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Zion · 1934-01-01 · 1 (1.1934) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
1 (1.1934)
Date
1934-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Z I ON Seite 3 tenheit, daß ein knatterndes Motorrad mit jüdischem Fahrer die Schabbatstimmung rauh durchbricht, — es unterstreicht nur noch die sonst so streng durchgeführte absolute Ruhe, die herrscht, und ist der rauhe Ton verhallt, spürt man den Schabbat um so eindringlicher. Vielleicht wird auch dieser Junge einmal den Lebensstil des jüdischen Landes erfassen und er wird sich dessen schämen, daß er mit roher Hand in den Ruhetag seines Volkes eingegriffen hat. Es gibt hier so viele Baale Teschuwa — das ganze Leben in Erez Jisrael ist doch eine Abkehr vom Leben der Galut. Hier wirken überirdische Kräfte. Vom Studenten und vom Karrenhändler, vom Bachur der Jeschiwa und vom Rechtsanwalt Europas zum Bauarbeiter und zum Eigenhändler ist ein weiter Weg — nicht weiter als der vom Mechallel Schabbat zum Menschen, der das Gesetz eines Volkes als etwas Geheiligtes wahrt. Und so glaube ich auch, daß das Leben des Jischuw stärker sein wird als die Auswüchse, die verhältnismäßig wenigen Auswüchse, die die neue deutsche Kapitalisten- und Touristenalija mit sich gebracht hat. Die Silvesterfeiern werden weniger geworden sein zu Ende des Jahres 1934. Vielleicht werden diejenigen, die sie in diesem Jahre mitmachten, schon im nächtsen Jahre über sie lachen. Und jener Jude, der Schinken in seinem Laden verkauft, weil die neue Alija der Touristen und Kapitalisten einen Bedarf für diesen Artikel geschaffen hat, wird hoffentlich bald seinen Laden schließen müssen, denn die jüdischen Menschen werden nicht bei ihm kaufen. Die jetzt ins Land gekomenen Assimilanten werden sich ja auch in diesem Lande assimilieren, diesmal ans jüdische Wesen, sie hebraisieren sich und werden allmählich aufgesogen in der Atmosphäre des Landes, die das Fremdartige bei Juden nicht will. Noch nie ist so eifrig Hebräisch gelernt worden wie gerade jetzt von den Neueinwanderern aus Westeuropa, und selbst wenn der Erfolg der ersten 6 Monate noch nicht überwältigend groß ist, so wird er in den nächsten 6 Monaten um so größer sein. Wir brauchen nicht mit so kurzen Zeitspannen zu rechnen, auch in anderen Auswanderungsländern akklimatisiert sich der Neukommende nicht im Laufe des ersten Jahres. Und was für die sprachliche Einstellung gilt, ist auch für die geschäftliche anzunehmen, und auch in der kulturellen, seelischen Umstellung — der Jischuw der 200 000 wird auch die neuen 20 000 verarbeiten können. Kommt noch dazu, daß von diesen Neuen der weitaus größere Teil aus Chaluzim und anderen Zionisten besteht, die sich selber ohne Schwierigkeiten in das geistige und ökonomische Leben des Landes einfügen, halb hebraisiert oder ganz hebraisiert ankommen und auch sonst wissen, was das Land ihnen gilt und was es von ihnen fördern kann. Bleiben also einige tausend Menschen, die schwer „einzuordnen" sind, ein Teil wird dem Lande einen großen Dienst erweisen, wenn er, da er sich ja ohnehin nicht wohlfühlt und. auch nicht wohlfühlen kann, das Land wieder verläßt, und der andere Teil wird vom Lande erzogen werden (es wird sie „weise machen"), und die wahren Palästinenser werden ihnen helfen — Bne Jisrael — Amcha! * Langsam und kaum merklich verläuft die Stadt in den Bezirk der Orangengärten und vorbei an dem künftigen Fabrikzentrum, Ramat-Gan, vorüber an dem in Pardeßim versteckten Bne-Brak, geht die Fahrt nach Petach Tikwa, der alten Kolonie. Ein Orangenzentrum, wachsend nach allen Seiten, neuer Pardeß fügt sich an alten, fast körperlich fühlt man, wie diese Siedlung ihre Finger ausstreckt nach immer weiteren Flächen zum Anbau. Mitten im Ort ein schmuckes, kleines Restaurant, die Küche des Kibbuz Rodges, in dem den Angehörigen des Kibbuz für billiges Geld ein ausgezeichnetes Essen verabfolgt wird. Es ist eine der bestbesuchten Gaststätten des Ortes, denn mit seiner peinlichen Sauberkeit und gesundheitlich zuträglichen Verpflegung hat es sich schnell Ansehen und Achtung, besonders in der Arbeiterbevölkerung Petach Tikwas, erworben. Es sind durchaus nicht nur Angehörige der Misrachi-Arbeiterschaft, die hier verkehren, Arbeiter aller Richtungen finden sich zusammen, wie das übrigens auch bei allen anderen Küchen des Poel Hamisrachi im Lande der Fall ist. Die Chawerot, die in dieser Küche arbeiten, befinden sich für ihren Kibbuz auf Awodat-Chuz, Außenarbeiten; der Ertrag des Unternehmens fließt der Gemeinschaftskasse des Kibbuz zu. Ganz am Ende von Petach Tikwa befinden sich die Salvendi-Böden, auf denen der Kibbuz Rodges siedelt. An die hundert Jungen und Mädels aus der Hachschara des Brit Chaluzim Datiim bauen hier an ihrer Zukunft. Noch ist alles sehr primitiv, ganz im Anfangsstadium der Siedlung. Zwei Holzbaracken, eine für die ersten Familien des Kibbuz und für etwaige Kranke, die andere enthält die Küche und den Speiseraum, dieser wird auch als Aufenthaltsraum in der Freizeit und als Bet Haknesset benutzt. Eine Wellblechbaracke für Tischlerei und Schlosserei, 20 Zelte zum Schlafen, drei Holzbaracken als Hühnerställe, und das erste steingebaute Haus — der Kuhstall. Und, beinahe hätte ich es vergessen, das Zeichen der Zeit — ein aus Deutsch.-

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