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Zion · 1933-12-01 · 11-12 (12.1933) · p. Seite 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
11-12 (12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 100 (sequence 10)
Language
German
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Seite 100 Z I Ö N Nr. 11-12 geistige Beeinflussung, die sich aus^ einer engen Verbindung mit dem Lande ergibt, wird unsere Arbeit in erhöhtem Maße befruchten. Wir versprechen uns auch durch sie eine Steigerung des Leistungsgefühls, die ihrerseits imstande wäre, die oben geschilderten Minderwertigkeitsempfindungen in der bündischen Arbeit zu kompensieren. Das Gefühl der eigenen, wenn auch noch so schwachen Leistung, kann einen Damm bilden gegen die ungeheure Wirkung des Ohnmachtsgefühls. Die Jugend-Alija kann also, wenn man es recht betrachtet; für die Fortsetzung unserer bündischen Arbeit und für die Erziehung eines gesunden Nachwuchses religiös-chaluzischer Jugend in jeder Hinsicht ein Impuls für unsere gesamte Arbeit bedeuten. Nachbemerkung der Redaktion. In den nächsten Wochen wird eine zweite größere Jugendgruppe im Alter von 15—17 Jahren aus allen Teilen Deutschlands gebildet werden, die entweder im Frühjahr oder im Frühherbst hinübergehen wird. Sie wird dieselbe Ausbildung wie die erste Gruppe erfahren und mit dieser zusammen den religiösen Jugendkibbuz in Verbindung mit dem Kibbuz Rodges in Petach-Tikwa bilden. Verlangt wird von den Eltern ein monatlicher Zuschuß von 3—4 Pfund, der nur in Ausnahmefällen ermäßigt werden kann. Angehörige bündischer Jugend werden bevorzugt, doch werden auch Anmeldungen geeigneter nichtbündischer Jugendlicher berücksichtigt. Näheres über die religiöse Jugendaliia. ist Berlin N54, Rosenthaler Str. 55, bzw. bei der Jüdischen Jugendhilfe, Berlin - Charlottenburg, Bleibtreustr. 50, zu erfahren. Wandlung und Heimkehr. Der Mensch ist ein Produkt seiner Vorwelt und seiner Umwelt. Im großen und ganzen gesehen. Im einzelnen sind es eine Unmenge von Faktoren, die auf ihn einwirken, ihn bestimmen. Die Erberfahrung ist das Ergebnis aus der Vorwelt, die persönlichen Erfahrungen aus dem Elternhaus einschließlich der noch etwa lebenden Großeltern, aus dem Milieu, dem Lebensraum des Ortes, der Landschaft, aus Begegnungen mit anderen Gleich- oder Andersgearteten, kurz tausend mehr oder minder starke Imponderabilien der Umwelt bestimmen ihn mit. Das gilt für alle Menschen. Der jüdische Mensch aber hat außerdem noch ein geistiges Erbgut, das durch eine lange Kette von Generationen auf ihn gekommen ist, eine besondere Art von religiöser Weltanschauung und Lebensbetätigung, die jeden überhaupt möglichen Lebensbereich erfaßt und umfaßt und deren Richtlinien in der Thora, dem Gesetze Gottes, niedergelegt sind. Dieses Erbgut ist, genauer genommen, das Ergebnis der ursprünglich von den Erzvätern in Verbindung mit den Mütterähnen gemachten Erfahrungen in deren schicksalshaften Begegnungen mit der übermenschlichen Macht Gottes; Erfahrungen, die sich dann über das ganze Volk erweiterten, als es die Stammesenge zur Volksgröße überschritt. So trägt der Jude in der Zerstreuung zwei Kulturen in sicn, die ihm besonders eigene und die seiner Umwelt, die er aus dem Leben in ihr aufgenommen hat. Wenn wir hier nun von Wandlung sprechen wollen, so kann für den jüdischen Menschen damit nur gemeint sein der Durchbruch durch die festgefahrenen, gleichsam Mauer gewordenen Anreicherungen, die dem Juden aus den Umweltserfahrungen mit anderen Kulturen zugekommen sind, Mauern, die aus der Erkenntnis, daß sie nur aus relativen Werten aufgebaut sind, jetzt zu wanken beginnen, so daß uns dadurch die Absolutheit, die ewige Bindung an die göttlichen Bestimmungen, die der Vorfahrenwelt am Sinai auferlegt worden war, wieder zu Bewußtsein gebracht wird. Denn mit der RelativTerung dieser aus der Berührung mit anderen Welten und Anschauungen entstandenen Anreicherungen beginnen diese, das ist das Zeichen jeder Relativierung, in eine kreisende Bewegung zu geraten und üben dadurch eine Steigerung der Dynamik des menschlichen Geistes aus, bis die Quellen seines kernhaften Wesens mit neuer Kraft zu fließen beginnen. Oder anders gesagt: Die Spannung zwischen dem Absoluten der göttlichen Aufgabe, die der jüdische Mensch zu tragen hat und dem Relativen der Umweltskultur, die nicht wie die jüdische, alle Bezirke des Lebens von ein und demselben Quell „Gott" aus speist, ruft eine naturnotwendige und zwangsläufige Aufschmelzung von Geistesgütern hervor, die zu einer „gerichteten" Aufbereitung führen muß. Gerichtet in dem Sinne als jüdische Anschauung alles auf Gott bezieht, von dem sie ebenso alles herleitet, und als demgemäß die Kräfte nicht so geeigneter Kulturgüter dem eingeordnet werden müssen. Diese Aufbereitung führt dazu, daß die archaischen Erfahrungen, die Urerfahrungen der Ahnen, aus deren Begegnungen mit dem Göttlichen, die durch mannigfache Ueberlagerungen anderer Kulturgüter verschüttet und ins Unbe-

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