Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 4-5 (4.1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 30 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 30 Z 10 N Nr. 4*5 etwas für sich mit nach Hause genommen, aus dem,, neuer Impuls für künftige misrachistische Arbeiten fließen kann. Es war eine glückliche Idee, an die Spitze der Tagung ein Referat von Rabbiner Dr. Hoffmann zu setzen, in dem grundsätzlich zu den Fragen des Zionismus vom Standpunkt jüdischer Ueberlieferung aus Stellung genommen) wurde. So stand die Zusammenkunft unter der Parole der Erfüllung von Rechtund Gesetz d erTora; jüdische Pflicherfüllung durch Einordnung des Traditionsjudentums in die nationale Bewegung des Volkes. Einbeziehung der weitesten Kreise des Volkes in die Gesamtarbeit für seine Erhaltung, die ihren Ausgang und ihren Endpunkt haben muß in dem unserem Volk von seinem Gott verheißenen Lande. Das faßte Dr. Hoffmann in das kühne Wort zusammen: „Wir sind auf Gedeih und Verderb verbunden mit der zionistischen Organisation." Das sollte nicht bedeuten, daß wir bereit sind., unser Judentum untergehen zu lassen, wenn das zionistische Werk sich als nicht widerstandsfähig erweisen sollte, sondern es war Ausdruck der Ueberzeugung, daß aus der zionistischen Idee die Rettung für das heute in schwerstem materiellen und geistigem Existenzkampf stehenden Judentum kommen müsse, und daß auch wir alle Kräfte anspannen müssen um dies Werk in jüdischem Geist durchzuführen, damit aus ihm das Judentum sich erneuere, sich wieder erfülle mit seiner alten Kraft. Geht der Zionismus nicht den rechten Weg, baut er unser Land nicht aus zu einem Zentrum alten Torageistes, dann hat unser Volk, wieder einmai vor die Wahl gestellt zwischen Leben und Untergang, nicht den Weg des Aufstieges, sondern den der Vernichtung gewählt, und auch das Traditionsjudentum würde mit in das Verderben verstrickt werden.- Wir Misrachisten aber sind diejenigen, die die Gewähr dafür bieten sollen, daß der Zionismus das Leben wählt —wenn wir richtig wollen und uns mit ganzer Kraft der Sache des Volkes hingeben aus unserem jüdischen, religiös fundierten Wollen heraus. An uns liegt es, zu arbeiten, und nicht zu kritisieren. Mizwa- Pflicht und Gebot — ist es für uns, das Letzte herzugeben, um das große Aufbauwerk, die Neugestaltung unseres Volkes in unserem Lande, pflichtgebunden an das göttliche Gesetz, gelingen zu lassen. Aus dem Referat von Herrn Rabbiher Dr. Hoffmann und seiner Aufnahme bei der Tagung ging hervor, daß der Misrachi in Deutschland eine bewußt und aus innerer Ueberzeugung getragene Fundierung in der Halacha — dem überlieferten Religionsgesetz — besitzt. Mit besonderer Genugtuung dürfen wir feststellen, daß wir uns unter rabbinische Führung auch in politischen Dingen stellen können, da diese Führung es versteht, die Forderung des Tages einzuspannen in den weiteren Rahmen jüdisch-gesetzlicher Norm. Nicht weltfremd und zeitgebunden ist unser Gesetz, sondern es ist uns lebensspendendes Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft, ein Ueberzeitliches, dem wir uns in Freiwilligkeit und Freiheit zu allen Zeiten unterordnen können, da es die Kraft besitzt, sich neugefundene Wahrheiten einzugliedern und sich daher selbst den Zeiterfordernissen und Notwendigkeiten gegenüber zu bewähren. Hier findet sich auch, der Zusammenhang mit der Diskussion, die über unser Zusammengehen mit dem Weltmisrachi und mit der Aguda geführt wurde. Unser Kampf .innerhalb des Zionismus um die jüdischen Werte und um die Durchdringung Erez Jisraels mit ihnen darf nicht auf der politischen Linie geführt werden. Politik soll dem Kampf um Anerkennung unserer Ansprüche bei der Außenwelt dienen, durch, sie sollen wir unser Recht dem Völkerbund und der Mandatarmacht gegenüber durchsetzen. Die Auseinandersetzung im Innern, mit der Judenheit Erez Jisraels und der der ganzen Welt, soll auf einer anderen Ebene geführt werden, auf der Ebene von Zedek und Mischpat — von jüdischer Gesetzlichkeit —. Nicht im Rahmen von Rechtsansprüchen, die Menschengeist aufstellt, die heute anerkannt und morgen wieder verworfen sind, die der Veränderlichkeit der Programme des Tages unterliegen, können wir unsere Ansprüche auf die Lebensges.taltung Erez Jisraels geltend machen und durchsetzen, sondern nur dadurch, daß wir im Lande-das Leben führen — und dadurch beispielgebend wirken —, das wir als Halacha vom Sinai her ableiten. Indem unsere Menschen ganz eingespannt sind in den Aufbauprozeß des Landes, sich ihm restlos und bedingungslos einfügen, und sich die jüdische Ueberlieferung dienstbar machen, weil sie sich ihr unterworfen haben. Die Forderungen, die wir im Namen dieser Mitarbeit erheben, müssen Anerkennung finden und je stärker unser Anteil an der Arbeit im Lande, je größer unser moralischer Einfluß auf die Gestaltung seines Lebens, desto höher auch der moralische Druck, unter dem die Gesamtheit stehen wird. Nicht durch Forderung, nur durch Leistung kann unser Einfluß in Erez Jisrael und in der Gola erhöht werden. In dieser Richtung bewegten sich auch die Ausführungen, die unsere Jugend auf der Tagun? machte, und es war ein beglückendes Erlebnis für manchen der Aelteren, wenn die Jungen an