Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 7-8 (9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- Seite 67 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7*8 - Z I ON Seite 67 ihr Eigenleben fristen will und sich nicht bewußt dem Rahmen des Gesamtjudehtums einfügt. Das heißt, daß die geistige und seelische Orientierung der Gemeinden an Erez Israel erfolgen muß. Wir müssen erkennen, dafe heute in der Gefahr der Atomisierung des Galuth-Judentums unseren Gemeinden der seelische Rückfall nur von Erez Israel gegeben werden kann. Was der Misrachi in seiner jahrzehntelangen Arbeit erstrebte, ein 'ann tbia, ein geistiges Zentrum für das gesamte Judentum, könnte in der Gegenwart greifbare Formen annehmen, wenn das Judentum, besonders das gesetzestreue, eine geschlossene Front bilden würde. Die Wechselwirkung zwischen Erez Israel und den Gemeinden des Galuth muß wieder eine lebendige werden. Wertvolle Kräfte des Galuth-Judentums wirken heute in Erez Israel mit an dem Aufbau eines neuen Volkslebens. Aber Erez Israel empfängt, um zu geben. Die Schöpfungen des heiligen Landes werden dem Galuth-Judentum neue Impulse geben, und vor allem den moralischen Rückhalt. Es ist das ein erhebendes Bewußtsein, wenn, wie einst, so auch heute die jüdischen Gemeinden des Galuth, ihre seelische Heimat bei ihrer aller Mutter fände, die einst weinen mußte über ihre verlorenen Kinder und die heute Freudentränen vergießt über eine neue Generation, die die Heimkehr zur Mutter antritt, über eine neue Jugend, die nicht mhr betteln will um Brosamen der Anerkennung als gleichwertiger Mensch, sondern die ihre Gleichwertigkeit durch Arbeit und Kampf erweisen will. „Es gibt einen Lohn für dein Tun, und es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft". Mit dieser Gewißheit im Herzen wollen wir dem neuen Jahr entgegensehen. Lohn und Hoffnung werden uns jedoch nur winken, wenn wir die Verheißung als zwiefache Aufgabe mpfinden: die wirkliche oder geistig-seelische Heimkehr nach Erez Israel, und auch die Rückkehr der Kinder „in i h r Gebiet". Das ist der jüdische Boden, der nur zu gewinnen ist durch erneute Verknüpfung unserer Jugend mit den Werten, die wirklich unser eigenstes Gebiet bilden, das Gottesgesetz, das seine höchste Verwirklichung erst in Erez Israel finden kann. Die dreifache Verknüpfung von nun ,dj? und pn als unsere ewige Aufgabe begriffen, wird uns im neuen Jahre Mut und Entschlossenheit, aber auch Lohn und Hoffnung schenken. / Aufruf des Brith Chaluzim Dathiim. In den vergangenen Wochen hat jeder Jude die Taten des letzten Jahres, überhaupt die Haltung untersucht, die er im vergangenen Jahre seinen menschlichen und jüdischen Aufgaben gegenüber eingenommen hat. In diesen Tagen fragen wir den Misrachi: Seid Ihr Euren Pflichten, die Ihr der Hachscharah Dathith gegenüber habt, in genügendem Maße nachgekommen? Leider müssen wir diese Frage vom Brith Chaluzim Dathiim aus mit einem glatten Nein beantworten. Daß die Hachscharah die jüdische Aufgabe in Deutschland ist, brauchen wir in Misrachi-Kreisen nicht zu erwähnen, da dies bereits weite Kreise des liberalen Judentums eingesehen haben. Wir dürfen also von jedem religiösen Juden fordern, unsere Arbeit selbst aktiv zu unterstützen. Bei allen Gelegenheiten des täglichen Lebens haben wir als religiöse Juden mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen, die unüberwindbar sind, wenn wir die Unterstützung der älteren Generation entbehren müssen. Man überlege sich, wie schwer es ist, in der heutigen Zeit für jüdische Jugendliche Stellung zu finden, um so mehr, wenn diese noch schabbathfrei sein muß. Wenn uns dieses dann endlich gelungen ist, müssen wir eine erhebliche Geldsumme aufbringen, um die Chawerim unterbringen und schließlich auch verpflegen zu können. Mit der Unterbringung der Chawerim in die Hachscharah sind unsere Aufgaben jedoch noch lange nicht erledigt. Wir als Chaluzim Dathiim müssen an uns besonders hohe Forderungen auf geistigem Gebiete stellen. Daher müssen wir sowohl vor als auch während der Hachscharah unsere Chawerim geistig erfassen. Um diese erforderliche Tarbuth- Arbeit leisten zu können, ist wiederum Geld notwendig. Wenn man nun sieht, wie vielseitig unsere Arbeit ist und wieviel Schwierigkeiten zu überwinden sind, wird sich niemand der Mitarbeit entziehen können. Und jeder kann mithelfen. Es wird bestimmt möglich sein, noch eine ganze Reihe von Arbeitsmöglichkeiten ausfindig zu machen, wenn jeder Misrachist in seinem Bekannten- und Verwandtenkreise sich wirklich darum bemüht. Es müssen Geldmittel zur Finanzierung unserer Hachscharah, Möbelstücke zur Einrichtung, Lebensmittel zur Aufrechterhält ung unserer Bathe-Chaluz, Kleidung und Wäschestücke für Ausrüstung unserer Chawerim, Sefarim zur Tarbuth-Arbeit bereitgestellt werden. Die Misrachisten, die selbst nichts geben können, können sich trotzdem an der Arbeit beteiligen, indem sie andere, von uns nicht erfaßte Menschen, veranlassen, unsere Sache zu unterstützen.