Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 11-12 (12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 105 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11-12 Z I O N Seite 105 um halachische Gutachten von verschiedenen Seiten, und zwar im Lande der verbreiteten Thorakenntnis, Galizien, angegangen wurde. Hierfür zeugt sein Responsenwerk *n«*en^w. Aber dadurch allein war er nicht zu einer zentralen Figur des zeitgenössischen Judentums geworden. An halachischen Autoritäten, ist das Judentum auch in unserer Zeit, G. s. D. nicht arm. Dies zeigen uns die zahlreichen umfang- und inhaltsreichen Responsen- und Chidduschim- Werke vieler Rabbiner Ungarns, Polens, Litauens, Rumäniens und letztens sogar der überseeischen Länder, die jährlich auf dem Büchermarkt erscheinen. Auch nicht die Tatsache, daß er Leiter einer Jeschiwa, einer der größten und bedeutendsten der Jetztzeit gewesen war, verschaffte ihm jenen Glanz und jene Berühmtheit in fast der ganzen Diaspora, der er sich erfreute. Gibt es doch auch heute noch n-a eine stattliche Zahl von Thoralehranstalten mit hervorragenden 'vtr* mvc» in den verschiedensten Ländern Was den Lubliner Raw über viele seiner Zunftgenossen erhoben hat, was ihn zur allbekannten und überall geschätzten Persönlichkeit machte, war sein gewinnendes Wesen, seine wunderbaren, menschlichen Eigenschaften, seine Güte, seine Vornehmheit, sein nicht zu bändigender Drang nach schöpferischem Tun für minn pim. Am allermeisten jedoch, seine Energie und Opferbereitschaft im Dienste der Verwirklichung eines großen Ideals, das ihn von Jugend auf beseelte: der Gründung einer Thorastätte .mit allen modernen Einrichtungen, die zur Hebung der mim naa dienen soll, deren Mauern eine Auslese von besonders .befähigten, fleißigen und frommen Jüngern beherbergen sollen, die in ihr eine Alma mater erblicken. Jüdische Thorajünger sollen nicht ihr Nachtasyl in Geschäftsläden, deren Nachtwächter sie sein sollten, finden müssen, aus ^enen sie dann erschöpft und bedrückt für die Tageszeit in die Lehrhallen zurückkehren. Der Talmudjünger soll auch sein menschenwürdiges Studentenheim haben. Unbekümmert um die Kritik und das Bespötteln seiner Pläne von vielen Seiten, ging er, der gottbegnadeter Volksredner, mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit an die Arbeit für die Aufbringung der gewaltigen Summen, die zur Errichtung des geplanten, großen Gebäudes nötig waren. Er scheute keine Strapazen, ging selbst nach Amerika. Der damalige Petrikower Raw hatte Glück. Er begann seine Aktion zu einer Zeit, wo Amerika noch im Taumel der Prosperity-Periode sich befand. Wäre er auch nur ein paar Jahre später an die Verwirklichung seines grandiosen. Projektes herangetreten, er wäre ein Träumer geblieben, sein Werk ein Torso. Dem Himmel sei Dank, daß der große Mann noch zur rechten Zeit seine Aktion durchführen konnte. Doch der Raw verlangte noch viel größere Mittel. Und nur mit dem Einsatz seiner letzten Energie, mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit, gelang es ihm, das Werk zu vollenden und vor drei Jahren das Einweihungsfest der 'aan res» V1™1? , das zum Fest der gesamten polnischen Judenheit geworden war, zu feiern. Inzwischen zum Lubliner Raw gewählt, wurde er auch das väterliche Oberhaupt seiner von ihm gegründeten Jeschiwa, in der nahezu 200 der besten Talmudjünger ihre Ausbildung finden. Auch hier bildeten der Mann und sein Wek eine unsterbliche Einheit, ein Symbol, ein Programm. Mit der zunehmenden allgemeinen wirtschaftlichen Not wuchsen aber auch die Sorgen und die Lasten der na*»» und ihres Leiters, der zusehends vor der Zeit alterte. Und mitten im heroischen Kampf um Erhaltung und Fortführung seines Werkes, umgeben von einer Schar von Jüngern, die in ihm noch mehr als den Meister, den praktischen Menschen, den gütigen Vater, den ethischen Juden liebten und ehrten, packte ihn eine tückische Krankheit, und in kaum drei Tagen ward der großgewachsene, festgebaute Körper besiegt, der Meister seinem Wirken für ewig entrissen. Ein großer Geist, eine schöne Seele, ein bewährter Thoragelehrter ist uns genommen, und die Trauer in allen Kreisen ist groß. Das Andenken des Lubliner Raw wahren, heißt, sein Lebenswerk fördern, sein Beispiel nachzuahmen suchen. III. Einen großen kaum ersetzbaren Verlust bedeutet das plötzliche Hinscheiden des bekannten Gaon, Rabbi Mosche Mordochaj Epstein, des Leiters der weltberühmten Jeschiwa von Slabodka, die vor wenigen Jahren noch eine Tochteranstalt im heiligen Lande gründete, deren Schicksal leider mit Blut in der Geschichte des neuen Jischuw geschrieben wurde. Es ist dies die Jeschiwa von Chebron. Dieser weltbekannte Thoragelehrte verkörperte die altjüdische mim nana und war der representativste Typus des für die Erhaltung der Thora-Anstalten sich aufopfernden Leiters. Sein ganzes Sinnen und Trachten war dem Aufbau und der Fortexistenz der berühmten Jeschiwa, die ihm anvertraut war, gewidmet. Kein Weg war ihm zu weit und keine Mühe zu groß, wenn es galt, dadurch die Mittel zu erreichen, die zur Sicherung des Jeschiwabetriebes nötig waren.