Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 9-10 (11.1933)
- Date
- 1933-11-01
- Page
- Seite 80 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133276-3139359-3139365--0817-3140328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 80 ZION Nr. 9*10 schiedenheiten handelt. In beiden Kreisen wird das Prinzip der Thora-Waawoda-Arbeit grundsätzlich anerkannt. Mir scheint es vielmehr, daß die in der Praxis nun einmal vorhandenen Unterschiede nicht so sehr Folgen verschiedener ideologischer Grundlagen, sondern eine Folge der Nuancierung und Betonung darstellen. Ich habe den Eindruck, daß in den ehemaligen Esragruppen des Erez-Israel-Kreises das Hauptgewicht auf die jüdische Erziehung gelegt worden ist und erst in „sekundärer" Linie die zionistische Erziehung durchgeführt wurde. In vielen Brith- Hanoar-Gruppen hingegen ist die Reihenfolge, der Wert der Betonung, eine umgekehrte. Da es sich nur um eine Nuance handelt, in der sich beide Erziehungssysteme unterscheiden, ergibt sich von selbst, daß die wertvolleren Menschen beider Kreise, die sowohl in jüdischer als auch in zionistischer Hinsicht ausgereift sind, sich nur wenig von einander unterscheiden. Sie werden es in den meisten Fällen zu einer Synthese beider Prinzipien gebracht haben. Gerade aber bei den weniger wertvollen Menschen bleibt die Erziehung meist dort stehen, wo der Uebergang von dem ersten Haupterziehungsprinzip zum zweiten stattfindet. Sie haben also im Erez-Israel-Kreise eine gute jüdische, aber eine mangelhafte zionistische Einstellung und umgekehrt in den Brith-Hanoar. Gruppen. Es ist schwer, und soll deshalb hier auch nicht versucht werden, in einzelnen Fällen Menschen abzuwerten, aber ich glaube, daß im Grunde genommen diese Motivierung unserer Verschiedenheiten berechtigt ist. Aus dem bisher Gehörten ergibt sich einwandfrei, daß die Verschiedenheiten, die zwischen unseren Bünden bestehen, nicht Verschiedenheiten ideologischer, sondern solche menschlicher Natur sind; also keine Frage der Anschauung, sondern eine Frage der Menschen ist zu lösen, wenn wir diese Verschiedenheiten ausgleichen wollen. Wenn ich jetzt zur Frage der Neuorganisierung komme, so muß das bisher Gesagte beachtet werden. Es ist wirklich keine Frage des Ressentiment, die uns bewegt, jetzt auf einer Namensänderung des neuen Bundes zu bestehen. Es ist bekannt, daß die vielfach einseitige Erziehungsweise in mehreren Gruppen des Zeire Misrachi und Brith Hanoar diesen Gruppen in den betreffenden Orten einen schlechten Ruf verschafft hat. Wir glauben nun, daß es nicht gerechtfertigt und praktisch unzweckmäßig ist, wenn unser neuer Bund seine Aktionsfähigkeit und seinem Aktionsradius durch solche rein äußerliche Dinge beeinti ächtigen läßt. Wir wünschen überhaupt, daß der neue Bund kein Parteigebilde ist, sondern mehr das Gepräge einer Bewegung hat. Aus diesem Grunde schlage ich vor daß unsere Menschen und namentlich unsere Aelternschaft obligatorisch sich im Rahmen eines Aelternbundes des B. Ch. D. betätigen, daß es also unser Haupterziehunsziel sein wird, eine gesunde Nachwuchsbewegung des B. Ch. D. zu schaffen. Damit soll in keiner Weise einer Verwaschsenheit der politischen Entscheidung das Wort geredet werden. Ich glaube vielmehr heute, daß wir in dieser Zeit von unseren Aelteren eine klare politische Entscheidung fordern müssen, aber ebenso sehr glaube ich, daß die Zugehörigkeit zum B. Ch. D. unzweideutig diese Entscheidung zum Ausdruck bringt. Was die Verschiedenheit unserer Bünde anbetrifft, so bin ich der Ansicht, daß in einem noch festzulegenden Bundesrahmen in gewissen Gruppen Autonomie herrschen soll, wobei ich bitte, das Wort Autonomie nicht wörtlich zu nehmen. Es handelt sich nur darum, daß jede Gruppe das Recht haben soll, die von ihr bisher gepflegten Aufgabenkreise auch weiterhin zu intensivieren, soweit sich dieses mit der Arbeit und den übrigen Aufgabengebieten vereinbaren läßt. Zusammengefaßt also: Ich schlage vor, daß die Jüngeren und die Mittlerenschaft unpolitisch erzogen werden, deren Führer dem Aelterenbund des Brith-Chaluzim- Dathiim augehören, also sich klar zionistisch entschieden haben, und deren einzelne Gruppen eine Autonomie in dem vorher besprochenen Sinne genießen. Folgerichtig nach dem bisher Besprochenen fordere ich, daß der Hanhalah des Bundes weitgehend das Recht zugebilligt wird, Gruppen, die sich der neuen Arbeitsrichtung des Bundes nicht anpassen können oder wollen, aus dem Bunde auszuschließen. Nur dann, wenn der Hanhalah diese Möglichkeit in die Hand gegeben wird, wird es durchzuführen sein, aus der bisherigen Zweiheit eine Einheit zu gestalten. Schließlich möchte ich noch darauf hinweisen, daß die akute Gefahr des Führermangels, um nicht zu sagen der Führerlosigkeit, in unseren Gruppen nur dann wird gemildert werden können, wenn wir uns entschließen werden, auch Menschen aus nichtbündischen Kreisen, die unseren Erziehungsidealen nahestehen, zur verantwortlichen Arbeit in unseren Gruppen heranzuziehen. Dieses Prinzip wird sich auch für die Arbeit des Brith-Chaluzim- Dathiim als wichtig erweisen, und muß bei uns durchgeführt werden, wenn eine geregelte Arbeit möglich sein soll.