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Zion · 1934-01-01 · 1 (1.1934) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
1 (1.1934)
Date
1934-01-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 ZION Nr. 1 Der Unterschied des Judentums zu den anderen Religionen liegt im Bekenntnis des Einen Gottes, in der Anerkennung der Tora als Grundlage jüdischen Seins und in der Gestaltung des jüdischen All- und Feiertages durch das Gesetz, durch die Halacha. Der Liberalismus hat die Verbindlichkeit der Tora und der Halacha aufgehoben, und es wäre widersinnig, von der Orthodoxie die Anerkennung des Liberalismus als einer gleichberechtigten jüdisch-religiösen Anschauung zu verlangen: Wenn Judentum eine Religion ist, dann muß es eine Religion sein. Das traditionelle Judentum kann deshalb nicht den Liberalismus, seinen Gottesdienst und die ihm geweihten Stätten anerkennen, gestünde es doch damit zu, daß es eine legitime jüdisch-religiöse Richtung geben kann, die sich in ihrer Lebensgestaltung prinzipiell unabhängig von Tora und Ueberlieferung erklärt. * Briefe vieler unserer jetzt nach Erez Jisrael gekommenen Gesinnungsfreunde zeugen von dem deprimierenden Eindruck, den das mangelhafte religiöse Leben in Erez Jisrael auslöst. Besonders schmerzhaft bleibt es für alle von uns, auch dort, neben grandiosen Leistungen auf allen Gebieten, das Galut anzutreffen, vor allem Kaschrut und Schabbat verletzt zu sehen. (Man vergleiche Nr. 37 des Bostenaj über Silvesterfeiern deutsch-jüdischer Einwanderer — Olim darf man wahrlich nicht sagen — in Tel Awiw.) Der Zustrom von Menschen, für die Palästina nur ein Nachtasyl ist, die weder jüdisches Wollen be« sitzen noch so viel menschliche Haltung, um den jüdischen Willen anderer respektvoll anzuerkennen, hat die in manchen Kreisen Tel Awiws entstehende Verbindung von Nalewki und Kurfürstendamm gefördert, wenn nicht gar verursacht Die Gefahr, daß jüdischer Inhalt und herbäische Form verdrängt werden, läßt sich nicht übersehen. Eine wachsende Alija gesetzestreuer Menschen könnte schnelle Besserung bringen, aber nicht die Hauptprobleme lösen, die da sind: Erziehung und Erfassung der jüdischen Jugend Erez Jisraels, vorerst zumindest der Jugend aus religiösem Elternhaus, und Schaffung einer religiösen Anschauungswelt, die traditionelles Lehr- und Lebenssyste'm zu vereinen weiß mit dem Erkenntnisstand der Gegenwart. Was S. R. Hirsch seinerzeit gab, muß heute, unter veränderten wirtschaftlichen und politischen Bedingungen, durch Zuhilfenahme moderner philosophischer und methodischer Erkenntnis neu geschaffen werden. Dieses Werk, das der geeinten Kräfte der gesamten Judenheit bedarf, wird nicht von heute auf morgen erstehen; es ist aber der einzige Weg, der in die Herzen der jüdischen Jugend führen kann. Proteste allerdings sind unnütz. Nur eigene Taten d*es Aufbaus können helfen. Der „Israelit" proklamiert in Nr. 48 seines 74. Jahrganges, daß es der Orthodoxie „eigentlich heute erst recht ganz allein zukäme, die geistige Führung zu übernehmen". Gewiß sollte es so sein; aber wo sind die konstruktiven Taten, die diesen Führungsanspruch legitimieren? Und vor allem: Welche Wege weist der „Israelit" den Juden? Er bringt unter anderem eine Artikelreihe von Herrn Rabbiner Schwab in Ichenhausen, in dem, neben mancher Einsicht in jüdisches Sein und die ihm drohenden Gefahren, als Abschluß der Aufsatzreihe für die Lösung der Grundfragen der nächsten Zukunft „ein großzügiges Instrument", „ein außergewöhnlicher Plan... ein Vorschlag, der eine kaum glaubhafte, erhebende geschichtliche Tat in sich schlösse" zur Verfügung gestellt wird — eine Kenessio Gedaulo in Erez Jisrael! Es ist tatsächlich „kaum glaubhaft", was diese Kenessio, nicht „alltägliche Konferenz", sondern „politische Geschichte", „heiliges Volksgeschehen" alles leisten soll. Dieser ta'pm Dias wird eine volkserzieherishce Wirkung besitzen, der sich sogar der „ehrliche Misrachist" — das ist anscheinend ein Zwillingsbruder des von den Antisemiten zitierten „anständigen Juden" — nicht entziehen kann. Diese Zusammenkunft könnte sogar eine weite Teile des deutschen Judentums umfassende Teschuwabewegung erwecken, und wird, worin ihre besondere Bedeutung besteht, für die englische und arabische Welt „ein wuchtiges, politisches Erleben, das ernstliche und allergründlichste Auseinandersetzung erheischt." — Wir haben keinerlei Recht, die ehrliche, einem „warmen jüdischen Herzen entstammende Ueberzeugung des Autors" anzuzweifeln. Aber auch hier wieder der Fehler eines Teiles der Orthodoxie, die die Welt der politischen Ereignisse und ihrer Erfordernisse unter nicht realen Gesichtspunkten betrachten und meistern zu wollen. Wenn z. B. die Effendis die Einwanderung der Juden bekämpfen, so unterscheiden ise nicht zwischen orthodoxer oder zionistischer Alija, sondern es geht für sie um die Frage: Judeneinwanderung oder nicht. Wie kann man da glauben, daß die Araber der Orthodoxie (sie agudistischer Prägung) eher entgegenkommen wird als dem Zionismus. Haben wir Chewron schon vergessen? Die Wirklichkeit lehrt uns, daß der Antisemitismus im Galut, die Probleme des Aufbaus in Erez Jisrael, Kurz; die Judenfrage für alle

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