Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 9-10 (11.1933)
- Date
- 1933-11-01
- Page
- Seite 73 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3133276-3139359-3139365--0810-3140321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr 940 ZION Seite 73 Für beide Teile aber muß die Klärung de» geistigen. Grundlagen der Bewegung als vielleicht entscheidende Aufgabe erkannt werden. ' * * * In der sich anschließenden Diskussion wurden dann drei Problemkreise berührt, die mit den Ausführungen von Unna im Zusammenhang stehen: Die Erziehung zur Kibbuziuth, die Stellung der Familie in der Kwuzah und die Frage, Stadt oder Land. Das Problem der Erziehung zur kibbuzischen Siedlungsform wurde erst später, im Zusammenhang mit allgemeinen Erziehungsfragen, behandelt. Die Stellung der Familie in der Kwuzah — das kam in ergänzenden Ausführungen Unnas zum Ausdruck — muß grundsätzlich so behandelt werden, daß man sich einerseits klar wird darüber, was die Fundamente der Kwuzah sind, und andererseits die Elemente herausarbeitet, die die Institution der Familie bestimmen. Aus der Tatsache, daß es keine einheitliche Haltung der Kwuzoth in dieser Frage gibt, läßt sich schließen, daß die Einstellung zur Familie nicht zu den Grundfragen der Kwuzah gehört. Die Familie, wie sie sich uns heute darstellt, ist nicht nur eine menschlich und religiös, sondern ganz wesentlich eine auch wirtschaftlich bestimmte Institution. Es ist zu untersuchen, ob nicht eine Form der Familie, die ausschließlich menschlich und religiös bestimmt ist, gefunden werden kann und wie diese Form in der Kwuzah zu verwirklichen ist. Eingehender beleuchtet wurde die Frage: — Stadt oder Land. Man hatte durch die Diskussion den Eindruck, als ob die Frage laute: entweder alle unsere Chawerim gehen aufs Land, oder aber sie gehen unserer Arbeit verloren. Demgegenüber betonte Goldman, daß es für uns in der Hauptsache darauf ankommt, geschlossene Gruppen, Kibbuzim, zu schaffen. Für die Entwicklung einer Kwuzah ist das Land viel günstiger. Auch die allgemeine Arbeiterschaft hat bisher keine städtischen Kwuzoth geschaffen. Dies zeigt, daß die Schwierigkeiten zu groß sind, als daß man sie heute überwinden könnte. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß der handwerkliche Beruf keinen Platz im Kibbuz habe. In den letzten Jahren haben alle Kibbuzim des Kibbuz Hameuchad Werkstätten eröffnet, die reichlich Arbeit haben. Schließlich ist in jedem Immigrationslande ein Wechseln des Berufes unter Umständen in Kauf zu nehmen. Als Forderung muß aber aufgestellt werden, daß der Beruf von vornherein unter Berücksichtigung der Gegebenheiten des Landes gewählt werden muß. In der Stadt wäre von uns auch Wichtiges zu leisten; wenn dies bisher nicht geschehen ist, so nur deshalb, weil unsere Chawerim, die bis jetzt in die Stadt gingen, nicht die Aktivität gezeigt haben, wie der Kibbuz Rodges. — Die Erfassung der Chawerim in der Stadt ist meiner Meinung nach Aufgabe des Hapoel Hamisrachi. Der Menschenkreis des Brith Chaluzim Dathiim hat bisher seine Hauptkräfte dem Kibbuz Rodges gegeben und muß dies auch weiterhin tun. — Die Arbeit in der Stadt muß vom Hapoel Hamisrachi gemacht werden. Es wurde weiterhin bemerkt, daß mit der Mittelstands-Alijah auch viel Jugend ins Land, und zwar in die Städte, kommt. Diese können wir nicht erfassen, wenn wir uns nur auf die Arbeit auf dem Lande beschränken. Es ist nicht dasselbe, ob die Jugend von einem misrachistischen Bund oder von uns erfaßt wird. Zur Lösung dieser Frage wurde vorgeschlagen, daß der Kibbuz organisatorisch und pädagogisch befähigte Chawerim in die Stadt schickt, um die dortige Arbeit zu verrichten. Diese sollen dann in einigen Jahren von anderen Chawerim abgelöst werden. Die Situation des Poel In Erez Israel. S. Goldman. Bei der Beurteilung der Lage des palästinensischen Arbeiters müssen folgende Gesichtspunkte beachtet werden: 1. Es gibt in Palästina keine Regierung, welche richtunggebend ist in bezug auf die Rechtslage des Arbeiters, sondern nur eine Verwaltung, welche sich um den Frieden des Landes kümmert. Ihre Einmischung in die sozialen Probleme geht nur soweit, Unfrieden zu beseitigen. 2. Der Poel in Palästina ist kein Arbeiter wie in Europa. Auf Grund verschiedener psychologischer Elemente, auf die einzugehen hier nicht der Platz ist, bemüht sich der jüdische Arbeiter in Erez Israel, so schnell wie möglich sich unabhängig vom Arbeitsmarkt zu machen. Er will als Siedler oder Kablan (Unternehmer), und sei es nur im kleinen Umfang, später unabhängig arbeiten. 3. Der Poel in Erez Israel sieht seine Zukunit nicht nur in seiner eigenen Einordnung, sondern verlangt Einwanderung breiter jüdischer Massen. Ich will nun versuchen, seine Situation darzustellen, unter Berücksichtigung dieser Momente.