Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 2-3 (2.1934)
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 15 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2*3 Z I 0 N Seite 15 das literarische Werk Kooks hebräisch geschrieben ist und dadurch den meisten der deutschen Juden unzulänglich bleibt. Ferner aber hat die Hypertrophie politischen Parteiwesens und politischer Wertungen so sehr das Auge des heutigen Juden geblendet, daß die von der politischen Stellung des größten Teiles der zeitgenössischen, politisch-organisierten Judenschaft divergierende Einstellung dieses Mannes zu den politisch jüdischen Problemen zur Folge haben konnte, daß er auch dort, sei es nun unwillkürlich, sei es nun, was wahrscheinlicher ist, willkürlich übersehen wird, wo sein Schaffen ablösbar ist von der politischen Stellung. Ich habe mir vorgenommen, durch eine Uebersetzung eines Teiles des Kookschen Werkes, dessen Inhalt den deutschsprechenden Juden näher zu bringen und als ein schwacher Anfang solchen Unternehmens soll auch diese Abhandlung gelten. Kooks literarisches Schaffen erstreckt sich auf alle Gebiete jüd. Wissenschaft, auf das Halachische sowohl, wie auf andere Gebiete, wo Kook durchaus neue Bahnen geht. In der Erklärung talmudischer Materien zeigt sich seine Neigung für die umfassende Betrachtung, die Einzelheiten wohl berücksichtigend, aber sie nicht betonend, die Materie in ihrer Ganzheit zum Substrat der Untersuchung macht und daraus die leitenden Sätze und Prizipien zieht. Auf dem Gebiete der Agada zeigt sich die unerschöpfliche geistsprühende Art seiner Auslegung, die ungezwungen überraschend neue Seiten an dem alten Stoffe findet. Durchaus neue Wege geht Raw Kook auch auf religionsphilosophischem Gebiete, von dem allein hier einiges vorgebracht werden soll. Dabei ist zu beachten, was eine typische Eigenart dieses schaffenden Geistes ist, daß sämtliche Gebiete, das halachische und agadische mit dem kabbalistischem und philosophischem in der umfassenden Betrachtung dieses Denkers sich zu einem einzigen Gebiet vereinen, daß hier ein Eruw Hatchumin einziger Art vorliegt: Eine Vermischung der Gebiete, wobei eines vom anderen befruchtet wird, und umgekehrt das eine das andere befruchtet. Kook ist sich dieser Eigenart seines Schaffens wohl bewußt, wenn er etwa in der Abhandlung Awodat Elokirn schreibt: „Nur ganz vereinzelte haben vollständig den Gedanken erfaßt, haben die weitblickende und richtige Ansicht, daß abgesehen davon, daß die ganze geistige Welt überhaupt nur bestehen kann, auf Grund der Pflege, sämtlicher Zweige des Wissens und des Gefühls, daß abgesehen davon jeder einzelne Teil überhaupt nur vervollständigt wird durch die Zusammenschau mit jenen Seiten die auf dem anderen Gebiete liegen und die oberflächlich betrachtet, ihm vollständig scheinen. Ebenso ist bezeichnend und grundlegend der Satz, den er in der selben Abhandlung schreibt: „Die Grundlagen der Halachot, des religionsgesetzlichen Teiles der Tora, sind auch wieder die Agadot und diese wieder der Teil der Tora, der die theoretischen Grundlagen der jüdischen Weltanschauung in sich trägt. Es ist daher nicht ganz leicht, aus der innigen Verbindung mit anderen Themen, die rein religionsphilosophischen Stoffe abzutrennen und teilweise hier vorzubringen. Ferner sind alle diese Stoffe nicht in ein direktes System gebracht, sodaß man aus den verschiedenen Büchern und Abhandlungen und insbesondere aus der reichhaltigen, gedruckt vorliegenden Sammlung der Privatbriefe erst den Stoff sammeln und dann ihn einteilen muß. Das religionsphilosophische Schaffen Kooks ist vorwiegend auf die folgenden Materien gerichtet: Erkenntnis Gottes und seine Verehrung, jüdisches Volk und jüdischer Mensch als Träger der jüdischen Kultur, Palästina als jüdisches Land, messianische Erlösung und endlich das Verhältnis der jüdischen Lehre zum allweltlichen Denken und Forschen. In einem großangelegten Aufsatz zeigt Raw Kook — um mit dem ersten Punkt zu beginnen — die verschiedenen Möglichkeiten, durch die der Mensch in eine Beziehung zu Gott zu treten versucht, die verschiedenen Arten des Verhältnisses zwischen Mensch und Gott. Hier ist vor allem zu unterscheiden die rein menschliche, nicht typisch jüdische Form des Versuches zum Wesen Gottes zu gelangen. Dieser Versuch kann nur vollführt werden, mit der Ratio, den intellektuellen Fähigkeiten des Menschen allein. Im ersten besteht die philosophische Spekulation über Gottes Wesenheit, letzteres ist im eigentlichen Sinne das Wesen der religiösen Mystik. Beide Wege für sich selbst beschritten, können keinen befriedigenden Zustand schaffen. Beide Wege haben das Erfassen und das Nahekommen an Gottes Wesen zum Ziele. Da sucht die philosophische, rationale Spekulation, durch folgerichtige Schlüsse das Wesen Gottes zu erfassen und ist gezwungen, dieses sein Wesen, des einen und des anderen und schließlich fast aller Atribute zu entkleiden, die dem vergänglichen irdischen Menschen anhaften, da sie sonst Gott vermenschlichen. So kann sie, wie Kook im Anschluß an Maimonides ausführt, von Gott nur negativ aussagen, was er nicht ist und nie eigentlich erfassen, was er ist, da jede erlaubte positive Aussage darüber die