Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 2-3 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 16 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 Z I 0 N Nr. 2*3 unerlaubte Assoziation an Vorstellungen, die nur auf das Irdische angewendet werden dürfen und der Welt des Irdischen entnommen sind, zur Folgehat. Diese Spekulation kann dann endlich und adäquat nur das Sein Gottes, seine Existenz als einzige seiner Attribute aussagen und das führt dann, wie dies die Geschichte des philosophischen Denkens zeigt, zu einer der folgenden religiösen Verfassungen. Es wird der so erfaßte Gott mit dem Sein indentifiziert, er wird also zur blinden unbewußtsein nur immer wieder sich selbst setzenden, Substanz. Dies ist die Lage des Pantheismus, wie ihn Spinoza begründete. Gott wird so sehr vergeistigt, so sehr durch immer erneutes Spekulieren über seine Wesenheit dem Irdischen entrückt und entfernt, daß ein inniges und im Leben nachwirkendes Verhältnis des Menschen zu seinem Gott unmöglich wird. Dies ist etwa die Lage des Deismus, der einen Gott setzt, im übrigen aber der Welt ihren Lauf läßt und keinerlei praktische Konsequenz für das Leben aus dieser Setzung zieht. Dies ist aber auch die Lage, die aus einem jeden rein rationalen Er fassenwollen der Gottheit entspringt, wie es sicli in den außerjüdischen Bekenntnissen zeigt. Auen hier, etwa in der christlichen Kirche, insbesondere der protestantischen, ist es zu einer vollständigen Durchdringung der Lebensordnung durch Gott nicht gekommen und konnte es nicht kommen. Auch^hier beschränkt sich die Verbindung mit Gott auf die kurze Dauer der religiösen Andacht. Der andere Weg, den der Mensch beschrei tet, um zur Selbstheit Gottes zu gelangen, ist der des reinen Gefühls. Frei von jeder Schranke verstandesmäßigen Erkennens schwingt sich die Seele im Gefühle allein zum mystischen Gotteserlebnis auf, und wird dadurch selbst dem Boden entrückt, findet keinenn Fuß mehr auf den Boden des realen Lebens. Kein Versuch kann von ihr gemacht werden, das irdische Leben gottesmäßig zu gestalten, im Rausche, im Mystischem allein wird die Annährung an die Gottheit versucht und erreicht, und solcher Rausch ist unfähig, dauernder Zustand zu werden und gestaltend das irdische Leben nach einem bestimmten Ideale zu formen. Oft ist es auch der Eindruck der Gottheit auf den Menschen, der nur von Gottes Wesenheit weiß und nur Gottes Selbstheit sucht, ein so gewaltiger und niederschlagender, läßt so sehr im Vergleiche zu Gottes allumfassender Größe die Nichtigkeit alles Menschentumes und menschlichen Werkes im Suchen, zum Bewußtsein kommen, daß der Mensch auf solchem Wege einfach dieses Gefühl nicht mehr erträgt, sich selbst verliert oder aber einen Ausweg sucht nach der anderen Seite hin zum anderen Extrem. Um sich sel-bst zu behaupten, muß er das Sein der Gottheit leugnen. Und so kann solcher Weg geradezu in der Gottesleugnung münden. Alle die genannten Wege führen aber nicht zum Ziele, weil sie gerichtet sind auf die erfassung Gottes in seiner Wesenheit. Anders aber der jüdische Weg. Freilich auch der Jude will Gott mit der Erkenntnis näher kommen, auch er soll sein Gefühl in der Andachtsübung bringen, aber er verbindet damit — und das ist das Entscheidende — noch etwa anderes. Es ist dies die Pflege der von Gott gesetzten Ideale im ganzen irdischen Leben. Irgendwie empfindet sich die Seele als Teil von Gott, irgendwie empfindet sie in sich den Drang zum Guten und Schönen, den Wille das Gute zu tun. Und irgendwie weiß sie, daß auch dieser Drang und Wille letzten Endes von Gott stammt, dem die Seele selbst sich verwandt fühlt. Dieser Drang und Wille will dasselbe, was Gottes heiliger Wille will. So vollzieht sich die Näherung zu Gott, nach jüdischer Lehre in einer Näherung des Menschen nicht so sehr an Gottes Wesenheit, als an Gottes Eigenschaften, wird der Mensch der Gottheit näher, in dem ersein Leben vergöttlicht, und die von Gott gesetzten Ideale in seinem Leben pflegt und zur Verwirklichung zu bringen sucht. Bei solchem Tun entfällt die Gefahr, daß Gott der Welt entfernt wird, denn diese Arbeit an Gottes gesetztem Ideale hat ein durchaus reales Objektdas irdische Leben. Es entfällt die Möglichkeit, daß das Leben seinen eigenen Lauf geht und über Gott nur gedacht und spekuliert wird. Es entfällt die Möglichkeit, daß der Mensch in seiner Gottesnähe entirdischt wird und sich selbst verliert, da es Taten zu tun und Ideale zu verwirklichen gilt. Und es entfällt endlich die Gefahr, daß das Empfinden und Erleben der Gottheit den Menschen so niederschlägt, daß er den Ausgang und die Rettung sucht in einem anderen Extrem, in der Leugnung. Denn die Seele die ihr eigenes Wollen als Gottes Wollen empfindet, sie kann in Gott selbst hur schon Verwandtes, schon Bekanntes wiederfinden, sie fühlt sich nicht entgegengestellt einer Macht, vor der sie sich in Nichts versinken spürt, sondern sie fühlt sich selber wachsen, wenn ihre Gottesnähe wächst, erwirbt aus jeder von ihr geübten und gottgewollten Tat nun neues Leben und stärkeres Sein! In dieser Pflege der von Gott gesetzten menschlich-göttlichen Ideale liegt der Sinn jüdischen Lebens. Damit kommen wir zum zweiten Punkt, der besprochen werden soll. Es ist diese