Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 7-8 (9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- Seite 64 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3133276-3139359-3139364--0796-3140306- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 64 ZION Nr. 7*8 noch niemand die jüdischen Benutzer arabischer Wagen am Freitag-Abend nach dem n*n naw in Tel Awiw auf die Inkonsequenz aufmerksam gemacht, die darin liegt, die ganze Woche mwy nnay zu rufen und am na» dieses Postulat der eigenen Bequemlichkeit halber zu opfern.) Dabei sind die Synagogen gefüllt, auch von der Jugend. Kein Zweifel, daß ein Gottesdienst am natf in dem h\ixn noaan rpa in Tel Awiw zu einem religiösen Erlebnis wird. Hier kann nicht darauf eingegangen werden, wie der Kampf gegen na» SiSn und für eine Wiederheranführung großer Teile der Jugend an die religiöse Tradition geführt werden soll. Ziel muß sein, die große Kluft zwischen Alter und Jugend zu überbrücken, überhaupt erst einmal eine Verbindung zwischen diesen Teilen herzustellen. (Warum z. B. nimmt man zum Blasen der nnxum am Freitag statt der sicher sehr braven alten Jehudim nicht junge Menschen aus der Klasse der Poalim, die doch damit ihren Alters- und Standesgenossen zeigen würden, daß das ihre eigene Welt ist, die sie leben- und nicht etwas Abgetanes, das man zum alten Eisen wirft?) Der erste und bisher gelungenste Versuch ist die schon oft gerühmte, von Bialik inaugurierte und von ihm geleitete Feier des Oneg Schabbath, bei der sich etwa 1200 Menschen jeden natr Nachmittag versammeln, alt und jung, (man sieht Mütter mit ihren kleinen Kindern auf dem Arm), Menschen verschiedenster Schichten und Anschauungen. Hier spürt man etwas von Sabbathstimmung, und wenn unter dem Gesang des hervorragenden Chors der großen Synagoge langsam der Tag entflieht und mit Eintritt der Dunkelheit das Modell der Burg Zion im Saal aufleuchtet, haben sehr viele Juden wieder oder erstmalig begriffen, was die rniv novi des nati> bedeuten kann. Ein schöner Anfang, aber doch nur ein Anfang. Denn nur ein innerlich einiger, religiöser Jischuw könnte richtunggebend sein; doch wie sieht es da zerrissen aus. Besitzt Erez Israel in der Persönlichkeit von Raw Kook schon das Geschenk eines ganz großen, in der Vollkommenheit und Harmonie von Wissen, Charakter und echter Sme» nana einen seltenen Jehudi, so sollte man meinen, daß alle Teile der Orthodoxie diesen Alann verehrend anerkennen. Leider haben gerade die letzten Wochen gezeigt, daß das Gegenteil der Fall ist. Schamröte steigt empor, wenn man hört, wie Angehörige der extremen separatistischen Orthodoxie (palästinensische Agudath Jisroel) Raw Kook mit. übelsten Ausdrücken öffentlich schmähen >und sogar vor Tätlichkeiten nicht zurückschrecken. Man muß verlangen, daß von solchen Kreisen die anständigen Elemente der Partei deutlich abrücken, was bisher nur ungenügend geschehen ist. Meistens handelt es sich dabei um Jugendliche. Wie ist solches möglich, oder besser: wie kann solches zur Möglichkeit werden? Damit sind wir beim Chinuch. Dieser bildet für alle Teile des Jischuw ein Problem. Geht man durch die Straßen von Meah Schearim oder hat mau sonst Gelegenheit, mit der Jugend des alten Jischuw zusammenzukommen, dann fragt man sich, was hat die Agudas Jisroel getan, oder was tut sie, um diesen Teil beim Judentum zu halten? Wenn hier nicht versucht wird, eine Verständigung zwischen der modernen Welt, die ja doch überall auf diese Jugend einschlägt und der Tradition zu schaffen, so droht diese Jugend, ähnlich dem Beispiel Osteuropas, in der nächsten Generation mit fliegenden Fahnen in das andere* Extrem hinüberzuschwenken. Daß auch der leere areligiöse Hebraismus mancher zionistischer Schulen nicht Gewähr bietet für die Entwicklung einer Jugend, die das Väterliche kommender Generationen" beibehält im Kampfe um und für den Aufbau des Landes, wissen unsere Kreise nur zu genau. Bei aller Anerkennung der Verdienste des Misrachi-Schulwerks darf nicht geleugnet, werden, daß die Erfolge hinsichtlich der Tradition (die Leistungen hinsichtlich des wisser'smäßig Erreichten geben alle zu) nur zu oft mangelhaft sind. Gerade jetzt sollen in Tel Awiw zwei neue Schulen orthodoxer Gattung geriindet werden, die eine den Kreisen des deutschen Misrachi nahestehend, die andere unter Führung von Prof. Breuer und N. Elias-Frankfurt a. M. Es wird noch zu beweisen sein, ob diese Gründungen den erwartenden Hoffnungen entsprechen werden; vielen erscheint es zweifelhaft, ob das in Deutschland auch nicht restlos erfolgreiche System orthodoxer Schulen in Erez Israel am Platze ist. Ganz gewiß nicht, wenn, wie in der Schule Breuer, das nationale Moment ausgeschaltet wird. Und man fragt sich, wäre es nicht besser, am Bestehenden anzuknüpfen, und dort Mängel, die keiner leugnet, zu bessern? Jedenfalls wird die große Zahl unserer Freunde, die jetzt aus Deutschland gekommen ist und noch kommt, eine Fülle von Problemen vorfinden, zu deren Lösung sie sicherlich auf Grund ihrer Arbeit bisher einen wesentlichen Beitrag liefern werden. Die extreme Orthodoxie wird schwerlich den sehr steinigen Boden gewinnen, der Misrachi hat viel versäumt und verfehlt, es scheint, daß sich um den Poel-Hamisrachi eine neue große Gruppe von Menschen konzentrieren