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Zion · 1933-12-01 · 11-12 (12.1933) · p. Seite 101

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
11-12 (12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 101 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 11*12 ZION Seite 101 wußte abgedrängt worden waren, frei werden und zuerst als Spannungsprobleme, dann immer klarer und deutlicher, die Bewußtseinsschwelle überschreiten. Die Quellgeschichte taucht auf, fordert gebieterisch neues Interesse, der Ursprung wird uns durch sie wieder bewußt und klar. Der Sinai und sein Geistesfeuer will nicht nur Spitze sein, sondern, was er auch immer war, ein festgefügter Berg, so daß auch seine Grundfesten die Basis, auf der er ruht, erkennbar werden muß. Diese Basis ist der rote Faden unserer Stammesgeschichte bis zurück zu den Ahnenfamilien und zu dem Urahnen selbst. Abraham, dem Fürsten aus einer chaldäischen Welt, der uns entscheidend die Wanderung aus gesicherter Lebenslage in das Dunkel der Unsicherheit vorgemacht hat, gewinnt aus diesem Schicksalsgehorsam neue, wesenhaft andere Werte für Lebensauffassung und Lebensgestaltung. Der Schicksalsruf, der ihn getroffen hat, ist ein Vorbild, das auch für uns wieder wirksam wird: „Geh weg von Deinem Lande, von Deinem Geburtsort und von Deinem Vaterhaus!" Das heißt mit anderen Worten: Löse Dich von der Verflechtung mit Deiner Umwelt, von den persönlichen Erfahrungen Deines Geburtsortes, ja sogar von denen Deines Vaterhauses. Das ist heute der religiöse Ruf, der Ruf des Schicksals, der Ruf Gottes an uns. Dem Dreiklang dieses Schicksalsrufes an Abraham, der soviel Aufgeben gewohnter Erfahrungen, Verbindungen, Anschauungen forderte, entsprach aber auch ein Dreiklang von Verheißungen, die aus dem unbedingten Gehorsam des Ahnen heraus später zu ihrer vollen Erfüllung gelangten. Heute ein zwingendes Vorbild auch für uns, die wir so vieles, was ans Herz gewachsen ist, aufzugeben' haben. Dem Ahnen ist verheißen Volksgröße, Segen, das ist fruchtbares Gedeihen, Größe des Namens. Auf uns übertragen heißt das: erneute Volkseinheit, eine gesegnete Zukunft und ein Vorbild für,die Welt. Die Erfüllung der Verheißung erfordert, wie von Abraham, so auch von uns unbedingten Gehorsam gegenüber dem Schicksalsruf Gottes in unserer Zeit. Alles in der Welt hat seine Zeit und seinen Raum. Jeder Zeit der Ausdehnung, der Ausbreitung, der Extraversion, der Expansion folgt eine Zeit der Zusammenziehung, der Vertiefung, der Introversion, der Einkehr in sich zum wurzelhaften Kern hin, eine Zeit der Konzentrierung der Kräfte nach innen. Aus dem geistigen Erbe der Generationen erfolgte kraftvoll die Ausdehnung in die Umwelt, aus deren Uebermaß ergab sich eine Erschöpfung, die sich nur im Zurückziehen auf sich selbst durch eine Neuschöpfung aus den Quellwurzeln erholen will und muß. So wird Verbreitung von Vertiefung abgelöst. Alles muß sich einmal wieder auf das Zentrum und auf den Ausgangspunkt zurückbeziehen, was in der jüdischen Geisteshaltung ein und dasselbe ist. Wie Abraham vom Rufe Gottes aus seinen Weg beginnt, so findet die jüdische Religiosität Anfang und Ende des Lebens und all seinen Sinn in Gott. Liegt das Zentrum unserer Geschichte am Sinai, so liegt sein Unterbau in der schicksalshaften Erfahrung der Ahnen. Für uns heute, die wir zu den Quellen zurück müssen, gilt der umgekehrte Weg: Unter Beibehaltung der Sinaierbmasse und ihren Forderungen und Auswirkungen müssen wir auch noch zu dem Anfang, zu Abraham, zurück. So ist der Sinn des Rückströmens in das Heilige Land der, daß wir wieder als Menschen jüdischer Religiosität im Denken und im Leben aus der bisherigen Verknüpfung mit der Umwelt und damit aus der intellektuellen Schicht zurückfinden in die Ursprünglichkeit, daß wir wieder erdnah werden und erdverbunden, ohne das Licht am Sinai zu verlieren. Das heißt nichts anderes, als wieder Bauern werden, Scholle gewinnen, aber auch das Leben in der Natur gehalten sein lassen von den Richtlinien der Thora. Alles Bisherige mitnehmen und vereinfacht zwar, aber sinngemäß in den Ursprung zurückleiten und mit ihm wieder verbinden! Der Stoß aus der Umwelt wird dann zum Segen für uns, wenn wir ihn richtig verstehen. Er war gerichtet gegen die in uns mauergewordenen Anreicherungen und zielte auf unseren äußeren Bestand. Wir verstehen ihn aber als den Anstoß zu unserer Wandlung, die die Vertiefung und Verstärkung unseres inneren Bestandes bringen muß, wenn wir wie Abraham dem Rufe des Schicksals, der darin liegt, uns öffnen und ihm geöffnet bleiben. Die Wandlung beginnt außerhalb und an der geistigen Peripherie und läutert uns zum Kerne hin, den sie gleichzeitig zum Aufflammen bringt, als Abfall bleibt die Schlacke, das Erz aber wächst frei dem Kern zu und kräftigt ihn. Der aber weist nach der alten Heimat zurück, gleichgültig, ob wir schon selbst oder unsere Kinder die Tat vollbringen. So müssen wir schicksalshaft zur Quelle zurück und finden dadurch wieder heim. Wandlung zur Heimkehr! „Elijah u".

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