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Zion · 1933-09-01 · 7-8 (9.1933) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
7-8 (9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 66 (sequence 12)
Language
German
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Seite 66 ZION Nr.7*8 sie allerorten zurückstößt und ihr haßerfüllt zuruft: „Ihr Juden seid Menschen niederen Wertes, und darum habt ihr keinen Anspruch auf gleiche Behandlung". Müssen nicht diese dauernden Schmähungen um der Zugehörigkeit zum Judentum willen in der Jugend ein Gefühl der inneren Unsicherheit erzeugen, Gefühle des Zweifels am Werte und an der Wahrheit des Judentums? Werden diese jungen jüdischen Menschen, von denen leider ein großer Teil bisher nur in loser Beziehung zum Judentum stand, so stark sein, daß sie trotz allem ihr Judentum als ihr einziges Lebensgut, als die einzige ihnen gebliebene Hoffnung sich erhalten werden? Oder soll sich auch hier die furchtbare Ahnung des Propheten erfüllen: »2>n »3 „Sie sind nicht mehr"? n<aa by roao brn „Rahel weint um ihre Kinder". Aber nicht nur die Väter und Mütter weinen um die Zukunft ihrer Kinder. Rahel, unsere Stammmutter, ist Symbol für das Judentum selber. Das Judentum weint um seine Kinder. «yx »a „Denn sie sind nicht mehr". Oft gab es in unserer Geschichte kritische Zeiten, aber unsere Väter haben durch größte Opferwilligkeit, durch unentwegtes Festhalten an den Geboten der Thora, das Judentum und damit sich selbst vor dem Untergange bewahrt, weil sie von der richtigen Erkenntnis durchdrungen waren, daß das Schicksal des einzelnen Juden an das Schicksal des ganzen Judentums geknüpft ist. Einst nannte man seine Gemeinde ^«wa dk : Mutter in Israel, weil man in den Zeiten der größten Not und Gefahr in. ihrem Schöße Schutz und Zuflucht fand. Und wenn die Mutter in Gefahr war, scharten sich die Kinder um sie, um sie durcli Einsatz aller Kräfte zu schützen. Damals weinten die Kinder um die Mutter. Heute aber, und das ist das Unnatürliche, weint die Mutter um ihre verlorenen Kinder, die im Laufe des Galuth, und besonders in den letzten Jahren und Jahrzehnten, sich ihr entfremdet hatten und sich um äußerer Vorteile willen von ihr lossagten. Wir erleben die Zeit, in welcher die furchtbare Ahnung des Propheten Wirklichkeit zu werden schien, >a „sie sind nicht mehr", da viele die Notwendigkeit der Erhaltung des Judentums nicht begreifen konnten. Aus den Gräbern unserer Frommen, unserer Märtyrer, die einst für des Judentums. Ehre lebten und litten, dringt heute zu uns das Weinen der vielen tausend Seelen, die weiterleben wollen in den Herzen der heutigen Juden, in den Werken der Opferwilligkeit und der unerschütterlichen Treue. II. Und darum vernehmen wir auch das Trosteswort des Propheten: „Halte zurück deine Stimme vom Weinen und deine Augen von der Träne! Denn es gibt einen Lohn für dein Tun, und sie werden heimkehren aus dem Lande des Feindes; und es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft, und die Kinder kehren zurück in ihr Gebiet." Darin gipfelt der Aufruf dieses Rosch haschanah: Nicht die Klage um Vergangenes bringt euch weiter, ^sondern allein die zukunftsfrohe Arbeit im Dienste des Judentums auf einer neuen Grundlage. Ein einzigartiger Ruf zur Teschuwa, wie wir ihn in den letzten Jahren nie vernommen hatten, erfüllt unsere Herzen. Zurück von dem Wege des Abfalls und der religiösen Treulosigkeit, zurück zu den Wurzeln unserer Kraft, die in den Schätzen der heiligen Ueberlieferung unzähliger Generationen aufgespeichert ist. Die Welt draußen stößt uns zurück, sie will nicht unsere Mitarbeit. Nun, der gläubige Jude, der nicht von heute auf morgen denkt, dessen historisches Bewußtsein vielmehr in Jahrtausenden verankert ist, wird sich durch das Galuth-Schicksal, das ihm nicht erst seit heute bekannt ist, nicht beirren lassen. Mit um so größerer Innigkeit wird er, die Verheißung des hSjd ny als stete Aufgabe in sich tragend, seine Kräfte der Mutter, dem Judentum, zur Verfügung stellen, der einzigen Zuflucht, die ihm nach den Enttäuschungen durch die Außenwelt geblieben ist. Der deutsche Jude verwechselte lange Zeit Ge'ula mit brüderlicher Gleichberechtigung und vergaß daran, daß auch in der politischen Freiheit das Galuth, oft stärker noch als in Zeiten bürgerlicher Unfreiheit, fortdauern kann. Wir denken an die zahlreichen Stimmen, die damals in dem Emanzipationsedikt von 1812 den Beginn der messianischen Erfüllung erblickten, indem sie so den historischen und metaphysischen Begriff der Ge'ula verzerrten. Und nun erfahren wir in diesem Jahre die Bedeutung der Teschuwa in zweifachem Sinne, als religiöse und menschliche Erneuerung, aber auch zugleich als Rückkehr der jüdischen Seele zur Wurzel jüdischer Kraft, zu Erez Israel. Bisher fühlte sich jede Gemeinde autonom. Zwar standen unsere Gemeinden in den letzten Jahren seit Gründung der Landesverbände in einem organisatorischen Zusammenhange, aber es fehlte die innere Verknüpfung miteinander. Mit den Grenzen der Gemeinde war meist auch das Blickfeld des Judentums zu Ende. Heute ist die Gemeinde zum Tode verurteilt, die so weiter

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