Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 9-10 (11.1933)
- Date
- 1933-11-01
- Page
- Seite 76 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 76 ZION Nr. 9*10 Einzelne auf Außenarbeit verzichten. Hat er z. B. nur zweiStunden für sich zu arbeiten, so muß er oft auf den ganzen Arbeitstag verzichten. Ferner ist in der Kwuzah ein guter Facharbeitei fähig, andere Chawerim anzulernen und für die Kwuzah eine eigene Werkstatt zu errichten. Schließlich kann sie Arbeiten im Ganzen übernehmen, und so allmählich die Mittel füV ihre Ansiedlung erarbeiten. Ich habe liier gezeigt, wie die Situation des einzelnen Poel ist; sein Schicksal ist davon.abhängig, ob er seinen Platz in den Reihen der Arbeiterschaft findet. — Wir haben die Aufgabe, zu zeigen, daß man als Einzelner nichts erreichen wird. Erst durch die Vereinigung unserer Kräfte sind wir stark. Erziehungsarbeit im Brith Chaluzim Dathiim. Erich R o s e n b 1 ü t h. Der Aufgabenkreis des Brith Chaluzim Dathiim hat sich in doppelter Beziehung geändert. In ganz anderem Maße als früher hat er heute, wesentliche Aufgaben der ganzen Gemeinschaft gegenüber zu erfüllen; er hat sich verantwortlich zu fühlen für den ganzen Kreis der gesetzestreuen Jugend, die sich für die Chaluziuth entschieden hat. Daraus ergibt sich eine wesentliche Erweiterung des politischen Aufgabenkreises, sowie die Möglichkeit, in den maßgebenden politischen Gremien in unserem Sinne stärker zu wirken. Zugleich aber sind auch die erzieherischen Aufgäben gewachsen. — Die Chawerim kommen wesentlich jünger zur Hachscharah, sie gehen viel früher hinüber als bisher, und in dem viel größeren Kreise des Brith Chaluzim Dathiim ist eine intensive, erzieherische Erfassung des Einzelnen von ganz besonderer Dringlichkeit. Wir müssen hierbei ausgehen von dem uns eigentümlichen Erziehungsideal. Wir dürfen nicht sagen, wir haben das chaluzische Ideal der Anderen und außerdem etwas Eigenes, Religiöses, sondern durch unsere religiöse und geschichtlichjüdische Sinnerfüllung unserer Chaluziuth ist diese selbst etwas Eigenes, uns allein Charakteristisches geworden. Die Produktivierung der jüdischen Volksmassen, der Aufbau des Landes, sind auch uns wesentliche Aufgaben; sie sind aber nicht die entscheidenden letzten Werte für uns. Dadurch muß aber unsere Atmosphäre eine wesentlich andere werden als die des Hechaluz. Wir stellen uns auch aus weltanschaulichen Erwägungen heraus in den allgemeinen Zionismus, unser Zionismus bedeutet aber als Ganzes' etwas durchaus Verschiedenes von dem in jüdischer Beziehung Unverbindlichen des allgemeinen Zionismus. Es ist wichtig für unsere Menschen, genau zu wissen, zu welchem Ziele und zu welcher Gemeinschaft wir zu erziehen haben. Kennen wir aber einmal diese Richtung, dann wird es in der Arbeit vor allem darauf ankommen, unsere Menschen zu einer selbsterarbeiteten positiven Stellung zum Jüdischen zu bringen und die Chaluziuth und die Rolle des Landes nicht als letzte Aufgabe für uns zu begreifen. Oft wird es überhaupt ersi darauf ankommen, den Menschen, der zunächst mit einem rein beruflichen Interesse in den Brith Chaluzim Dathiim kommt, überhaupt empfänglich zu machen für erzieherische Aufgaben. Darüber hinaus wird es aber nötig sein, neben unserem Interesse an der Leistung für das Volk auch das Interesse an der inneren, seelischen Arbeit an uns selber wachzuhalten und zu vertiefen. Wir müssen uns bewußt sein, daß die rein soziologische Fragestellung, die Kenntnis und die Fragen des Landes viel stärker auf den Einzelnen wirken, als die nicht so konkret darstellbaren und erfaßbaren innerlich jüdischen Fragen und Forderungen, daß hier besondere Schwierigkeiten unsere. Erziehungsarbeit bestehen. Denn unsere Menschen müssen nach dieser Richtung hin mehr hinüberbringen, als sie es bisher getan haben. Ist unsere eigene ideologische Stellung in dem obigen Sinne klar herausgearbeitet, so ist uns die Frage unwesentlich, wer uns näher steht, der Chofez- Chaim oder Weizmann. Während es aber leicht ist, dem Einzelnen die Bedeutung Weizmanns klarzumachen und ihn in ein innerliches Verhältnis zu diesem Mann zu bringen, haben unsere Menschen nicht denselben Zugang zu einem Chofez- Chaim. Hier besteht eine wesentliche Erziehungsaufgabe, den Weg zu finden zu großen jüdischen Persönlichkeiten, die keine besondere, direkte Verbindung mit unserer Chaluziuth haben, die durch ihr Leben schweigend den Juden und Menschen verkörpern und die uns daher für die tiefe Sinngebung und Ausgestaltung unserer Gemeinschaft im Lande wichtig werden. Um zu dieser eigenen positiven ,Jüdischkeit" zu erziehen müssen Lernen und Jeschiwah von uns gefördert werden, muß die Freude und das Interesse an jüdischem Tun geweckt werden. Wir haben uns davor zu hüten, unser Verhältnis zu den jüdischen Formen oder zum Gesetz vorschnell zu relativieren, indem wir ihre uns verpflichtende Bedeutung von einer bestimmten Zeitepoche abhängig machen. Vielmehr müssen wir bei ihrei Sinnerfassung nach absoluten Gesichtspunkten suchen. Rosch-Haschana und Jom-Kippur stellen