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Zion · 1934-04-01 · 4-5 (4.1934) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
4-5 (4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 38 (sequence 12)
Language
German
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Seite 38 Z I O N Nr. 4*5 ren. Aber es zeigt sich doch unleugbar bei all dieser Arbeit die Erscheinung, daß jüdische Anschauung oft in Gegensatz gerät mit allmenschlicher, daß jüdisch religiöser Wert entgegensteht dem rein (menschlichen) allerweltsittlichen, daß menschliches Denken, in reinster Absicht geübt, in der Wertenreihe der jüdischen Lehre selbst Widersprüche entdeckt, und an deren Bestand leidet, daß der rein wissenschaftlichen Forschung vieles von jüdischer Lehre Gelehrtes beim ersten Anblick entgegenzustehen scheint. Von all diesen Diskrepanzen ist nur die letzte diejenige, die den abgegriffenen Namen „Kampf zwischen Glauben und Wissen" zu Recht oder Unrecht führt. Es ist klar, daß all diesen Schwierigkeiten auch in Kooks Aeußerungen begegnet wird mit dem Hinweis auf die Veränderlichkeit der Wissenschaft als solcher, die oft heute dies und morgen das als wahr und wirklich anerkennt. Es ist aber schon weitergehend und in die Tiefe gehend, wenn Kook den Satz schreibt: „Das Sein fürchtet sich nicht vor dem Bestehen von Gegensätzen und Inkongruenzen, die nur für den rationellen Verstand bestehen, da das Sein ja unendlich, oftmals größer ist, als das Wissen." In einer höheren Ebene — so führt er nun weiterhin aus — gleichen sich vor Gott die Gegensätze aus, und die Art dieses Ausgleichens bleibt für die rationale Vernunft vielleicht verborgen und wird vielleicht erst von dem erfühlt, der sich in die Dinge versenkt, in ihnen und mit ihnen lebt und in religiöser Intuition das klar erblickt, was rationalem Denken immer verborgen bleiben muß. Hart berührt hier das Denken Kooks die Lehre, die der' französische Philosoph Henri Bergson eigentlich in jedem seiner Bücher von neuem vertritt, daß dem menschlichen Intellekt auf Schritt und Tritt in metaphysischen Dingen Gegensätze begegnen, die aber darauf zurückgehen, daß dieser Intellekt sie erst setzt, da er gar nicht das richtige Instrument für die Beschäftigung mit der Metaphysik ist, sondern gegeben ist zur Beherrschung des praktischen Lebens. Die Schau nach innen, die Besinnung auf das natürliche, dem Menschen innewohnende, gleichsam apriorische Denken und Fühlen — und das ist für. Bergson identisch mit ingeniöser Intuition — erst s i e ermöglichen eine Beschäftigung mit metaphysischen Materien; erst ihnen lösen sich die Widersprüche, die rein rationales Denken immer und immer wieder findet. Ist also das Denken als solches zu verwerfen? Ist also wirklich alle rationale Arbeit von vornherein umsonst und soll auf nichts weiter gerichtet sein, als auf die rein verstandesmäßige Erfassung des in der Tora Gegebenen? Ist wertlos alles Wissen und Forschen und Trachten? Ist die Beschäftigung mit den wissenschaftlichen Disziplinen wertlos, da sie ohnehin nur einen Schein der Wahrheit oder nicht einmal das zu vermitteln imstande ist! Die bequeme, negierende Antwort gibt Kook nicht! Nicht die Antwort, daß etwa daß Denken nur den Schein der Dinge zu vermitteln vermag, die Tora aber, das Ding an sich vermittelt. Diese ganze, die jüdische Lehre mit dem Kantianismus auf Gedeih unl Verderb verbindende und auf ihn begründende Theorie lehnt Kook ab. Abgesehen davon, daß da mit dem Begriff „Ding an sich" eine unerlaubte Machination vorgenommen wird, abgesehen divon, wird es dieser Theorie niemals zu erklären gelingen, warum Gott dem Menschen einen Verstand gegeben hat, der dennoch sich nicht bescheidet, der es nicht wahr haben will, daß er sich von vornherein beschränken muß, der, ohne zu spüren, daß er damit etwas Böses tut, dennoch — man könnte sagen: guten Gewissens — alles, auch das Fernste und Letzte und Tiefste in den Kreis seiner Wirkung und Betrachtungzu ziehen versucht! Nebenbei bemerkt: Daß sowohl der Kantianismus als auc'.i die Phänomenologie von den religiösen Denkern benutzt werden, um der religiösen Ueberzeugunw die Krücke zu bieten, zeigt deutlich, als wie verläßlich solche Methoden von vornherein zu bewerten sind. Auch das tut Kook nicht, daß er nun jede einzelne wissenschaftliche Entdeckung prüft, ob sie der Tora widerspricht und ob sie mit der Tora in Einklang gebracht werden kann. Diese immer erneute ängstliche Haltung gegenüberder Wissenschaft, diese stete Erwartung einer immer neuen notwendigen Prüfung immer neuer Entdeckung und immer neuer Resultate der Wissenschaft ist ein durchaus unliebsamer Zustand, der nie und nimmer zu Ende kommen kann. Eine Lösung muß gefunden werden, die solcher Haltung ein für allemale ein Ende setzt, also nicht ein gelegentlicher Ausgleich, sondern eine prinzipielle Einstellung zum ganzen alles nur Mögliche in sich fassenden Komplex. Ich zitiere hier, was Kook wörtlich schreibt: „Wenn auch nicht jeder Einzelne imstande ist, genau die Grenze festzustellen zwischen dem, was in der Tora nur bildlich, nur als „Mascha''' gemeint ist, und dem, was in der Tora im eigentlichen, wörtlichen Sinne gemeint ist, so kommt doch das klare Empfinden der Volksgesamtheit und findet schon seinen Weg, nicht auf Grund einzelner logischer Beweise, sondern auf Grund der kollektiven intuitiven Schau! Und wenn sich

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