Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 4-5 (4.1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 33 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4*5 Z I 0 N Seite 33 sehen Idee und nicht der misrachistischen Organisationsform ist, sondern daß lediglich die misrachistische Politik Schiffbruch erltten hat. Er kam dann auf das Bündnis vom Misrachi und Revisionismus zu sprechen): Der allgemeine Misrachi ist sehr stark ins revisionistische Fahrwasser geraten und hat mit ih;i ein politisches Bündnis geschlossen. Selbst realpolitisch gesehen ist mir unverständlich, wie der Misrachi dieses .Bündnis eingehen konnte. Gipfelr doch seine Aufgabe darin, religiös-nationale. Forderung in der Bewegung durchzusetzen und den Aufbau Erez Jisraels in diesem Geiste entschei dend zu beeinflußen. Die Erfüllung dieser Aufgaben bedingt ein freundschaftliches Verhältnis zur Arbeiterschaft in Erez Jisrael. Glaubt man dieses Ziel schneller erreichen zu können, wenn man mit dem Revisionismus, zwischen dem und der Arbeiterschaft erbitterte Feindschaft besteht ein Bündnis eingeht? Dieses ist unverständlich und könnte dazu führen, was der Prophet Jeschajahu ausdrückt mit dem Satze: m? wea;. taai „Es strauchelt der Helfende und dann fällt der, dem geholfen werden sollte". (Der Redner ging noch ausführlicher auf die Haltung ein, die dem Revisionismus zugrunde liegt und kam dann auf das Problem Misraclii und Aguda zu sprechen, wobei er die Ausführungen von Raw Amiel in einem Artikel des Israelis zugrunde legte. Dort hatte Raw Amiel behauptet, daß zwischen dem Misrachi und der Aguda nichts Grundsätzliches stehe. Lediglicli die Frage der Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation bildet das Trennende und diese s^i eine leere Formsache und wie jede Form wandelbar). Die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation ist uns mehr als Form, sie ist uns wesenhaft. Es gehört zum Wesen der misrachistischen Ideologie den Klall-Gedanken zu bejahen, gleichgültig ob es sich um das Problem der jüdischen Gemeinde oder dem der jüdischen Volksgemei .- schaff handelt. Uns genügt es nicht, in kleinen homogenen Zirkeln für unsere Ideale zu wirken. Wir halten es für unsere Pflicht, in großen Organisationen und Verbänden für unsere Ziele zu wirken und zu werben und die von uns geschaffenen und mitgeschaffenen religiösen und kulturellen Einrichtungen dem Klall zugute komme-i zu lassen. Was soll aus den jüdischen Menschen werden, die bewußt oder unbewußt sich von der Tradition entfernt haben, wenn die in der Tradition verwurzelten und im jüdischen Leben aktiveren Kreisen sich zurückziehen und die anderen sich selbst überlassen! Nach der Sünde des goldenen Kalbes zog sich Mosche vom jüdischen Volke zurück. Er nahm das Zelt und schlug es außerhalb des Lagers auf. Er wollte mit dieser Gemeinschaft nicht mehr sich verbunden fühlen. Gott aber — so bemerken die Weisen im Midrasch — sprach zu ihm: „Wenn Gott zürnt und auch der Lehrer und Führer sein Volk im Stiche läßt, was soll dann aus dem Volke werden?" Daraufhin kehrte Mosche ins Lager zurück. Nein, der Austritt aus der Bewegung kommt für uns aus ideologischen Gründen nicht in Betracht, aber auch aus realpolitischen Gründen müssen wir in der Zionistischen Organisation verbleiben. Trotz mancher Enttäuschung ist doch Vieles erreicht worden und wir sollten das Geschaffene dankbar anerkennen. (Der Redner zählt die einzelnen Leistungen des Misrachi auf und betont insbesondere, noch' zu berücksichtigen, wie wohl der Aufbau ausgesehen hätte, wenn der Misrachi nicht 30 Jahre lang innerhalb der Zionistischen Organisation ge wirkt hätte. Er kam dann auf die A.-C.-Sitzui^ zu sprechen). Die Schabbat-Klausel, die nunmehr zum Beschluß erhoben wurde, begrüßen wir mit großer Freude. Wichtig ist auch der Beschluß der Histadrut, daß die Küchen in den Kwuzot koscher geführt werden sollen. Es geschah zum ersten Male, daß die Besprechung religiöser Fragen au: einer A.-C.-Tagung einen solch großen Raum eingenommen hat. Wir sehen, daß das Leben viol stärker ist, als alle Theorie. Man kann nicht mehr an der Fiktion festhalten: Religion ist Privatsache. Auf dieser Sitzung hat Kurt Blumenfeld eine sehr bedeutsame Rede gehalten, wo er aus führte: „Auch dem Misrachi sei gesagt, daß v seine berechtigten Forderungen nur durch geistige Beeinflußung und Erziehung erreichen wird". Es ist wohl richtig, das religiöses Tun nicht durch politische Mittel erzwungen werden kann. Abc wir dürfen nicht mit Schlagworten operierer. Sprechen wir doch nicht immer von der Vergewaltigung der persönlichen Freiheit! Auch diese Freiheit muß eine Grenze haben im Interesse der Gemeinschaft. Wenn irgend ein Staat Sonntagsruhe eingeführt, darf keiner sagen: Ich brauche diese Sonntagsruhe nicht. Jede Organisation hat ihre Satzungen und wer ihr angehört, muß sich den Satzungen fügen. Man kann nicht zurecht behaupten, daß dies irgendwie eine Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit darstellt. Was andere Gemeinschaften zu fordern das Recht haben, darf auch Erez Jisrael im Namen des Sinai fordern. Dabei denkt kein Mensch daran, Aufsichtsorgane zu bestellen, um zu bewachen, was Einer in seinem Zimmer tut. Aber die Entweihung des von Schinken und dergl. mehr ist nicht mehr