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Zion · 1934-01-01 · 1 (1.1934) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
1 (1.1934)
Date
1934-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 ZION 'Nr. 1 lockerer die Bindungen an das Judentum waren, um so größer ist jetzt die Tragik der Menschen, die unter diesem Judentum zu leiden haben. Die deutsche Judenheit reagierte würdig auf die Geschehnisse der Zeit und trug das, was ihr zu tragen auferlegt war, mit Würde und Ernst. Es fehlen jedoch die Auswirkungen auf die Lebensgestaltung. Mit den Ansätzen zu einer Rückkehr zum Judentum allein ist es nicht getan. Und bei aller Anerkennung, die man der „Jüdischen Rundschau" zollen muß, für ihre würdige, geschickte und fundierte Haltung, ist doch zu betonen, daß die Konkretisierung der jüdischen Lebensgestaltung fehlt, die die „Jüdische Rundschau" fordert. Jüdische Lebensart ist nur möglich bei einem Leben, das durch das jüdische Gesetz bestimmt wird. Die jüdische Tat ist es, die die verschiedenen Elemente im Judentum zu einer Einheit formen kann. Der Redner wandte sich der Bedeutung Palästinas zu und erklärte, daß auch in Erez Jisrael eine entscheidende Umkehr einsetzen muß. Das zentrale Problem Erez Jisraels ist das religiöse - Problem. Dem Ausspruch Schmarja Lewins: „Jedes Volk hat soviel Himmel über dem Haupte als es Boden unter den Füßen hat", stellte der Redner als Ergänzung die These gegenüber: „Das jüdische Volk hat soviel Boden unter den Füßen als es Himmel über dem Haupte hat". Erst die Verbindung dieser beiden Sätze ist der wahre Ausdruck jüdischen Geistes. Besonders grundlegend war die Auseinandersetzung mit der in dem Buche: „Wir Juden" von Herrn Rabb. Dr. Joachim Prinz vertretenen Auffassung, daß die Jugend den Weg der freien Religiosität gehen werde. Der Redner wies auf den Widerspruch hin, der darin liegt, daß man einen Weg, der in Deutschland zu dem geführt hat, was wir jetzt erleben, für Erez Jisrael als richtunggebend anerkennen will. Um Erez Jisrael für das jüdische Volk zu sichern müssen Menschen hinübergehen, die den Mut haben, die zio- . nistischen Grundgedanken zu Ende zu denken und die bereit sind, in Erez Jisrael ein Leben zu führen, das wahrhaft jüdisch ist. Gerade die deutschen Chaluzim, die erkannt haben, wohin ein Leben führt, das nicht im Judentum verwurzelt ist, gerade ihnen wird die Aufgabe, diese Erkenntnis fruchtbar zu machen, indem sie in Erez Jisrael ein Leben zu gestalten versuchen, das nicht mehr die Mängel aufweist, die dem Leben der assimilierten Juden anhafteten. Sie müssen bereit sein, jüdisches Leben in seiner Totalität, in seiner Ganzheit in Erez Jisrael zu formen, und diese ist nur garantiert durch das jüdische Gesetz. Die Ausführungen des Redners wurden begeistert aufgenommen und hinterließen einen nachhaltigen Eindruck bei der Zuhörerschaft. Herr Prof. Pick sprach dann noch über die Aufgaben, die sich für die in Deutschland verbleibenden Juden ergeben, wenn man die Notwendigkeit der Umkehr erkannt hat. Einen wichtigen Teil seiner Ausführungen nahmen die Probleme der jüdischen Schule ein. Der Redner richtete einen eindringlichen Appell an die Versammelten, sich der Organisation des toratreuen Zionismus anzuschließen. Diesem Appell auch ist es zu danken, daß ein Teil der Anwesenden sich entschloß, der Organisation des Misrachi beizutreten und mitzuarbeiten an dem Werk des gesetzestreuen Zionismus. Die Kundgebung bot ein Bild von der Tiefe und dem Ernst, mit der der toratreue Zionismus die Probleme sieht, die ihm die Zeit zu lösen aufgibt. Es ist zu erwarten, daß der Misrachi durch diese Kundgebung einen entscheidenden Impuls für seine Arbeit in Berlin erhalten hat. Breslau. Unsere Breslauer Ortsgruppe veranstaltet zusammen mit der Misrachi-Frauengruppe Breslau einen Zyklus von 6 Vorträgen mit dem Grundthema: Der Einfluß Erez Jisraels auf das jüdische Geistesleben". Als Themen sind vorgesehen: 1. Palästina im jüdischen Schrifttum (Herr Dr. Speier); 2. Erez Jisrael in Halacha und Agada (Herr Rabb. Dr. Simonsohn); 3. Erez Jisrael in der Kabbala (Herr Prof. Dr. Heinemann); 4. Der theologische Charakter Erez Jisraels als philosophisches Problem (Herr Rabb. Dr. Altmann); 5. Erez Jisrael und die Gegenwart (Herr Dr. M. Freund); 6. Kibbuz Galujot. Zur Charakteristik der palästinensischen Judentypen (Seminarrabb. Dr. Rabin). Wir werden die gehaltenen Referate fortlaufend in unserer Zeitschrift veröffentlichen und dann die gesammelten Vorträge als Broschüre herausgeben. Wir glauben, daß diese Broschüre für misrachistische Kulturarbeit wertvolle Dienste wird leisten können.

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