Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 5 (1933)
- Issue
- 7-8 (9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- Seite 60 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 60 Z I 0 N Nr 7*8 diese Forderung zu erfüllen, und auch außerhalb der Linken waren gewichtige Kräfte unter den für die Exekutivbildung in Frage kommenden, die nicht mit dieser personellen Lösung einverstanden waren. (In der grundsätzlichen Frage, ob jede Koalitionspartei einfach ihre Menschen zu präsentieren hat, oder ob die Menschen gemeinsam von den Wählern zu bestimmen sind, hat der deutsche Misrachi seit Jahren, im Gegensatz zur Misrachifraktion, den Standpunkt eingenommen, daß es für eine arbeitsfähige Exekutive notwendig sei, daß die Personenauswahl so vorgenommen werde, daß die Gewählten miteinander arbeiten könnten.) Bis zum letzten Augenblick glaubte ein Teil des Misrachi, daß die Linke nachgeben würde. Als man sah, daß dies nicht der Fall war, begannen inoffizielle Besprechungen, in denen die beiden Seiten einander näher kamen. In diesem Augenblick aber (und wie oben schon gesagt, durch das Versagen des Permanenzausschusses erst in diesem Augenblick) erfuhren die Misrachiunterhändler, wie im übrigen die Zusammensetzung der Exekutive gedacht sei. Jetzt begann nun leider die gleiche Verhandlung mit umgekehrten Vorzeichen. Jetzt erklärten die verhandelnden Misrachisten, daß, nachdem sie bereit seien, sich in personeller Beziehung den Wünschen der anderen zu fügen, man auch ihnen gegenüber ebenso verfahren und sie auf die Personenauswahl der anderen Einfluß nehmen lassen müsse. Jetzt war aber plötzlich die Gegenseite hierzu nicht bereit. Mag sein, daß sie sich schon zu weitgehend gebunden hatte, — jedenfalls setzte sie dieser personellen Forderung ein* kategorisches „nein** entgegen. An dieser Frage zerschlugen sich nunmehr die Koalitionsverhandlungen mit dem Misrachi genau wie diejenigen mit der Gruppe B. Beide waren nicht bereit, mit dem von den Radikalen präsentierten Vertreter zusammen in der Exekutive zu gehen, wobei verschiedene Gründe mitgespielt haben, dürften. Den einen dürfte' seine ausgesprochen religionsfeindliche Haltung, die viel krasser ist als die der meisten führenden Linken ausschlaggebend gewesen sein, de anderen die Tatsache, daß er in den letzten Jahren im Gegensatz zu einer früherzionistischen Vergangenheit nur noch als ein Mann des Kampfes und der Kampfverschärfung in die Erscheinung getreten ist, während man in diesem Augenblick unter den Mitgliedern der „Nicht-Linken" unbedingt Menschen suchen müßte, die Gegensätze zu überbrücken imstande wären, was zu den hervorragendsten Eigenschaften des anderen in Frage kommenden Führers der Radikalen gehört hätte. Die Haltung, die die Linke in dieser Frage einnahm und an der letzten Endes die große Koalition scheiterte, schlägt der bis dahin dem Misrachi gegenüber eingenommenen grundsätzlichen Haltung so ins Gesicht, daß die Folgen dieses Verhaltens von der Linken getragen werden müssen. Ein Wort noch zu den Resolutionen des Misrachi: Ihre Abstimmung wurde bekanntlich m der letzten Kongreßsitzung abgelehnt, weil sie nicht ordnungsgemäß durch eine Kommission gegangen waren. Es lohnt nicht, hier eine Doktorarbeit darüber zu schreiben, wen hier das Verschulden traf. Unstreitig waren die Resolutionen zu Beginn des Kongresses allen Parteien übergeben und auch in einem frühen Stadium in den Permanenzausschuß gebracht worden. Wenn sie dort nicht abgestimmt worden waren, so hätte die Mehrheit des Kongresses doch Forderungen, die für eine wichtige Partei von so grundsätzlicher Bedeutung waren, nicht einfach mit einem formalen Hinweis unerledigt lassen dürfen. Die Brücke einer kurzen Vertagung des Kongresses, die vorgeschlagen war, hätte jedenfalls betreten werden müssen. Auch in diesem Punkt hätte zum mindestens die Klugheit eine andere Haltung gebieten sollen. VI. Wir haben uns im vorstehenden bemüht, zu zeigen, an welchen Fehlern letzten Endes dieser Kongreß scheiterte, wir glauben, dies objektiv getan zu haben und können nur wiederholen, die Schuld lag auf allen Seiten, der große Moment fand ein kleines Geschlecht. Es gibt aber einen Trost, er mag an sich erfreulich sein oder nicht, er ist eine Realität: Erez Israel ist heute bereits in einem so hohen Maße auf eigene Füße gestellt, daß ein guter oder schlechter Kongreß wohl etwas nützen oder etwas schaden, aber nie das Ganze mehr in Frage stellen kann. Noch lange wird es gelten, zionistische Arbeit zu leisten, die Organisation und die Fonds zu stärken, die Chaluzarbeit und die Hachscharah durch die Organe der Organisation zu fördern. Aber wenn in unserem „Parlamentarismus" einmal ein Rückschlag kommt, so ist es gewiß schmerzlich, lebensbedrohend ist es nicht. Tagebuch. Tel-Aviv — Tisch r i. I. Der 18. Zionistenkongreß liegt hinter uns und unsere Leser finden in dieser Nummer eine eingehende Würdigung seines Verlaufs und seiner Ergebnisse aus der Feder eines Mannes, der den Verhandlungen an Ort und Stelle hat folgen