Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 2-3 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 24 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 24 ZION Nr. 2*3 noch mancher Kampf innerhalb der Reichsvertretung geführt werden müssen. Ohne auf das Problem Separation oder Mitarbeit und Kritik von innen, dessen Existenz wie dessen Diskussion schon sehr alt ist, an dieser Stelle eingehen zu können, möchten wir hier folgende Ueber- Iegung anstellen. Auch die separatistische Orthodoxie kann sich nicht der Erkenntnis entziehen, daß über die weltanschaulichen Gegensätze hinaus eine faktische Lebens- und Interessengemeinschaft der deutschen Judenheit besteht. Deshalb erklärt sie sich bereit, gemeinsam mit der Reichsvertretung an der Behandlung und Lösung wirtschaftlicher und politischer Fragen, die alle deutsche Juden angehen, mitzuarbeiten. Was bedeutet dieser Entschluß? Er bedeutet nichts anderes, als daß es unabhängig von dei jeweiligen Auffassung über das Wesen des Judentums gemeinsame Interessen aller derer gibt, die dem jüdischen Volk angehören (auch wenn sie die Aufgaben dieses Volkstums nicht erfassen und nicht erfüllen). Wenn zwei so verschiedene Richtungen — oder sollte der Unterschied nicht so groß sein?— wie die Agudahkreise und der R.J.F. sich mit 4den in der Reichsvertretung vorhandenen und durch sie vertreteten Anschauungen nicht einverstanden erklären, trotzdem in Dingen, die die soziologische Tatsache: Jude-Sein betreffen, mitarbeiten wollen, so geben sie damit de facto die Existenz einer objektiven Judenfrage zu. Diese Tatsachen, die man früher bei etwas schlechtem Willen übersehen konnte, fordern doch ihre Anerkennung und Berücksichtigung. Das Leben, das die nationale Seite der Judenfrage herausstellt, ist eben stärker als jede Ideologie, die dies gern übersehen möchte. Die Richtigkeit dieses Satzes wird sich in absehbarer Zeit wieder erweisen, wenn die agudistischen Arbeiter in Erez Israel in allen arbeits- und arbeiterrechtlichen Fragen mit der Histadruth zusammengehen * Die Macht des Lebens, die Stärke Erez-Jisraels zeigt sich auch (um ein kleines aber sehr treffendes Beispiel zu nennen), wenn im „Israelit" bei der Besprechung der Aufführung eines hebräischen Stückes an der Samson Raphaei- Hirsch-Schule (voller Freude und Optimismus\) darauf hingewiesen wird, daß in nicht zu vielen Jahren die Sprache der Tora in „Wort und Bild nicht mehr eine exotische Sprache sein" wird. Hoffen wir es; aber wie lange ist es schon her, daß im tag-täglichen Gebrauch des Iwrit eine Entweihung der heiligen Sprache erblickt wurde? Auch hier ein Wandel der Einstellung, auf den hinzuweisen es sich verlohnt. * Die . Wirklichkeit Erez Jisraels, die eine einheitliche und dadurch stoßkräftige religiöse Führung gebieterisch fordert, wirkt im Sinne einer Einigung zwischen dem Kook'schen Oberrabbinat und den aschkenaisischen Sondergemeinden. Nach den vorliegenden Meldungen sollen in dem neuköpfigen Beth Din sechs Vertreter des Rabbinats der Knesset Jisrael und drei der Aguda sitzen. Bei aller Wahrung der inneren Freiheit der Sondergemeinden, ohne den Versuch einer Majorisierung in organisatorischen Fragen soll mit dieser Regelung eine brauchbare Basis für die so nötige Arbeit, die ohne Zusammenarbeit gehemmt bleibt, geschaffen werden. Einer starken halachisch-autoritativen Führung des traditionellen Judentums in Erez Jisrael, deren Bedeutung das Judentum der Gola nicht wird entraten können, erwachsen heute besondere Aufgaben. Um nur ei: es der Aufgabengebiete zu nennen, auf dem sich das Rabbinat betätigen müßte, und dadurch die Möglichkeit bekäme, vieles von dem während der letzten Jahrzehnte verlorenen Terrain wieder zu erobern: Wir meinen die Arbeitskokflikte, die drohen, zu einer ständigen Erscheinung im Leben Erez Jisraels zu werden. Mag es sich umKonflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeinehmer oder Streitfälle zwischen Histadrutleuten und Revisionisten handeln, — es ergibt sich hierbei die Gelegenheit, im Namen und im Sinne der Tora, die über den Klassen und Parteien steht, Friede zwischen den Parteien und Klassen zu stiften. Zu lange schon hat man versucht, das Recht der Tora auf die „vier Ellen" zu beschränken, Tora und Tradition zu einer bloßen Angelegenheit der Kultur zu machen. Die Folge war, daß das Leben in seiner Tatsächlichkeit, seinen Kämpfen und Problemen unberührt vom Geiste der Tora und ihrem Rechtsspruch blieb. Gerade in Erez Jisrael. ist uns die Chance gegeben, eine Torat Chjim, die alle Bezirke des Lebens umfaßt, wieder herzustellen. Es gilt, diese Chance wahrzunehmen. In nationaler Arbitrage, Schiedsgerichten unter rabbinischer Leitung al pi Din Tora sehen wir ein brauchbares Mittel, um die Konflikte zu beseitigen, wie sie in den letzten Wochen häufig auftauchten, wie sie aber ein „normales" Volk sich nicht leisten darf, geschweige denn ein Land im Stadium der Kolonisation, ein Volk im Stadium der Wiedergeburt.