Mannheim
Compact Memory

Zion · 1934-01-01 · 1 (1.1934) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
1 (1.1934)
Date
1934-01-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133276-3139367-3139368--0860-3140372
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seife 4 Z I O N Nr. 1 land stammender Lift, als Maskirut, Sekretariat des Kibbuz, hergerichtet. Auch die Pflanzungen sind noch nicht sehr weit fortgeschritten. Pardeß im zweiten Jahr, also noch weitere vier Jahre wird es dauern, bis die ersten Erträge kommen werden. Mehrere große Flächen als Gemüsegarten gebaut, aus deren Ertrag ein Teil des Lebensmittelbedarfes gedeckt wird, zwei große Maschtelot, Baumschulen für Orangen und Grapefruit, wohl an die tausend Hühner, etwa 30 Bienenvölker, die in den Pardeßim reichlich Nahrung und Honig finden, 7 Kühe, ein Pferde- und ein Maultiergespann. Dies der äußere Rahmen. Aber in diesem Rahmen ist mehr als Aussicht auf wirtschaftliche Entwicklung. Sprechen wir von dem Geist, der hier zur Entfaltung kommt. Die Probleme der Arbeit und der Arbeiterschaft des Landes gelten auch hier, die Arbeiterzeitung „Dawar" ist auch in dieser Kwuza die Vermittlerin zwischen Außenwelt und der Siedlung. Der soziale Geist nationaler Arbeit und des Aufbaus des Landes durch sie weht hier wie in jeder anderen Kwuza. Aber über allem schwebt unsichtbar, doch stark fühlbar, der Geist jüdischer Tradition — hier wirkt die jüdische Lehre, hier gilt das jüdische Gesetz auf allen Gebieten des Lebens. Hier löst der Schabbat nicht nur die Arbeitswoche ab und gibt ihr die Weihe des Ruhetages, sondern hier ist er die Krönung einer ganzen Arbeitswoche, die ausgefüllt war mit letzter Hingabe an gesetzliches Judentum. Ob man morgens vor der Arbeit bei anbrechendem Tage gemeinsam im Gebet sich erhebt, ob man in einer kurzen Ruhepause eine neue Arbeit bespricht, ob man am Abend sich zum gemeinsamen Studium der Tora setzt oder sich zu fröhlichem Rundtanz vor dem Chadar Haochel sammelt, stets fühlt man sich in Uebereinstimmung mit den Normen jüdischer Gesetzlichkeit und ordnet sich dem Willen des Gesetzes freiwillig und gerne ein. Hier spürt man den Hauch des echten, wahren Judentums letzter Konsequenz. Das schafft eine eigenartige große Familie, in die man sich auch als außenstehender Gast einiger Tage sofort hineingezogen fühlt. Ein Zuhause, eine Heimat des Geistes, Ruhepunkt, Raststätte, Weihe des Schabbat das ganze Jahr hindurch. Gott gäbe, daß dies nicht nur eine Einzelerscheinung in Erez Jisrael bleibt. Dann wäre das Galut in Wahrheit überwunden. Die jüdische Form des religiösen Sozialismus. Mo sehe Unna. Jeder Weltanschauung entspricht ein ihr gemäßes Verhalten der sich zu ihr Bekennenden. Es gibt Anschauungen, denen ein durchaus passives Verhalten adäquat ist, und es gibt solche, die unglaubhaft werden, wenn sie nicht in einem entsprechenden Verhalten im Leben ihren Ausdruck finden. Die Anschauung des religiösen Sozialismus, die die persönliche Haltung des Einzelnen und sein Verhalten zum Mitmenschen postuliert, ist vielleicht das klassische Beispiel für eine Anschauung, die nicht bestehen kann, wenn nicht zumindest der Versuch gemacht wird, sie zu leben. Wenn wir uns nun die Frage nach dem Wie der Verwirklichung des religiösen Sozialismus vorlegen, so ist die erste Erkenntnis, die wir uns zu eigen machen müssen, die, daß diese Anschauung, die durch ihre beiden Elemente bei oberflächlicher Betrachtung geradezu eine kosmopolitische par excellence zu sein scheint, eben durch das Zusammentreffen dieser beiden Elemente an eine konkrete, festumrissene Menschengruppe geknüpft ist, wohl eine rein persönliche Sache des Einzelnen, in der Entfaltung aber immer Sache der Gemeinschaft. Und seine Verknüpfung mit dem Sozialismus macht diesen zu einer Aufgabe, die nicht irgendwo und irgendwann, sondern hier und jetzt in Angriff genommen werden muß; denn der religiöse Mensch weiß, daß es dem Menschen nie gegeben ist, zu einer absoluten Lösung in seinem Dasein zu gelangen, und daß deshalb das Näherkommen an überall begonnen werden, das Ziel seiner Aufgabe ist .übt najrV majori yhy xb »DDisarr?pirtphmn Und die kann immerund Die schwerste Gefahr, die einer Gemeinschaft von religiösen Sozialisten in der heutigen Welt, die den Versuch macht, ihre Anschauungen zu verwirklichen, begegnet, ist die Gefahr, zur Sekte zu werden. Eine solche Gruppe ist geradezu prädestiniert dazu. Nicht umsonst sehen wir bei vielen Sekten Formen von religiösem Sozialismus als wichtigstes Element ihrer gesellschaftlichen Struktur. Ein solches Abbiegen ins Sektenhafte macht notwendigerweise diesen Versuch zu einer Parodie auf eine echte Verwirklichung des religiösen Sozialismus. Um dieser Gefahr zu entgehen, erscheint uns der einzige für uns gangbare Weg der zu sein, uns in die Kette der jüdischen Tradition einzureihen. Aber indem wir das mit Bewußtsein tun, wird unser Verhältnis zur Tra-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.