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Zion · 1933-12-01 · 11-12 (12.1933) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
11-12 (12.1933)
Date
1933-12-01
Page
Seite 95 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11-12 ZION Seite 95 der lauten Lustigkeit und Oeffentlichkeit, so mag das für viele Galuthländer zutreffen, aber laute Lust verrät nicht immer Tiefe, am wenigsten Tiefe der Religiosität. Aber Prinz kann .es sich nicht versagen, von den „starrgewordenen Formen" des geschichtlichen, traditionellen Judentums zu sprechen, wie es seinerzeit die von Prinz so unerbittlich befehdete Reform und ihre Richtlinienrabbiner, aber auch die protestantische Theologie getan, die das Wort von der „starren Gesetzesreligion" der Bibel und der Pharisäer mit Vorliebe im Munde führen. (S. 170.) Wörtlich schließt Prinz seinen Abschnitt: „Wir wissen, daß noch immer Menschen auch dort drüben die Bürde (!) des in der Verbannung gültigen Judentums der Riten und Zeremonien tragen wollen. Die Jugend aber — wenn sie einen Weg zur Religion sucht1) — wird den Weg derfreienReligiosität gehen". Hier scheidet sich unser Weg von dem des Verfassers aufs schärfste. Ist das die frohe Botschaft, die uns und unserer Jugend aus dem Heiligen Lande erblühen soll? Wir wollen gegen Prinz nicht lange polemisieren, ob er mit Recht oder gutem Geschmack die Religiosität der Orthodoxie (auch wir rechnen uns zu ihr!) als erstarrt und unfrei bezeichnet, ob er das Recht hat, zu behaupten, unserer Art des Festfeierns fehle die rechte, reine Freude, fehle der volksgemeinschaftliche Gedanke (auf den kommt es an, nicht auf den Lärm der Straße!), sie seien zu symbolhaften Schemata herabgesunken. Aber hat Prinz den Begriff der rnso hv nnot? vergessen, die die Voraussetzungen und Wurzel aller unserer Gesetzerfüllung bildet? Hat er nie beobachtet, wie der fromme Jude seinen Etrog, seine Arba Minim auswählt, seine Ssukka schmückt, wie er den Schabbath vorbereitet, wie er mit gluterfüllter Seele seinen Sseder feiert, wie ihn Tage vorher schon Andachtsschauer vor den herannahenden Festen erfüllen, wie niso inn seine oberste Sorge ist? Und all das soll nur von schemenhafter Erinnerung, nicht von Verbundenheit mit Gott und seinem heiligen ihm verliehenen Boden diktiert sein? Wir behaupten, unsere Gebote sind Symbole des Allgemein-Menschlichen, aber zugleich auch des historisch Gewordenen, Jüdisch- Volkhaften und National-Heimatlichen (daher in allen Festsegensprüchen die Worte: nxwb not Dnsa , sie sollen Sinnbilder unserer Volkswerdung sein). Für den thoratreuen Zionisten hat die jüdische Gemeinschaft nie aufgehört, nationale Volkseinheit zu bilden. Für den Misrachisten bietet die jüdische Re- *) Von uns gesperrt. ligion mit ihrem Formenreichtum keine tote Welt von Formeln und Riten, sondern ein Netz von Beziehungen zu Erez Jisrael, sie bedeutet für ihn die Tatwerdung des bloß Gefühlsmäßigen der nationalen Idee am sichtbaren Objekt, sie verbürgt ihm seine Zugehörigkeit zur jüdischen Nation. Die Formen der periodisch wiederkehrenden und täglichen religiösen Betätigungen erzeugen die Form der jüdischen Volkseinheit. „Bei keiner Volksgemeinschaft sind die religiösen Formen so sehr Volksbedingung und arterhaltendes Element nationaler Prägung, sind durchaus keine von der „Konfession" geforderte Kultform, wie bei den Juden, nirgends sind die Gestaltungsformen religiösen Volkstums so sehr Lebensbestimmendes, Vergangenheit und Zukunft unlösbar Bindendes wie gerade im Judentum" (s. meine Artikel in „Jeschurun", Jahrg. 5 Nr. 7). Ohne religiöse Betätigungsformen keine nationale Weihe. Nehmt dem Schabbath die Weihe der absoluten Heiligung, verweltlicht ihn, macht ihn zum Sporttag — und ihr nehmt ihm seinen Charakter, seinen Imponderabilienwert, seinen Sinn für Familienzusammengehörigkeit, seinen Duft und seine Herzenswärme. Feiert die Feste als Volks- und Erntefeste mit Dank und Jubelsklang, doch vergeßt ihre Innerlichkeit, Heiligkeit und Poesie nicht! Aber nein! Prinz registriert mit Stolz: „Heute schon hat der Schabbath Formen gefunden, die mit den Schabbathgesetzen der Orthodoxie nichts mehr zu tun haben." (S. 170.) Und diesen Weg schlägt Prinz ernsthaft der kommenden Generation vor! Diesen Weg möchte er, der überzeugte Antireformer unter den Reform-Rabbinern, der Jugend, der glaubensuchenden Jugend, weisen, und merkt nicht, daß er ihr damit den Weg der Entjudung weist! tDenkt nicht an das Wort Achad Haams: nao im» am« io» nairn n 2 b» n n» tdb> bxivv —! Merkt nicht, daß auch er den Weg der Reformer beschreitet, der aus dem historischen Judentum herausführt, der die Kontinuität der jüdischen Geschichte zerstört! Werdet eine Nation wie andere Nationen, zerstört eure Auserwähltheit, leugnet euren lebensformenden Heiligkeitscharakter, werdet wie die anderen Völker, löst allmählich alle Bindungn, feiert Volks- und Bauernfeste, profaniert den Schabbath zur Ruhepause für den Körper — und ihr nehmt ihm die seelische Isoliertheit und Innerlichkeit, ihr tastet den Daseinskern, die Wesenheit des jüdischen Volkstums an, gefährdet den Sinn der Familie, der Traditionskette, ihr werdet „Hirtenrebellen '. (N. Birnbaum.) Nicht ohne tiefen Grund haben die Propheten bei der Kündung der höchsten Maßstäbe jüdischer Ethik auch die unverbrüch-

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