Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 11-12 (12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 102 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 102 Z I ON Nr. 1142 Palästina-Tagebuch. Chanukkah in Tel-Awiw. — Von den Türmen der Stadt leuchten die Menora-Licliter in die Nacht. Die Kinder aller Schulen ziehen mit Lichtern hin, das Makkabi-Fest zu feiern, eine feierliche Prozession. Eine Prozession — in diesem Jahre verboten. Ersatz: Feiern in Schulen, die den Kindern nicht geben konnten, was sonst der eindrucksvolle Chahukkah-Abend ihnen vermittelt. Ersatz-Feiern, wie man sie in der Gallith abhält, wo es ein auf sich gestelltes jüdisches Leben nicht geben kann. Und wäre diese Lichter-Wallfahrt nur verboten gewesen, weil die arabischen Demonstrationen so verhängnisvolle Folgen gehabt hatten und man deshalb die Straßen nicht freigeben wollte — auch das wäre schmerzhaft gewesen. Aber weitaus schmerzhafter, daß man Befürchtungen hegte wegen der Streitigkeiten der jüdischen Parteien untereinander ,die seit dem siebenten Pessach- Abend mehrmals die Straße zum Kampfplatz gewählt haben. Während in der Galuth die Basis unseres jüdischen Seins wankt, während hier die neue Alija und die Entwicklung des Landes uns immer wieder vor neue Probleme stellen, die nur in heroischer Arbeit gelöst werden können, läßt der Kampf zwischen Revisionisten und Histadruth eine gemeinsame Arbeit im Lande nicht zu, wird das gemeinsame Ziel vergessen, Energien vergeudet. Dabei rücken die Gefahren näher. Nach langer Pause beginnen die arabischen Vorstöße gegen die Einwanderung wieder schärfere Formen anzunehmen. Ueber die, diesmal von der Polizei in Schach gehaltenen Demonstrationen, hat die Weltpresse berichtet. Die Führer, die sich diesmal im Gegensatz zu früherer Uebung unter den Demonstranten befanden, sind z. T. mit vor Gericht gestellt, mitveruteilt worden. Aber es wiederholt sich das gleiche, was auch früher schmerzhaft festgestellt werden mußte. Wie im Jahre 1929 nach der Verurteilung der Gewalttäter die Einwanderung gestoppt wurde, das Weißbuch und die Schaw- und French-Berichte schwere Beschränkungen der jüdischen Aufbautätigkeit forderten und teilweise erreichten, so wurden im Anschluß an die neuerlichen Demonstrationen wieder Maßnahmen zur Einschränkung der Einwanderung getroffen. Und dies, trotzdem die Entwicklung des Landes Weißbuch und offizielle Berichte in eklatanter Weise Lügen gestraft hat. Es ist mit den Händen zu greifen, in welcher Weise die jüdische Tätigkeit den Wohlstand des Landes gefördert hat, dessen Aufblühen überall dort Halt macht, wo noch nicht jüdische Einwanderer Unternehmungsgeist, rationelle Arbeit, neue Ideen hintragen konnten. Wie oft ist auf den Gegensatz Erez Jisraels gegenüber Transjordanien hingewiesen worden, wo Hungersnot herrscht, zu den nicht von uns besiedelten palästinensischen Gebieten, wo Effendis die Arbeitenden ausbeuten können, ohne daß die öffentliche Meinung ihnen in den Arm fällt. Und dennoch, und trotz der Lehren, die man aus dem Angebot der transjordanischen Böden an die Juden (im vorigen Jahre) hätte ziehen müssen — auch diesmal der Weisheit letzter Schluß: zwar die Demonstranten bestrafen, aber nachher den Schlag gegen jüdische Einwanderung führen. Allerdings diesmal nicht nur gegen die jüdische. Es war bekannt, wie Scharen von Arabern über die praktisch nicht zu bewachende Grenze des Jordan hinüberströmen, um hier in dem angeblich bis zu den Grenzen der jeweiligen Kapazität besiedelten Land, Arbeit zu finden. — Auch ein starkes Indiz gegen die Thesen der Shaw- und French-Berichte. Aber bisher war hiergegen nie etwas Ernstes unternommen worden. Zumal eine eigenartige Verordnung zwar uns den Uebertritt nach Transjordanien verwehrt, aber nicht den Transjordaniern den ins Gebiet von Erez Jisrael. Aber auch diese sich hier zu billigen Löhnen anbietenden Zuwanderer werden noch weit unterboten durch die von weiterher durch Transjordanien hier Zuflucht und Arbeit suchenden Araber. „Ana mush CharanÜ"(„Ich bin nicht aus Charan") hört man, wenn einer den üblichen Lohn für Araber fordert und nicht für noch geringeren arbeiten will! Jetzt haben die Razzien auf illegal im Land befindliche Einwanderer sich auch auf Araber erstreckt, und auch die werden nach Südwest und Nordost abgeschoben. Welche Folgen eine Einschränkung der Alija haben muß, ist leicht vorstellbar. Die Bemühungen, die Einwanderung nicht weiter zu hemmen, werden hier und in London fortgesetzt und bilden den Gegenstand der Verhandlungen, die gemeinsam mit der Exekutive auch Weizmann führt. Die Gründe, die nicht in erster Linie aus der Lage des Galuth-Judentums, sondern vor allem aus der Entwicklung des Landes selbst erwachsen, werden hoffentlich ihren Eindruck nicht verfehlen. Inzwischen hat sich neben den negativen Folgeerscheinungen der abflauenden Einwanderung auch wenigstens eine positive gezeigt: die stürmische, selbst unter früheren Bedingungen unsinnige Steigerung der Bodenpreise und somit auch die Mieten hat nicht nur aufgehört, sondern diese sind bereits merklich, wenn auch noch nicht ausreichend, gesunken. Wenn weiter jetzt Notstandswohnungen aus den Mitteln der auswärts