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Zion · 1933-09-01 · 7-8 (9.1933) · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
5 (1933)
Issue
7-8 (9.1933)
Date
1933-09-01
Page
Seite 61 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7-8 Z I 0 N Seite 61 können und in ständiger Fühlungnahme mit den Führern der Parteien und Gruppen gewesen ist. Wenn auch durch diese Schilderungen der Differenzen, Kämpfe, offiziellen und inoffiziellen Verhandlungen manches von dem erklärt worden ist, was dem fern von den Vorgängen Weilenden unverständlich erschien, so bleibt es doch schwer begreiflich, wie ein Zionistenkongreß in einer Zeit beispielloser Krise des GaluthJudentums, einer Zeit stärkster Alijah, einer Zeit, in der alle Probleme des Zionismus neu aufgerollt werden müssen, in dieser Weise an allen Aufgaben der Organisation vorübergehen und sie einer Exekutive überlassen konnte, die nicht auf das nötige Vertrauen des Galuth oder gar Erez Israels rechnen kann. Den Ausführungen unseres Mitarbeiters ist wenig hinzuzufügen und seine Schlußfolgerungen können nur unterstrichen werden. Die Leitung ist unter Verhältnissen, die straffste Zusammenfassung aller Kräfte erfordert hätten, völlig in den Hän;den der Linken. Selbst Brodetzki, der seit Jahren in geschickter Weise die Londoner Politik der Bewegung leitet, hat es diesmal für angezeigt gehalten, darauf hinzuweisen, daß er der Labour Party angehört. Grünbaum hat seine Ansicht ausgesprochen, daß der Klassenkampf in Erez Israel von rechts ausgeht. Und diese Zusammensetzung der Exekutive hat nicht nur den Fehler ihrer Einseitigkeit, der unter anderen Umständen ein Vorteil hätte sein können, sondern den schwerer wiegenden, daß wichtige Dezernate nicht fachmännisch werden besetzt werden können, wie vor allem das für Industrie und Handel. Die Presse des Landes, soweit sie nicht der Linken angehört, betrachtet die Leitung mit unverhohlener Skepsis. Daß die Misrachi-Tagung in Krakau noch nach den Kongreß-Wahlen und nach der Sitzung der pal.istinensisc .en A.-C.-Mitglieder, auf der man schon einen bitteren Vorgeschmack des Kongresses spürte, des psychologischen Verständnisses bar war, darauf macht unser Mitarbeiter bereits aufmerksam. Zwei Dinge lassen diesen Mangel noch besonders deutlich erscheinen. Einmal der Beschluß (vorher veröffentlicht, damit man auch ja festgelegt sei!), nicht nur, daß Farbstein der einzige Kandidat des Misrachi sei, sondern auch, daß er das Dezernat für Alijah bekommen müsse. Eine klare und sicher gewollte Kampfansage gegenüber einer Partei, von der man wußte, daß sie dies Mal auch numerisch den Kongreß beherrschen werde. Zweitens ein Ausspruch Fishmanns, den die hiesige Presse brachte: man könne manches gegen Farbstein sagen, aber er habe seinen Fehlern gegehüber einen großen Vorzug: die Linke haßt ihn! Meier Berlin griff ein. Ob damit der ungünstige Eindruck solcher Aussprüche aufgehoben wurde, ist fraglich. Bei früheren Tagungen spielte der diesmal fehlende deutsche Misrachi eine Rolle, die bei den Abstimmungen nicht entscheidend sein konnte, die aber immerhin erreichte, daß unbesonnene Anträge, übereilte Entschließungen paraphiert werden konnten. Diesmal scheint alles hemmungslos seinen Gang vollendet zu haben, ohne daß retardierende Kräfte wirken konnten. II. Leider hat auch der Kongreß, wie nach seinein Verlauf zu erwarten war, die Stimmung im Lande nicht verbessert. Diese Woche waren zwei Verhandlungen vor dem Friedensgericht wegen Schlägereien zwischen Mitgliedern der Histadruth und des Betar, vorige Woche ein Ueberfall der Arbeiter auf eine interne Feier des Betar. Der palästinensische KJV. hat sich mit der Exekutive „gleichgeschaltet" und will die Revisionisten ausschließen. Ein sehr folgenschwerer Entschluß. Bei der Berichterstattung des Misrachi in Tel Aviv hat Fishmann schärfste Oppositionsstellung angekündigt, und die weitgehende Bundesgenossenschaft der Gruppe Fishmann — Farbstein-Sirkis mit den Revisionisten dürfte der Schärfe ihrer Opposition das Gepräge geben. Smilanski, der ja jetzt auch Redakteur der Tageszeitung Doar Hajom ist, und dessen Gegnerschaft gegen die Leitung von vornherein klar war, hat mit der Offensive schon begonnen. Die Exekutive ihrerseits wird ohne Zweifel nach dem Kongreß nachzuholen suchen, was dort nicht gelang und vielleicht in der dortigen Atmosphäre nicht gelingen konnte: die Mitwirkung außenstehender Gruppen zu gewinnen. Nur durch Mäßigung und Entgegenkommen unter scharfer Betonung des Einigenden wird es möglich sein, das zu erreichen, und wenn überhaupt zu hoffen ist, daß nicht die Periode bis zum nächsten Kongreß mit inneren Kämpfen ausgefüllt sein wird, dann ist es, weil der Wunsch, zu einer Einigkeit des Jischuw zu kommen, immer stärker wird insbesondere in den Kreisen, die an der Führung der Parteien nicht beteiligt sind. Der einfache Jude des Landes, der täglich aufs neue sich mit den Alltagsproblemen herumzuschlagen hat, mit 4en wirtschaftlichen Fragen, denen der der Sicherheit, denen der Zuteilung der Arbeit an Juden usw., versteht nicht und will nicht verstehen, daß Parteiprogramme stärker sein sollen in der nationalen Organisation als die Notwen-

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