Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 11-12 (12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 97 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11-12 Z I O N Seite 97 speziell der an seinem Aufbau mitbeteiligten und an ihm teilhabenden gesetzestreuen Juden sollte sein, daß sie sich nicht als Fortführung des allein echt-jüdischen Alten Jischuw fühlten und es wagten, aus ihren eigenen Erkenntnissen, aus den heute vom Noar Agudati proklamierten „Triebkräften", einen neuen Start zur Gestaltung eines jüdischen religiösen Lebens zu versuchen. Jahrzehntelang hat man dem Misrachi die Sünde seines Schulwerks, die Uebertretung des bekannten Cherem, vorgeworfen und demgegenüber eine einseitige Verherrlichung der alten Jeschiwa betrieben. Diese Identifizierung mit dem Alten Jischuw war leicht und angenehm, denn sie war — unverbindlich: es hatte keinerlei praktische Konsequenzen, wenn man sich im behaglichen Frankfurter Heim mit den wahren und echten Juden der Jerusalemer Altstadt identifizierte; man konnte sich selber im religiösen Glanz der anderen sonnen, die das wahre Judentum gewissermaßen auch für ihre Gesinnungsgenossen mitverwirklichten, man war somit der Verpflichtung enthoben, selber um die Verwirklichung der jüdischen Aufgaben zu ringen, und durfte sogar im überlegenen Gefühl des Besitzes der religiösen Wahrheit auf die Poschim herabblicken, die sich plagten, weil sie sich des rechten Weges nicht bewußt waren. Nun aber kommt die große Probe aufs Exempel: eine große Umwälzung hebt zwangsmäßig die räumliche Distanz zwischen Frankfurt und Erez Jisrael auf, die orthodoxe Jugend erkennt Erez Jisrael als „Boden jüdischen Lebens" (nicht nur als Gegenstand unverbindlicher jüdischer Ideologie und Phraseologie) an, und die oben gekennzeichneten agudistischen Führer selbst landen in Erez Jisrael und haben nun den , in direkten Kontakt mit dem Alten Jischuw zu kommen und damit die Gelegenheit, ihren Worten die Tat nachfolgen zu lassen — in diesem Augenblick, wo es gilt, die Konsequenzen für die eigene Person' zu ziehen, wird sie nicht in der Form gezogen, die allein den bisherigen „74 Jahrgängen des Israelit" (mit denen in einem Atemzug genannt zu werden Mosche Rabbenu und R. Bechai die Ehre haben) adäquat wäre: die Herren scheinen biltzartig zu entdecken, daß die Thora ihre Verwirklichung schlechthin noch nicht — auch nicht im Alten Jischuw — gefunden hat, daß keine Möglichkeit besteht, sich mit der einfachen Hinnahme irgendeiner jüdischen Gegebenheit zufrieden zu geben, sondern daß um „neue technische Mittel" für die jüdische Gemeinschaftsorganisation, ja sogar um „neue Formulierungen alt-jüdischer Gedanken" gerungen werden muß; sie stellen sich nicht auf die alte Jeschiwa ein, sondern erstreben einen neuen Schultypus, der „weder Jeschiwa noch höhere Schule" ist, ja sogar — horribile dicfu — „eine Art Universität"; sie schließen sich nicht dem Alten Jischuw an, sondern proklamieren den Dritten Jischuw! Damit ist der Kampf der Aguda gegen den religiösen Zionismus ( bei tieferem Nachdenken sogar gegen den Zionismus schlechthin) als Unehrlichkeit entlarvt. Gewiß dürfte keinem Menschen verwehrt sein, auch spät umzulernen; schändlich ist es aber, wenn die „Tschuwa" und die entschlossene Uebernahme gegnerischen Gedankengutes und Mitbenutzung gegnerischer Leistungen als Fortführung der eigenen Tradition dargestellt und von fortgesetzten Angriffen gegen den Gegner begleitet wird. Gegenüber dem neuen Noar Agudati darf die religiös - zionistische Jugendbewegung wohl den Satz anwenden: s u-mssM cmc er« iro'O c'-vm - Da wir keine Sittenrichter sind, hätten wir keine Veranlassung, auf diese Dinge einzugehen, wenn die Unvollständigkeit und Unaufrichtigkeit der agudistischen „Tschuwa" sich nicht auch praktisch dahin auswirken müßte, daß der verhängnisvolle historische Irrtum der Orthodoxie, der Separatismus, auf den neuen Weg mitübernommen wird und ihn ebenso illusorisch wie den alten zu machen drohte. Der mit „Triebkräfte" überschriebene Teil der programmatischen Ausführungen des Noar Agudati enthält Erkenntnisse, die vom Standpunkt der Aguda aus revolutionär zu nennen sind. Symptomatisch ist schon die rein äußerliche und an sich belanglose Benennung „Noar Agudati" statt des zu erwartenden „Nauar Agudosi". Entscheidend ist aber der Ruf von „Richtung zum jüdischen Volk", die Verurteilung der Behandlung anderer Juden als andere Konfession, die Erkenntnis, „das wir, der eine Teil des Organismus, mitleiden müssen für die Entstellung und Entartung des anderen" — die ideologische Grundlage des Misrachi und der religiöszionistischen chaluzischen Jugend! Daß damit das Todesurteil über die wirkliche „Seele der Aguda" und „Wurzel agudistischer Tätigkeit", den Separatismus, ausgesprochen ist, scheint der Kommentator des „Israelit" sehr wohl zu spüren, da er sich in etwas gewundenen und verlegenen Ausführungen den (ganz berechtigten) Eindruck zu verwischen bemüht, als handle es sich „auch der Tradition unserer großen geistigen Führer (wohl der 74 Jahrgänge des Israelit?!) gegenüber um etwas inhaltlich Neues". Und es scheint leider, daß der Einfluß der „Alten" vorläufig noch imstande ist, den schönen zionistischen Elan der „Jungen" zu brechen, denn das neue anti-separatistische Programm klingt aus im Wunschbild des „Dritten Jischuw, der zunächst