Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 9-10 (11.1933)
- Date
- 1933-11-01
- Page
- Seite 75 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9*10 ZI 0 N Seit» 75 Gegen Entlassung und Arbeitslosigkeit ist der Arbeiter bisher noch ungeschützt. — Der Arbeiter ist daher darangegangen, eine Kasse zu schaffen, die ihm während seiner Arbeitslosigkeit Unterstützung gewährt. Um zu verhindern, daß der Arbeiter bei seiner Entlassung mittellos dasteht und auch, um ihn vor willkürlicher Entlassung zu schützen, sind in verschiedenen Fachgruppen Vereinbarungen getroffen worden, daß der Arbeitgeber Verträge zu schließen und bei Entlassung Entschädigung zu zahlen hat, die sich nach der Dauer des Arbeitsverhältnisses richtet. Ich habe darauf hingewiesen, daß der Poe! in Erez Israel sich möglichst unabhängig von den Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt machen will. Es ist auch sein Bestreben, sich von seinem Arbeitgeber zu distanzieren, um nicht Untergebener sein zu müssen. In Europa sind die Betriebe so aufgebaut, daß zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeiter eine Mittelschicht vorhanden ist, die Ingenieure und Wefkführer zur Leitung der Arbeit und Aufseher zur Durchfüh- :ung und Beaufsichtigung. Der Arbeiter hat keine direkte Verantwortung. für die Gesamtarbeit des Betriebes; die Verantwortung ruht auf besonders entlohntem Personal. — Die oben geschilderte Mentalität des palästinensischen Arbeiters hat nun dazu geführt, daß sich Arbeiter zu Gruppen zusammengeschlossen haben, welche mit den Arbeitgebern selbständig Verträge abschließen zur Uebernahme ganzer Arbeiten. Der Lohn, der bisher dem Aufseher bezahlt wurde, kommt so der ganzen Gruppe zugute. Hierdurch wird nicht nur eine Besserung der Lage des Poel erzielt, er wird gleichzeitig zur Verantwortung erzogen. Die Entwicklung solcher Gruppen hat teilweise zur Schaffung kooperativer Werkstätten geführt. Nicht unerwähnt will ich lassen, daß solche Gruppen nur im Zusammenhang mit der Lischkah geschaffen werden können, um Komplikationen zwischen den Gruppen und den einzelnen Arbeitern zu vermeiden. Für uns, als religiöse Arbeiter, ist die Schaffung solcher Gruppen besonders wichtig, weil der Poel dadurch leichter von der Bewegung erfaßt werden kann. In diesen Zusammenhang gehört auch die Organisierung der Fachgruppen. Keine Handwerkskammer oder Innung schützt den Facharbeiter. Der Facharbeiter hat sich deshalb, um sich dem Publikum gegenüber einen Namen zu schaffen, der für gute und preiswerte Arbeit garantiert, und gleichzeitig, um den Arbeitslohn festzulegen, in Fachgruppen rwprepo nvu» zusammengeschlossen, die auf dem" Arbeitsmarkt als Mittler zwischen Publikum und Arbeiter auftreten.. Innerhalb der Arbeiterschaft war immer ein starkes Streben danach vorhanden, von der Lohnarbeit jedweder Art loszukommen und selbständiger Siedler zu werden. Die Zeiten, da die nationalen Fonds in größerem Umfange für Siedlungszwecke zur Verfügung standen, sind vorbei. Will der Poel Siedler werden, so muß er es mit eigenen Mitteln versuchen. Der Weg dazu ist sehr mühselig und für den Einzelnen kaum gangbar. Es ist wohl allgemein bekannt, daß die Arbeitersiedlungen in Erez Israel auf genossenschaftlicher Grundlage aufgebaut sind. Der Poel. der zur Ansiedlung will, wird sich schon vorher einen Menschenkreis schaffen, der sich für eine Siedlungsgenossenschaft eignet. Die Vorstufe der Arbeitersiedlung ist der Irgun. Seine Aufgabe ist es, zunächst den Menschenkreis zu bestimmen, der die Siedlungsgruppe bilden soll, Gelder in den eigenen Reihen für die Vorarbeiten aufzubringen und mit den zuständigen Gremien — Keren Hajessod, Keren Kajemeth, Bank Hapoalim u. a. m. — über die Ansiedlung zu verhandeln. Damit seine Mitglieder den finanziellen Anforderungen gewachsen sind, ist der Irgun bestrebt, seinen Mitgliedern solche Arbeitsplätze zu sichern, die es ihnen ermöglichen, gewisse Mittel zu erübrigen. Häufig schließen sich die Iigunim zu Kwuzoth Kablanioth zusammen. Jedes Mitglied des Irgun, das den an es gestellten Anforderungen nicht nachkommt, bedeutet für den Irgun ein Hindernis in der Arbeit, weshalb die Irgunirr besonders vorsichtig in der Aufnahme der Mitglieder sind. Die schwierigste Zeit ist die Periode der Ansiedlung, denn die Siedlerstelle bietet dem Siedler anfangs nicht volle Ernährungsmöglichkeit. Der Siedler muß zunächst noch auf Lohnarbeit gehen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und gleichzeitig in seiner eigenen Wirtschaft arbeiten. Dieses durchzuhalten ist nicht leicht. Diejenigen, welche glauben, in einem Moschaw ein leichteres Leben führen zu können, sollen sich dies vor Augen halten. In der Kwuzah liegt der Weg zur Ansiedlung ähnlich. Durch eine bessere Arbeitsteilung kann dieser Weg leichter werden. Die Kwuzah beginnt im allgemeinen zunächst als Arbeitergruppe. Während nun der einzelne Arbeiter außeiMlb seiner Arbeitszeit mit seinen Ersparnissen selten etwas beginnen kann, ist es in der Kwuzah als einü) Gruppe durch Arbeitsteilung möglich, schon sehr bald mit der Siedlungsarbeit zu beginnen. Erfordert die Wirtschaft Arbeitskräfte, so muß der