Mannheim
Compact Memory

Zion · 1933-12-01 · 11-12 (12.1933) · p. Seite 96

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
11-12 (12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 96 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133276-3139359-3139366--0838-3140350
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 96 ZION Nr. 11*12 liehe Heilighaltung des Schabbaths und der Feste in ihrer kultischen Form in den Mittelpunkt ihrer Verkündungen gestellt (so Jes. Kap. 58, 13 u. a. a. O.). — Prinz zieht aus, um das Wahngebilde der jüdischen Reformbestrebungen zu zerreißen — und sieht nicht, wie er selber den verderblichen Geist der Negation, der Leugnung des Traditionsgedankens im Volkstum heraufbeschwört. Ist dies das Rezept, nach dem er, der Jugendführer, jüdische Jugend drüben erziehen will, dann ist er ein falscher Prophet. Ist nicht reiner Nationalismus im tiefsten Grunde bloß mythischer Blutglaube? Führt nicht dieser Glaube, diese Anbetung des rein Nationalen wieder zurück zu dem alten, tragischen Irrtum der Assimilation an die Ideologie anderer Völker? Das Buch von Prinz ist, soweit es als Kampfschrift die Schäden der Vergangenheit aufdeckt, in seiner Pathetik hinreißend und überzeugend. Der dritte Teil jedoch, weniger temperamentvoll, doch zu praktischen Vorschlägen sich verdichtend, ist in seiner Subjektivität anfechtbar, für die Erziehungsaufgabe in Erez Jisrael (und erst in der Galuth!) als gefährlich entschieden abzulehnen. Palästinawerk und Separatismus. Von Jeschaia Leibowitz. Aus dem Kreise der Agudas Jisroel-Jugend ergeht ein Appel an „das gewaltige Gefühl der Reue". Es handelt sich um den Versuch, eine agudistische Chaluzbewegung in Deutschland ins Leben zu rufen, die sich Vortrupp eines „Dritten Jischüw" fühlt, von dem der Kommentar des „Israelit" sagt, daß er „alt in seinen ideellen Grundlagen und neu in seinen technischen Mitteln' (wozu auch die „neuen Formulierungen alt-jüdischer Gedanken" gerechnet werden) sein soll. Der Teil der religiösen Jugend, der vor dem Noar Agudati die zionistische Erkenntnis aufgenommen hat, daß „Erez Jisrael mehr und mehr der Boden des jüdischen Lebens" werden wird, daß „die Triebkräfte unserer jüdisch-politischen Aktivität aus dem Golusgefühl" gespeist werden sollten und daß „der Bezirk des öffentlichen Lebens, der unserer Gestaltung (sc. Gestaltung durch die Thora) bisher verschlossen war, heute in Erez Jisrael wieder geöffnet ist", — die religiöse Jugend, die sich dem Zionismus angeschlossen hat und wegen dieser Erkenntnisse und deren praktischen Konsequenzen, die heute als „Wurzeln agudistischer Tätigkeit", ja gar als „Seele der Aguda" proklamiert werden, jahrelang von eben dieser Aguda der Apikorsus beschuldigt wurde, sieht sich genötigt, die unerwartet (oder doch nicht so ganz unerwartet) auftretenden Mitkämpfer auf diesem Gebiet schärfer unter die Lups zu nehmen. Es handelt sich nicht um partei- . politische Eifersüchteleien, denn diese Richtung des religiösen Judentums hat bis heute den ihr adäquaten parteipolitischen Anschluß noch nicht gewonnen, auch wenn die Mehrzahl ihrer Anhänger im Misrachi bzw. im Hapoel Hamisrachi organisiert ist; diese Jugend ist schlechthin zionistisch, ohne für die Interessen irgendeiner der zurzeit in der zionistischen Organisation zusammengefaßten P.irt'.'ieti eintreten zu können oder zu wollen. Es handelt sich vielmehr um' eine Klärung der Begriffe, die sowohl für uns selber als auch für unsere bisherigen Gegner eine unerbittliche Erziehungsaufgabe sein muß. Nicht aus¬ Schadenfreude und nicht aus Prioritätsanspruch oder Autoreneitelkeit muß daher nachdrücklichst festgestellt werden, daß die vom Noar Agudati jetzt feierlich proklamierten und zu Grundlagen der großen „Tschuwa" gemachten Erkenntnisse altes Gemeingut thoratreuer Zionisten und seit Jahren in Programmen und Aufsätzen religiöszionistischer Jugendbünde und Chaluzorganisationen ausgesprochen worden sind und deren Arbeit zugrunde gelegen haben. Es muß in diesem Zusammenhang auf Aufsätze in dieser Zeitschrift und auf Veröffentlichungen des Brith Chaluzim Dathiim hingewiesen werden, aus denen die Verfasser des programmatischen Aufrufs des Noar Agudati die wesentlichen Gedankengänge zu übernehmen und sogar die entscheidenden Formulierungen abzuschreiben nicht verschmäht" haben. Es wirft ein merkwürdiges Licht auf die Tiefe des nun proklamierten „gewaltigen Gefühls der Reue", wenn die Initiatoren der neuen Richtung in der Aguda sich nicht verpflichtet fühlen, auch nur mit einem Worte anzuerkennen, daß sie sich jetzt das Gedankengut ihrer aufs schärfste bekämpften Gegner zu eigen machen. Jahrzehntelang, hat die Aguda das zionistische Werk in Erez Jisrael, den Neuen Jischuw, mit dem Hinweis auf den Alten Jischuw zu diskreditieren versucht. Jahrzehntelang haben die mit Willen und Bewußtsein an der europäischen Kultur teilhabenden Wortführer der Aguda wider besseres Wissen so getan, als ob sie sich mit dem Alten Jischuw identifizierten. Diese jüdische Gemeinschaft wurde zum Paradigma einer jüdischen Gemeinschaft schlechthin erhoben, und jüdischen Jugendlichen wurde als ideales, wenn auch für uns leider nur unvollständig erreichbares Ziel hingestellt, sich diesem jüdischen Typus anzugleichen, Die große Sünde des Neuen Jischuw,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.