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Zion · 1934-04-01 · 4-5 (4.1934) · p. Seite 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
4-5 (4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 39 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4*5 ZION Seite 39 in der Tora viele Dinge finden, von denen man denkt, daß sie lediglich angepaßt sind dem, was der damals zeitgenösischen Generation klar war von Welt und Natur, Dinge also, die in ihrem wörtlichen Sinne nicht in Uebereinstimmung zu bringen sind mit den Resultaten heutiger Forschung, so ist allerdings zu betonen, daß wir nicht wissen können, ob in der zeitlich bedingten Forschung und ihren Resultaten auch wirklich bleibende wissenschaftliche Wahrheiten in allen Fällen gegeben sind. Und enthalten sie in dem einen oder anderen Falle eine solche dem einfachen Wortlaut der Tora widersprechende Wahrheit, dann wird es schon einen bestimmten wertvollen und heiligen Zweck haben, daß in der betreffenden Toraaussage die Dinge in bildlicher und nicht wörtlicher Weise vorgebracht werden, sowie das ja sicherlich der Fa'l ist bei den rein geistigen Begriffen und der Fali ist bei vielen Gesetzen, daß die Tora spricht jnn is' naa um dem bösen Trieb in gewissem Maße entgegenzukommen, um gerade dadurci ihn zu bekämpfen, oder daß die Tora spricht p«n nx -owS in bildlicher Sprache, um sich dem menschlichen Ohre verständlich zu machen. Uebar all dies schwebt und erscheint und enscheidet dLgöttliche Weisheit allein." So weit Kook. Hie.- ist in Kürze ein ganzes System gegeben, daß das ganze Problem erfaßt und es einer dauernden, einmaligen Lösung entgegenführt. Es ht lohnend, den Gedanken, den da Kook äußert, zu durchdenken und bis in die letzte Konsequenz durchzudenken. Und da zeigt sich folgendes: Es muß nicht erst bei jedem einzelnen neuen Resultat der menschlichen wissenschaftliche;. Forschungsarbeit nachgeprüft werden, ob es1 der Tora widerspricht. Es kann hypothethisch angenommen werden, daß ein solches Resultat, auch wenn es dem einfachen Wortlaut der Tora zu widersprechen scheint, doch Wahrheit ist. Es ist dann daran zu glauben, daß die Tora die betreffende Aussage, die der als Wahrheit empfundenen wissenschaftlichen Aussage widerspricht, in einer bildlichen oft nur zeitlichen bedingten Form vorgebracht hat. Das muß aber der göttlichen Weisheit überlassen bleiben, daß sie schon ihre Gründe hat, warum sie das eine Mal wörtlich, das andere Mal nur bildlich ihre Wahrheiten verkündet. Es zeigt sich ferner, daß dieser Weg, den da Kook beschreitet, eigentlich von ledern von uns schon lange beganger. wi:d, nur nicht mit so deutlichem Bewußtsein begangen wird. Wir alle glauben nicht, wenn wir von Gottes Hand in der Tora lesen, daß Gotr eine Hand hat; das widerspräche dem Dogma von der Körperlosigkeit Gottes. Und wenn Mahn - nides auf rein wissenschaftlichem Wege zur Ueberzeugung gelangt, die Erschaffung der Welt' müsse mehr Zeit in Anspruch genommen haben, als eine Woche, so hat er gleichzeitig die sieben Tage des biblischen Schöpfungswerkes als Bilder für einzelne jahrtausendlange Perioden gedeutet. Und das Gleiche ist dem verstattet, der irgendein anderes Resultat menschlicher Forschungitätigkeit als sichere Wahrheit erkennen zu müssen glaubt. Die Gefahr, die eine solche Methode, wenn sie falsch angewandt wird, bringt, liegt ohn.i weiteres auf der Hand. Wo liegt dann die Gewähr dafür, daß überhaupt noch etwas bleibt. Es könnte dann das ganze Torasystem als bildlicher Ausdruck aufgefaßt werden. Es könnte, um nur das drastische Beispiel zu erwähnen, sogar der Teil der Tora, der die Mizwot beinhaltet, bildlich und in nicht eigentlichem Sinne aufgefaßt werden. Das ist sogar gelegentlich tatsächlich schon geschehen, wenn etwa erklärt wird, daß das Tefillingebot nur bildlich gemei li ist, daß die Toraworte «p» by nw1? om»pi yvy pa niBBiaS lmr nur bildlicher Ausdruck sind für die dauernde Beschäftigung mit der Tora. Diese Gefahr ist aber meines Erachtens nach der zitierten Darlegung Kooks begegnet durch das Bestehen des rtown SSa rjnder intutiven Begabung der Volksgesamtheit. Diese zieht intuitiv schon die richtige Grenze zwischen dem, was bildlich gemeint sein könnte, und dem, was im eigentlichem Sinne gemeint sein muß! Kook gibt hier freilich nicht an, wie und wo und in welcher Form sich diese bindende Entscheidung äußert. Nach allem was ich aus den sonstigen Stellen in Kooks Werk mir zurechtlegen zu können glaube, äußert sich die Volksmeinung, die intuitiv begabte, in den Entscheidungen des Sanhedrions, dessen Glieder ja als die Repräsentanten des Volksganzeu aufzufassen sind. Deren Entscheidung kommt, wie wir schon sahen, unter Mitwirkung des rrn enpn zustande, der eben als identisch gefaßt wird mit der religiös-intiutiven Begabung, und auf Grund dessen erst die Beschlüsse des Synhedrion bindende Kraft erlangen. Und daß das Synhedrion bereits gerade auf religiös-gesetzlichem Gebiete schon derartige Entscheidungen getioffen hat, zeigt sich ganz deutlich, wenn etwa entschieden würde, daß das Gesetz der Tora über den irnoiYttD|3 über den ungeratenen Sohn nicht gegeben wurde als eine irgendeinmal zur praktischen Ausführung kommende Verordnung sondern lediglich Sapi rmmua in der Tora steht, das heißt lediglich akademischer Natur ist, um das eine oder andere zu lehren. Und dieses selbe Synhedrion hat zugleich auch entschieden,

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