßer Sentiments ausroden. Sie ist wesentliche Voraussetzung für wahres Chaluziut. Ohne sie wird jede jüdische Aufbauarbeit, ganz gleich, wo man sich um sie bemüht,— ob i'i Erez Jisrael oder in der Galut — Stückwerk und Experiment bleiben müssen. Die Parole von der Jüdischen Schule und der in ihr erstehenden jüdischen Volkserziehung wird das Kaddischsagen übertönen. Sie darf nicht mehr zur Ruhe kommen. Sie muß immer wieder die jüdische Oeffentlichkeit aufrütteln. Denn sie allein trägt den Willen zur Rettung und zum jüdischen Weiterleben in sich. J. R a p h a e 1. Aus der palästinensischen Presse. Vorbemerkung der Redaktion. Die letzte Aktions-Comite-Sitzung hat sich eingehend mit dem religiösen Problem beschätigt. Wir nehmen an, daß die wichtigen Ausführungen der Redner, die zu diesen Problemen Stellung genommen haben, unsere Leser interessieren werden und geben daher Auszüge aus ihren Reden wieder. (Aus der Rede von Berl Locker:) Nachdem Berl Locker in seinem Bericht sich mit der Opposition auseinandergesetzt, über den Fortgang des Mifal Arlosoroff und über die Frage der Disziplin gesprochen hat, nimmt er Stellung zu den „Injane Hadat": „Und nun zu religiösen Fragen. An sich bin ich zwar nicht kompetent über diese Dinge zu reden. Ich bin weder ein Raw, noch der Sohn eines Raws. Und vielleicht steht es mir nicht zu, Euch zu sagen, was dem Geist des Judentums entspricht und was nicht. Dennoch habe ich das Recht, eine eigene Meinung zu haben. Mir scheint, daß das Tragische zwischen uns nicht ist, daß Ihr gesetzestrui seid und wir nicht, sondern vielmehr die Tatsache, daß Ihr das tun wollt, was Gott selbst nur einmal getan hat: den Berg über uns stülpen wie ein Faß. Dieser Weg des Zwangs kam scho 4 einmal zum Ausdruck bei einem der Kongresse, als Ihr mit der Forderung an uns herantratet, db Zionistische Organisation solle den Chaluzim, deren Lebensführung nicht religiös ist, die Unterdie normalen Beziehungen zwischen uns trüb'. Bei dieser Gelegenheit will ich nicht über den Weg reden, den Ihr benutzt habt, um Eure Vorschläge vor dem Kongreß zu bringen. Ich wundere mich nur, wie so routinierte Politiker wie die Führer des Misrachi, nicht wissen sollen, wie und wann sie Vorschläge dem Kongreß zu unterbreiten haben. Unterstellen wir, daß Ihr Euch geirrt habt. Aber wenn Ihr Euch geirrt habt, -.o ist doch der Kongreß nicht dafür verantwortlich