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Zion · 1933-11-01 · 9-10 (11.1933) · p. Seite 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
9-10 (11.1933)
Date
1933-11-01
Page
Seite 74 (sequence 8)
Language
German
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Seite 74 Z 10 N Nr. MO Da sich keine Regierimg und kein Gremium um die sozialen Rechte des Arbeiters kümmert, ist es Aufgabe des Arbeiters, selbst für diese Dinge zu kämpfen. Dieses kann er nicht als Einzelner Die Geschichte des jüdische Arbeiters in Palästina ist die Geschichte seines Arbeitsschutzes, ja noch mehr, die Geschichte seines Kampfes um die Arbeit. Die zweite Alijah, die im Anfang dieses Jahrhunderts mit großen Plänen ins Land kam, um die sozialen Rechte des Arbeiters zu erkämpfen, sah sich gezwungen, Abstand zu nehmen von diesem Kampfe und zunächst einmal um die Arbeif selbst zu kämpfen. Sie hatte sich auf den Lebensstandard des arabischen Arbeiters einzustellen, da sie in der gleichen Höhe wie die arabische Arbeiterschaft besoldet wurde. Eine große Anzahl der Poalim konnte den Kampf nicht durchhalten und verließ das Land. Nach dem Kriege setzte eine große Alijah ein. In diesen Jahren kamen Elemente ins Land, welche m nationaler Hinsicht besser erzogen waren als die früheren Alijoth. Auch wurden .große Summen nationalen Kapitals investiert, die es ermöglichten, eine große Anzahl von Arbeitern anzusiedeln. Der Kampf um die jüdische Arbeit wurde erfolgreicher, weil in verschiedenen Betrieben moderne Arbeitsmethoden eingeführt wurden, auf die sich die jüdischen Arbeiter einstellten. Ueberhaupt war die Eroberung der Arbeit (Kibbusch Awodah) die Parole der Arbeiterschaft, denn jeder Platz, der neu erobert wurde, war ein Platz für einen neuen Einwanderer. Zur Zeit der vierten Alijah hatte schon die Arbeiterschaft sämtliche Berufe erobert, so daß man in vielen Kolonien für Facharbeiten nur Juden beschäftigte. In den alten Kolonien gelang es dem Arbeiter allmählich, Fuß zu fassen. In den damals neugegründeten Kolonien wurden fast restlos jüdische Arbeiter beschäftigt. Ich habe schon eingangs erwähnt, daß der Schutz des Arbeiters seine eigene Sache ist. Daher war die Arbeiterschaft von Anfang an bemüht, eine Krankenkasse zu gründen. — Krankenkassen in Palästina sind keine obligatorischen Kassen, wie in den meisten Staaten Europas, obwohl der Arbeiter sie viel mehr benötigt als in Europa. Dem aus kaufmännischen und akademischen Berufen kommenden Poel ist das Umstellen auf manuelle Berufe sehr schwer. Hinzu kommt noch die Akklimatisierung. Der Kampf um die Erhaltung dieserKupath-Cholim ist der eigene Kampf des Arbeiters. Vor allem gilt dieser Kampf den Chawerim in den eigenen Reihen, denn ein Teil der Chawerim, welche die Akklimatisierung gut überstanden haben und sich, gesund fühlen, glauben, die Beiträge für die Kasse sparen zu können und übersehen die große Verantwortungslosigkeit, die sie damit zeigen. Ich will nun die Situation des Schwarzarbeiters schildern. — Der ungelernte Arbeiter hat vor allem eine große Konkurrenz, den arabischen Arbeiter. Somit ist der Schutz des Schwarzarbeiters verbunden zunächst mit einem intensiven Kampf um die Awodah iwrith. Die jetzigen Zustände in Erez Israel, der fieberhafte Aufbau, können nicht als Maßstab für die Beurteilung der Lage des Arbeiters dienen. Als normal kann man die Jahre 1931/32 betrachten. Es gibt mehr Arbeiter als Arbeit. Der Lohn, der bezahlt wird, reicht wohl für Ernährung des Arbeiters aus, aber Voraussetzung ist, daß er ständig und gleichmäßig Arbeit hat. Bei der Annahme vor. Schwarzarbeit ist man nicht gebunden, den Arbeiter während einer bestimmten Zeit zu beschäftigen, sondern er wird auf tägliche Kündigung genommen. Allgemein läßt sich sagen, daß die Gesamtarbeit in den Kolonien unter die Gesamtarbeiterschaft verteilt, erst dem Einzelnen ermöglicht, sich zu ernähren. Um diese Verteilung durchzuführen, hat sich der Arbeiter in Erez Israel ein Arbeitsamt — Lischkat Awodah — geschaffen. In diesen Lischkoth hat nui der Arbeiter Rechtsbefugnisse, daher wird die Stärke einer solchen Lischkah von den lokalen Machtverhältnissen des Arbeiters abhängen. Die Lischkah hat die Aufgabe, die Arbeit anzunehmen und sie gleichmäßig unter ihre Mitglieder zu verteilen. Auf diese Weise muß der Arbeitgeber Arbeiter annehmen, welche gerade dem Durchschnitt entsprechen. Die Anerkennung dieses Prinzips, alle ihre Mitglieder gleichmäßig zu beschäftigen, mußte, auch in den eigenen Reihen erkämpft werden. Der Erfolg einer solchen Lischkah ist davonabhängig, wieweit es dei Lischkah möglich ist, die Arbeitgeber zu überzeugen, daß die Lischkah eine Angelegenheit ist, die nicht nur den Arbeiter ange^t^esondern den ganzen Jischuw und somit auch die Arbeitgeberschaft. Denn bei einer Boykottierung der Lischkah durch die Arbeitgeber, muß diese Institution des Arbeiters illusorisch werden. — Daher sind Bestrebungen im Gange, die Lischkoth so auszubauen, daß auch der Arbeitnehmer in ihnen vertreten ist. Voraussetzung für v solche Lischkoth ist aber, daß der gesamte Jischuw sich um diese Aufgaben bemüht und mit die Verantwortung für alle Arbeiter übernimmt. Daher ist es dringend notwendig, den Jischuw zur Erkenntnis der Rechte des Arbeiters zu erziehen.

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