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Zion · 1934-04-01 · 4-5 (4.1934) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
4-5 (4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 40 (sequence 14)
Language
German
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Seite 40 Z I ON 4*5 daß die Tora-Worte nittS nmcpi Us\v. in wörtlichem Sinne gemeint sind und daß in ihnen das Gesetz, Tefillin zu legen beschlossen ist. Im Galut freilich ist solche Feststellung der Volksmeinung in keiner Weise mehr möglich. Wie da bei neu auftauchenden Problemen eine Entscheidung fallen kann, wonach da entschieden werden könnte, darüber bleibt Kook die Antwort schuldig. Bezüglich alter, von neuem nur auftauche ■- der Probleme, könnte immerhin der Einblick in die Quellen, in den Talmud die Enscheidung fällen. Aber auch da kann die erst auf Grund einer literarischen Tätigkeit im Studium erfolgende Entscheidung nie und nimmer die unvergleichlich eindringlichere Wirkung einer bestehenden unmittelbar gegenwärtig zum Ausdruck gelangenden legitimen Meinungsäußerung erreichen. Bei Bestand eines Synhedrions ward durch die Strafe, die einer erlitt, der das Tefillingesetz der Tora bildlich auffaßte, diesem eindringlich genug und jedenfalls wirkungsvoller und eindringlicher zum Bewußtsein gebracht, daß er irrt, als einem, dem nur der Hinweis auf die Quellen solche Ueberzeugung beibringen soll. Ist es in Kook Schriften auch nicht ausdrücklich gesagt, so glaube ich doch, daß sein Gedankengang nur weitergefüh.: wird, wenn ich sage: Diese durch das Galut verursachte Unsicherheit in allen Fragen jüdische: Weltanschuung, weil es eben keine feststellbare entscheidende Meinungsäußerung der intuitiv den Sachverhalt erfassenden Volkssele im Galut gibt, diese Verlorenheit, an der wir alle leiden, h a t einen Sinn. Sie soll der ewige Stachel für uns sein zw einer Ueberwindung des Galut, zur Befreiung, d v wir im Gebete erflehen und durch die Tat fördern sollen. Diese geistige Not des Galut mußte an die Stelle seiner körperlichen Not treten dort, wo die letztere durch Erlangung der Gleichberechtigung überwunden ist oder überwunden zu seint scheint; damit es uns im Galut nicht zu gut geht, damit wir uns nicht mit dem Galut als dauernden Zustand abfinden, damit wir nicht gemeinsam mit den welken Gliedern des jüdischen Volkes das Galut geradezu bejahen. So münde: unserem Empfinden nach auch in diesem Punkt die Spekulation Kooks in die Zukunftshortnung des jüdischen Volkes aus. (Abdruck eines im Jahre 1928 im VIA., Köln gehaltenen Referates). Kaddisch — und was dann? Man kann es verstehen, daß man in weiten Kreisen an der Haltung der deutschen Juden in dieser Zeitenwende verzweifelt. Unbrauchbar aber ist ein Zustand, der aus dem Gefühl der Verzweiflung eine Parole macht. In einer jüdischen. Zeitung Hollands wurde kürzlich unter dem Motto „Kaddisch nach dem deutschen Judentum?" einer Resignation das Wort geredet, die der jüdischen Lebenskraft und dem jüdischen Willen zur Neugestaltung ein aussichtsloses Ende kündet. Das deutsche Judentum, in einer Agonie liegend, sei nicht mehr ins Leben zurückzurufen... Wie gesagt, man kann solche Ausbrüche der Enttäuschungen und einer unerwiderten Liebe verstehen. Aber mit derartigen Ausführungen, selbst wenn sie lang und leidenschaftlich sind, — und selbst wenn sie von einem prominenten Wortführer stammen — wird der Umfang der Problematik nicht ganz gesehen. Außerdem können sie nicht bfriedigen, sofern es eben noch Kreise und jüdische Menschen gibt, für die das Ende" der jüdischen Geschichte und Entwicklung noch nicht als gekommen gilt. Kaddisch sagen? Gewiß, doch höchstens für ein Kapitel unserer jüngsten Vergangenheit. Es ist noch fraglich, ob diese Vergangenheit mit ihrer Atomisierung des jüdischen Lebenswillens und der konsenquenten Auflösung unserer jüdischen Totalität überhaupt ein Kaddisch verdient. Aus Pietät könnte man es sagen. Und dann natürlich all den „religiösen Richtungen", die an fiesem Zusammenbruch im Geistigen beteiligt sind! Man hat die Geschlossenheit des Judentums schönen Irrtümern zum Opfer gebracht, — und wenn man in orthodoxen Kreisen von der „Religionsnation" geredet hat, so war das eben auch nichts anderes als eine Verbeugung vor den Tendenzen der Assimilation. Auch eine „Religionsnation" bleibt ein Volk, und das Gesetz (der Begriff „Religion" erschöpft keineswegs die jüdische Auffassung!) wurde keinem Astralgebilde gegeben, sondern einem sehr realen Volkskörper. Die auf halben Wegen stehengebliebenen Erkenntnisse mußten in allen jüdischen „Lagern" zu gewaltigen Trugschliisseln führen. Die Sünden der Väter trafen unsere Generation. Einen grenzenlose Leere und Aussichtslosigkeit, Unsicherheit und Resignation hat nun auch diejenigen befallen, die durch die Exklusivität und Reinerhaltung „ihrer" Kreise und ihrer angeblichen „Hundertprozentigkeit", abseits von der gesamtjüdischen Erneuerungsbewegung, das alleinige Heilmittel zur Rettung des Judentums gefunden zu haben glaubten. Die Verzweiflung dieser jüdi-

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