Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 9-10 (11.1933)
- Date
- 1933-11-01
- Page
- Seite 77 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 9-10 Z I 0 N Seite 77 uns meist nicht ein wirklich inneres persönliches Erlebnis dar, das unser Verhalten im Laufe des Jahres konkret beeinflussen kann. Auch in unserer Jüngerenarbeit erweist er> sich, daß man leicht Interesse und Kenntnisse Palästinas vermitteln kann, daß man aber den inneren jüdischen und religiösen Aufgabengebieten viel weniger Aufmerksamkeit schenkt, was sich später bitter rächt. Auch bei der Palästinakunde muß das historische Moment viel schärfer herausgearbeitet werden. (Siehe die Methodik der Palästinakunde von Erich Rosenblüth, 1932, ferner Ssefer haarez.) Wir müssen uns davor hüten, unsere Jüngeren mit Pinsker und Achad Haam odei gar mit einzelnen Fragen und Gruppierungen der Arbeiterbewegung anzufüllen. Statt dessen müssen die Gestalten und Epochen der jüdischen Geschichte bei allen Altersstufen im Vordergrund der Arbeit stehen. Auch die politische Atmosphäre der Meinekestraße kann sehr stark und auch in günstigem Sinne auf unsere Jüngeren wirken, und doch muß hier ebenso wie in der Mitarbeit an gemeinsamen Veranstaltungen der zionistischen Jugend eine gewisse Distanz bestehen, damit das Bewußtsein unseres eigenen Zionismus immer wach bleibt. Jeder Führer hat seine Gruppenarbeit nach "dieser Seite hin ständig zu kontrollieren. Von diesem Gesichtspunkt aus ist natürlich grundsätzlich auch ein gemischtes Beth Chaluz abzulehnen, da gerade in dieser engen Gemeinschaft die eigene Geschlossenheit unseres Kreises verlorengehen muß und unsere Menschen sich leichter der Atmosphäre des allgemeinen Hechaluz anpassen, als es umgekehrt der Fall ist. . Neben dieser jüdischen Arbeit, die immer im Vordergrunde stehen muß, muß auch von Anfang an eine systematische Erziehung zum Poel und zur Einordnung in die Gemeinschaft einsetzen. Auch hier werden wir uns vor Ueberhäufung mit Einzelheiten oder vor Verselbständigung hüten. Vielmehr haben wir die Bedeutung der körperlichen Arbeit im Gesamtrhythmus des jüdischen Lebens, wie es uns im Tenach und Talmud verkörpert wird, zu zeigen, die allmähliche Einengung unseres beruflichen Lebens in de; Gola, die Bedeutung der für uns wiedergefundenen alicn Werte, all dies immer im Zusammenhang mit dem Gesamt-Jüdischen, nie herausgerissen! Die allgemeinen Fragen der Arbeiterschaft und ihre Lebensformen haben wir von früh an in unseren Kreis zu tragen. Bei der Erziehung zui Gemeinschaft muß der Zusammenhang mit der individuellen Erziehungsarbeit gewahrt bleiben, indem der Zugang vom Persönlichen her zur Gemeinschaft gefunden wird. Buber, Gordon und Landauer werden uns vieles nach dieser Seite hin geben können. Im übrigen haben die Formen der Zofiuth gerade hier ihre nicht zu unterschätzende Bedeutung, nur soll man sich hier vor Veräußerlichung und Uniformierung hüten. Bei den Arbeitsgemeinschaften der Aelteren werden in diesem Rahmen die Fragen der allgemeinen Arbeiterbewegung, die Herausarbeitung unserer Thorah-waawodah-Ideologie und die Entwicklung unserer Bewegung, die Lebensformen der Gemeinschaft und das Wesen des jüdischen Nationalismus in Verbindung mit den aktuellen politischen Fragen ihre besondere Berücksichtigung finden. Aus unseren doppelten Auigaben erwächst auch der doppelte Charakter der Hachscharah. Die Vertiefung nach der erzieherischen Seite hin und die Erfassung eines größeren Kreises, beiden muß seinen Ausdruck finden. Die erzieherische Arbeit in der Jugendbewegung würde wirkungslos sein, wenn der Anschluß an die größere Bewegung fehlen würde; ebensowenig darf der hündische Teil sich dort einfach auflösen, vielmehr muß er als ein Kern im Brith Chaluzim Dathiim erhalten bleiben. Von Anfang an müssen solche geschlossenen Gruppen existieren, und es wird eine praktische Frage sein, inwieweit in dei Hachscharah man beide Prinzipien wird vereinbaren können. — Getrennte Hachscharah ist zu vermeiden, ebenso aber nach Möglichkeit, dafi ein oder zwei „Führende" sich in einem größeren Kreise „ausgeben". Es kann sein, daß auf diese Weise einige Zentren hervorragender sein werden als andere, wenn man genügend Menschen hat, die zur Bildung eines Kernes in einem Zentrum verfügbai sind. Wir müssen von der Notwendigkeit ausgehen, gerade um einen größeren Kreis erfassen zu können, vor allem innerhalb dieses Kreises eine zuverlässige, menschlich und jüdisch wertvolle Gruppe zu schaffen, deren Menschen gar nicht immer an demselben Orte zu arbeiten brauchen, die aber doch in engem Konnex miteinander stehen. Bei diesen Gruppen darf aber niemals der Charakter einer Absonderung, eineibesonderen Betonung des Individualismus entstehen, die Beziehung zur gemeinsamen Aufgabe, die Einreihung in den gemeinsamen größeren Kreis ist gerade von diesen Menschen zu fordern. Auch in der Snifarbeit werden möglichst die Menschen, die längere Erziehungsarbeit an sich erfahren haben, getrennt von den Stam-Chaluzim. zu besonderen Gruppen zusammengefaßt; doch muß durch gemeinsame Veranstaltungen zwischen